Der prächtigste Garten aller Zeiten

Die Landschaftsgärtnerin Sabine de Barra soll für Ludwig XIV. einen Park bauen, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Wie sie dies meistert, zeigt der aktuelle Kinofilm «A little chaos – Die Gärtnerin von Versailles».

Der private Garten von Sabine de Barra ist ein kleines Paradies. Das entgeht auch Monsieur Le Nôtre, Gartenarchitekt am Hof von König Ludwig XIV., nicht. Er spürt sofort, dass hier eine hochtalentierte Kollegin am Werk ist, als er die Laternen entzündet, die liebevoll in das Pflanzenmeer integriert sind. Für Le Nôtre ist sofort klar, dass de Barra die Richtige ist, um die Gartenanlage des neuen Schlosses in Versailles zu entwerfen. Keine leichte Aufgabe, denn der «Sonnenkönig» erwartet ein barockes Meisterwerk, das verspielt, fantasievoll, überraschend, extravagant – und schnell fertig sein soll. Einen Ballsaal unter freiem Himmel soll de Barra errichten, kreisrunde Treppen und Wasserspiele inklusive.

Neben den architektonischen Herausforderungen gilt es für die selbstbewusste Witwe noch andere Hindernisse zu bewältigen: illoyale Mitarbeiter, neidische Konkurrenten, Wind und Wetter. Und dazu muss de Barra lernen, in einer ihr bis dahin vollkommen unbekannten Welt zu bestehen: dem Hofstaat ihrer Majestät, wo Adelige und solche, die es gern wären, Ränkespiele veranstalten und um die Gunst des Königs buhlen.

In «Die Gärtnerin von Versailles» erweist sich der Schauspieler und Regisseur Alan Rickman als detailverliebter Chronist der prunkvollen Hofkultur Ludwigs XIV., den er höchstpersönlich mit selbstironischer Hingabe verkörpert. Seine Inszenierung schwelgt in prächtigen Arrangements, zelebriert die Kostüme, die Architektur und vor allem die Gartenkunst des ausgehenden 17. Jahrhunderts, die das emotionale Herz des Films ist.

Feine Zwischentöne statt grosses Drama
«In den zeitgenössischen Gemälden, Radierungen oder Illustrationen spielen Blumen keine Rolle», sagt Alan Rickman. «Es geht immer nur um Architektur. Alles wurde im grossen Stil angelegt: Sichtachsen, Seen, Springbrunnen, Alleen.» Der Film mag wie ein heiteres Sittengemälde einer längst vergangenen Epoche wirken. Doch der Regisseur setzt weniger aufs grosse Drama als vielmehr auf feine Zwischentöne. Etwa als Madame de Barra und der König ein anregendes Gespräch in einem kleinen Birnenbaum-Garten führen.

Rickman legt grossen Wert auf ein authentisches Grundgefühl; den absoluten Realismus strebt er dabei aber keineswegs an. Zwar basieren alle Figuren auf historischen Vorbildern, doch ausgerechnet die von Kate Winslet grossartig verkörperte Protagonistin hat es in Wahrheit nicht gegeben. Sabine de Barra repräsentiert vielmehr ein modernes Element: eine starke Frau, die sich gegen alle Widerstände auf von Männern dominiertem Terrain zu behaupten weiss.

Beim Verlassen des Kinosaals hat man das Gefühl, sich nicht nur historisch weitergebildet zu haben, sondern bei der Entstehung eines wunderschönen Gartens der Liebe dabei gewesen zu sein. Klingt kitschig, passt aber perfekt zum damaligen Zeitgeist des Barocks und macht Lust auf eine Reise nach Versailles.

«A little chaos – Die Gärtnerin
von Versailles», Drama/Komödie,
116 Minuten, Studio: Ascot Elite,
ab sofort im Kino
.

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