Gefährliche Neugier

Hund und Igel
Hund und Igel
Bei allem Verständnis für die Faszination des Hundes, wenn er einen Igel sieht: Ein Aufeinandertreffen bedeutet Gefahr für alle Beteiligten und sollte deshalb verhindert werden.

Ein Rascheln im Gebüsch und schon ist der Hund ganz Ohr. Will er dem Geräusch auf die Spur kommen, ergreift dessen Verursacher meist sofort die Flucht wie etwa Nachbars Katze, eine Maus oder ein Frosch. Igel hingegen, sofern sie keine Möglichkeit zur Flucht mehr haben, rollen sich zu einer Kugel zusammen – und wecken so erst recht die Neugier des Hundes. Trotz des Impulses, seinen Vierbeiner mal kurz an der stacheligen Kugel schnuppern zu lassen, die ihn so in den Bann zieht, sollten Halter jeglichen Kontakt zwischen Hund und Igel verhindern – zum Schutze aller Beteiligten. 

Die grösste Gefahr bei einer Begegnung zwischen Hund und Igel besteht ganz klar für das Wildtier, wie Annekäthi Frei sagt. Als Tierärztin und Co-Geschäftsleiterin des Igelzentrums Zürich ist sie immer wieder mit verletzten Igeln konfrontiert, viele davon mit Bissverletzungen. Von welchem Tier die jeweils stammen, bleibe oft unklar. Doch Frei ist überzeugt: «Auch ein Hund kann einem Igel schwere Verletzungen zufügen.» 

Gefahr durch Bisse und Parasiten
Zwar habe der Hund keine Chance, einen erwachsenen und vollständig eingekugelten Igel mit seinen Krallen zu öffnen, wie dies etwa Dachs oder Uhu tun. Bei einem Biss ins Stachelkleid schrecken Hunde sofort schmerzerfüllt zurück. «Doch gerade junge oder schwache Tiere sind oft weniger stark eingerollt und lösen sich zu schnell aus der Abwehrhaltung», sagt Frei. «Da kann die Hundeschnauze schnell mal den Kopf oder die Beinchen des Igels erwischen.» Falls das passiert oder man sonst einen verletzten Igel vorfindet, sollte man ihn in eine Schachtel setzen und sofort zum Tierarzt bringen oder die nächste Igelpflegestation anrufen. 

Das Aufeinandertreffen kann aber auch für den Hund unangenehm werden. So können eingekugelte Igel zur Abwehr ihre Stacheln mit einer ruckartigen Bewegung nach aussen stos­sen und dabei Nase oder Augen des Hundes empfindlich treffen. Ausserdem können sich Parasiten wie Zecken oder Flöhe vom Igel auf den Hund übertragen. Dafür braucht es aber wahrscheinlich den direkten Kontakt, wie Igelspürhundehalter Mirella Manser sagt. Ihre Hunde zeigen Igel und deren Nester aus Distanz an, ohne mit den Tieren direkt in Kontakt zu kommen. «Jedoch bereiten mir die Zecken, die sich häufig an den Einsatzorten im Gras oder Unterholz aufhalten, Sorgen», sagt Manser. Sie kontrolliert deshalb ihre Vierbeiner nach jedem Einsatz, Training oder Spaziergang und beugt mit speziellen Kautabletten vom Tierarzt gegen Zeckenbefall vor.

Dass ein Igel den Hund mit gewissen Innenparasiten anstecken kann, sei zwar nicht ausgeschlossen, aber äusserst selten, sagt Annekäthi Frei. Allerdings können Igel – oft auch ohne Symptome – Träger sein von gewissen Bakterien, die den Hund krank machen könnten, wie etwa Salmonellen im Kot oder Leptospiren im Harn. 

www.igelzentrum.ch

Autor

Carmen Epp

Carmen Epp

Kurz nach ihrem ersten Einsatz für die «Tierwelt» 2014 hat sich Redaktorin Carmen Epp – fürs Hunde-Ressort zuständig – einen Traum erfüllt und sich einen Hund zugelegt – auf Spesen, wie man munkelt. Nach einem kurzen Abstecher in ihre Heimat, den Kanton Uri, kehrte sie zur «Tierwelt» und ins Hunde-Ressort zurück. Daneben betreut sie die Ressorts «Natur und Umwelt» sowie die Leserkolumnen, während Boston Terrier Chippy unter dem Tisch schnarchend sein Redaktionshundedasein geniesst – und so manchen Input fürs Hunde-Ressort liefert.

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