Ornithologen wussten es schon seit zwei Monaten, hielten die Sensation aber noch geheim – denn der Wachtelkönig ist so selten, dass er auf keinen Fall von Neugierigen gestört werden sollte. Im Juni hat er nach über 50 Jahren wohl bei Aesch im Kanton Baselland gebrütet, und zwar auf einer speziell für Feldhasen angelegten Brache. Das teilte der Verein «Hopp Hase» am Donnerstag den Medien mit.
Ab dem 1. Juni sei der charakteristische Ruf zu hören gewesen, der so tönt:
Das dauerte bis am 6. Juni, dann wurde es still. Ornithologen werteten dies aber nicht als schlechtes Zeichen, im Gegenteil: Gemäss den Kriterien des Schweizerischen Vogeschutzes bedeutet dies «wahrscheinliches Brüten», denn das rufende Männchen des Wachtelkönigs zieht weiter, sobald das Weibchen mit der Eiablage beginnt. Um ganz sicher zu sein, hätten die Ornithologen das Nest mit den Eiern oder Jungvögeln finden müssen. Der Wachtelkönig lebt jedoch sehr versteckt und fliegt nur selten auf.
Die Vogelart litt unter der intensiven Landwirtschaft
Noch um 1900 war der Wachtelkönig in der Schweiz so oft vorgekommen, dass sich Anwohner beklagten über das laute Rufen, das vorwiegend nachts und bis zu einem Kilometer weit zu hören war. Da der Vogel in Wiesen brütet, litt er aber unter der Intensivierung der Landwirtschaft. Weil im Mittelland die Wiesen immer häufiger und früher gemäht wurden, zog er sich in höhere Lagen zurück.
Im Baselbiet war er letztmals in den 1950ern festgestellt worden. Nun profitierte er offenbar von einem Projekt, das in erster Linie auf die Förderung von Feldhasen abzielt: Er brütete in einer Brache, welche der Landwirt Christian Schürch gemäss den Vorgaben des Projektes «Hopp Hase» angelegt hatte. Dieser Verein geltet Bauern, die ihre Getreidefelder mit nur sechzig Prozent der normalen Dichte einsäen und Felder gegen Hunde einzäunen, den Aufwand und den allenfalls geringeren Ertrag ab.

