Stärkung für die kalten Tage

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Im Winter freuen sich Vögel über fettreiche Meisenknödel.
onnola/Flickr/CC-BY-SA
Tierwelt 52/2013
Vögel mit der richtigen Fütterung beim Überwintern unterstützen, will gelernt sein. Wer die wichtigsten Punkte beachtet, kann sich auf ein schönes Naturerlebnis freuen.

Wer beobachtet nicht gern die Vögel, die im Winter hungrig ans Futterhäuschen kommen? «Es profitieren dabei vor allem die häufigen Vogelarten aus dem Siedlungsraum», erläutert Michael Schaad von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Sie sind zwar gut an die Lebensbedingungen im Winter angepasst, doch erleichtert ihnen die Fütterung den harten Alltag in der kalten Jahreszeit. «Bedrohten Vögeln von der Roten Liste kann man damit aber nicht helfen, denn die meisten sind Zugvögel und im Winter gar nicht hier oder sie leben nicht im Siedlungsraum», sagt Schaad. 

Füttern sollte man  in erster Linie dann, wenn Dauerfrost herrscht oder eine geschlossene Schneedecke liegt. Die Auswahl des Futters sollte sorgfältig erfolgen. «Es braucht energiereiche Samen wie Hanf oder Sonnenblumenkerne. Stärkehaltiges Getreide, das noch dazu als ganzes Korn angeboten wird, ist zu hart für die meisten Vögel ausser für Tauben und Sperlinge.» 

Das Rotkehlchen und der Zaunkönig picken ihr Futter lieber vom Boden auf
Zudem sollte man auf die Herkunft des Futters achten. Die stark allergieauslösende Ambrosiapflanze zum Beispiel breitet sich bei uns des Öfteren durch unbeabsichtigte Samenbeimischungen in unzureichend gereinigtem Billigvogelfutter aus, das vor allem aus Ungarn und Nordamerika importiert wird. Weich- und Insektenfresser schätzen auch fettgetränkte Haferflocken, Rosinen und Äpfel oder Birnen, sowie Fett oder Quark. 

Mit unterschiedlichen Futterquellen lassen sich ganz verschiedene Vogelarten anlocken. Blau-, Kohl-, Sumpf- oder Haubenmeisen halten sich problemlos am Meisenknödel fest und tun sich an dem im Fett getränkten Vogelfutter gütlich. Buchfink, Gimpel und Distelfink bevorzugen kleine, ölhaltige Samen. Amseln und Drosseln nehmen auch gerne Rosinen oder Äpfel. Zudem gibt es Vogelarten, die sich am liebsten am Boden verpflegen, zum Beispiel das Rotkehlchen oder der Zaunkönig. Spechte und Eichelhäher dagegen locken Vogelfreunde, indem sie einen Baumstamm mit Fett einreiben, das die Tiere von der Rinde picken können. 

Am besten ist der Garten das ganze Jahr über ein vogelfreundlicher Ort
Bei Futterhäuschen ist es wichtig, dass sie frei aufgestellt werden. In unseren Wohngebieten gibt es zahlreiche Hauskatzen, die sich nicht unbemerkt an die Vögel heranschleichen sollen. Gebüsche und Bäume sollten einige Meter entfernt sein. «Ein etwas entferntes, dichtes Gebüsch ist dennoch nützlich. Sonst sind die Vögel Angriffen aus der Luft ohne Zuflucht ausgeliefert. Wir wollen ja die kleinen Vögel füttern, nicht den Sperber», ergänzt Schaad.

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 Vogelfutter in hübscher Form

 Material:

  • Kokosfett, 
  • 1 Spritzer Salatöl
  • Vogelfutter (z.B. Hanfsamen und Sonnenblumenkerne)
  • Weizenkleie
  • Haferflocken, evtl. Rosinen
  • Guetsliformen
  • Geschenkband
  • Stöckchen als Sitzgelegenheit
  • Reste von Draht

An den Guetsliformen Aufhänger aus Geschenkband befestigen. Wer mag, kann mit Draht ein Stöckchen als Sitzgelegenheit für die Vögel montieren. Fehlt dieses, sollten die Formen später so aufgehängt werden, dass ein Ast als Sitzgelegenheit nah genug liegt. Die vorbereiteten Formen auf Backpapier auslegen. 

In der Zwischenzeit das Kokosfett in einer Pfanne vorsichtig schmelzen, vom Herd nehmen und so viel Vogelfutter und Haferflocken einrühren, dass die Masse dickflüssig wird. Ein Spritzer Pflanzenöl verhindert, dass die Masse bei Kälte brüchig wird. Die Masse einfüllen, sobald sie beginnt fest zu werden, und glatt streichen. 

Wer beim Spaziergang Vogelfutter in der Natur verteilen will, kann Anzuchttöpfe aus Pappe mit der Masse füllen und vor dem Festwerden mehrere verästelte Zweige als Sitzgelegenheit hineindrücken. Die Töpfe werden kopfüber ins Gebüsch gehängt und verrotten von selbst, wenn das Futter herausgefressen ist.

Die Futterstelle sollte so angelegt sein, dass kein Kot ins Futter gelangt und das Futter nicht nass wird. Besonders gut geeignet sind Futtersäulen. Das Futterhaus sollte zudem regelmässig mit heissem Wasser, aber ohne scharfe Chemikalien ausgebürstet werden. Essigwasser ist erlaubt. Findet man kranke, apathisch wirkende oder tote Vögel, stellt man die Fütterung sofort für eine Woche ein und säubert das Futterhaus gründlich, um eine Ansteckung zu verhindern.

Da die Fütterungen auch unter Experten immer noch umstritten sind, haben sich einen Winter lang deutsche, britische und brasilianische Forscher das Ganze mit beachtlichem Aufwand auf der Schwäbischen Alb genauer angesehen. Sie beobachteten das Verhalten von 8500 Vögeln von elf verschiedenen Vogelarten, darunter Meisen, Kleiber, Spechte, Eichelhäher und Finken. War der Boden gefroren oder gab es eine geschlossene Schneedecke, kamen deutlich mehr Vögel ans Futterhaus. Eine Beobachtung, die alle regelmässig fütternden Laien nicht überrascht.

Haupterkenntnis der Wissenschaftler: «Vögel, die im Winter Nahrungsknappheit erfahren, bevorzugen fetthaltiges Futter», sagt Swen Renner von der Universität Ulm. Sie zogen es kohlehydratreichem Futter und Früchten deutlich vor. So können sie ihren Energieverlust an kalten Tagen am besten ausgleichen. Sollten Tierfreunde also im Winter fetthaltige Nahrung zufüttern? «Aus unserer Studie lässt sich ableiten, dass zusätzliche Futterstellen zumindest nicht schaden, wenn Schnee liegt», fasst Renner diplomatisch zusammen. 

Und Michael Schaad hält fest: «Am besten ist es, wenn der Garten selbst möglichst vogelfreundlich angelegt ist und sie dort Raupen und Samen finden können. Vogelfüttern als Ausgleichsmassnahme, weil man den Rasen überall kurz hält und für heimische Insekten nicht nutzbare fremdländische Sträucher anpflanzt, ist sicher nicht ideal. Im naturnahen Garten ist das Vogelfutter ganzjährig gratis.» Im Winter könne man dennoch zufüttern. Schaad macht das übrigens auch – er hat im Winter immer ein paar Meisenknödel vor dem Bürofenster. 

Links zur Winterfütterung von Vögeln:
www.wildvogelhilfe.org
www.vogelwarte.ch

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