Der sechsjährige Sebastian lebt in den französischen Alpen nahe der Schweizer Grenze. Zusammen mit seinem knorrigen Pflegevater César geht er auf die Jagd und kann sich auch sonst nach Herzenslust austoben. Doch sein unbeschwertes Leben ist bedroht: Frankreich leidet unter der Besatzung des Naziregimes, daher müssen die Bewohner des Bergdorfs ständig damit rechnen, dass die Deutschen in ihre Häuser eindringen und ihre Wertsachen plündern.
Doch nicht nur vor ihnen fürchten sich die Bergler. Es gehen Gerüchte um von einer gefährlichen Bestie, die angeblich die Schafe reissen soll. Auf seinen Streifzügen durch die Alpen trifft Sebastian dieses Untier: Es handelt sich aber nur um eine verwilderte Pyrenäische Berghündin. Der mutige kleine Junge hat keine Angst vor ihr und freundet sich mit der Hündin an. Da sie völlig verschmutzt ist, geht Sebastian mit ihr in einen See baden – als sie wieder an Land kommen, ist das Tier wie verwandelt, das Fell ist glänzend und schneeweiss. Daher nennt Sebastian seine neue Gefährtin «Belle». Bald sind die beiden unzertrennlich und werden die besten Freunde.
Sebastian erzählt aber niemandem von Belle und baut ihr ein Versteck – denn noch immer suchen die Bergler nach der angeblichen Bestie. Auf einer Hetzjagd wird Belle sogar angeschossen, doch mithilfe des Arztes Guillaume schafft es Sebastian, sie wieder gesundzupflegen. Zum Glück: Denn die Hündin wird sich im Laufe der Geschichte noch als sehr wertvoll erweisen.
Der Film überzeugt dank guter Besetzung und fantastischen Naturaufnahmen
«Belle und Sebastian» ist eine Verfilmung des gleichnamigen französischen Kinderbuchs von Cécile Aubry – aber nicht die erste: Bereits in den 60er-Jahren wurde eine populäre Fernsehserie gedreht. Dem Regisseur Nicolas Vanier, bekannt durch Werke wie «Der letzte Trapper» und «Der Junge und der Wolf» ist ein berührender Film über eine wunderbare Freundschaft zwischen Mensch und Hund geglückt.
| Belle und Sebastian bauen eine besondere Beziehung zueinander auf. Bild: Pathé Films |
Auch die Schauspielerbesetzung ist gelungen: Félix Bossuet ist eine hervorragende Wahl für die Rolle des Sebastian (er setzte sich gegen immerhin rund 2400 Mitbewerber durch), und die Nebenrollen sind ebenfalls gut besetzt mit Charaktermimen wie Tchéky Karyo («Der Bär») oder Andreas Pietschmann («Sonnenallee»). Sogar der Sebastian-Darsteller aus der Fernsehserie hat sich eine Rolle ergattert.
Eingefleischte Wahrheitsfanatiker werden sicherlich den fehlenden Realismus bemängeln: Die Geschichte hat in der Tat märchenhafte Züge – so enden auch die hoffnungslosesten Situationen mit einem Happy End. In der Traumfabrik Kino ist das durchaus erlaubt, man kann also darüber hinwegsehen.
Der Regisseur schafft es aber, dass der Film nie kitschig wirkt und manchmal gar nachdenklich stimmt. Dazu trägt die Einbettung der Geschichte in die Zeit des Zweiten Weltkriegs bei – die Bergler helfen den Juden, über die Grenze in die sichere Schweiz zu flüchten. Wie dramatisch eine solche Flucht verlaufen kann, wird eindrücklich gezeigt. Für Emotionen ist also gesorgt und auch die Spannung kommt nicht zu kurz. Die fantastischen Naturaufnahmen der Alpenlandschaften tragen ebenfalls zum filmischen Genuss bei. «Belle und Sebastian» eignet sich ausgezeichnet für einen vergnüglichen Familienabend im Kino.

