Die Folgen der Erderwärmung für die Ozeane

Die Ozeane bremsen zwar die Erwärmung der Atmosphäre, sie zahlen dafür aber den Preis ihrer eigenen Erwärmung und Versauerung. 

Ein internationales Forscherteam mit Berner Beteiligung hat untersucht, was den maritimen Ökosystemen in Zukunft droht. Der vom Menschen verursachte Ausstoss von CO2 führt nicht nur zu einer rasanten Erwärmung der Erde, sondern auch zu tiefgreifenden Veränderungen der Ozeane, wie die Universität Bern in Erinnerung ruft.

Seit 1850 haben die Weltmeere 28 Prozent des vom Menschen freigesetzten CO2 aufgenommen. CO2 reagiert mit Wasser und wird zu Kohlensäure. Die Folge: Der Säuregehalt der Ozeane steigt. Ein weiterer Effekt ist die Ausdehnung des Meerwassers durch die steigende Temperatur. Dies verursacht - zusammen mit dem Schmelzwasser von Eiskappen und Gletschern - den seit Jahren beobachteten Anstieg des Meeresspiegels.

Zahlreiche Studien belegen bereits die Auswirkungen auf wichtige marine und küstennahe Organismen, Ökosysteme und Leistungen, die diese für den Menschen erbringen. In einer Synthesestudie wurden diese Veränderungen nun von einem internationalen Forschergruppe analysiert und für zwei CO2-Emissionsszenarien ausgewertet. Die Ergebnisse finden sich in der neusten Ausgabe von «Science».

Zwei Szenarien
Das eine Szenario geht von einer Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2 Grad Celsius bis ins Jahr 2100 aus. So sieht es die Kopenhagener Vereinbarung von 2009 vor. Das zweite Szenario ist «Business as usual» mit einem weiter wachsenden CO2-Ausstoss, dem die Menschheit derzeit folgt.

Bereits das erste Szenario würde Warmwasser-Korallen und Muscheln mit ihren Kalkschalen gefährden. «Das Risiko für andere negative Folgen wäre noch moderat, wenn wir die CO2-Emissionen schnell drosseln», erklärt Fortunat Joos von der Uni Bern.

Weit schwerwiegendere Folge hätte das zweite Szenario. Fast alle untersuchten Organismen wären hohen Risiken ausgesetzt. Als Folge davon sind Ökosystem-Leistungen gefährdet, etwa der Schutz vor Küstenerosion durch Korallen und Mangroven. Aber auch kommerzieller Fischfang, Muschelzucht und Tourismus wären in Frage gestellt.

Appell an PolitikDie Autoren der Studie liefern nach eigener Einschätzung «überzeugende Argumente für eine rasche, rigorose und ehrgeizige Reduktion des CO2-Ausstosses». Jedes neue Klimaabkommen, das die Auswirkungen des Klimawandels auf die Weltmeere nicht abmildere, wäre demnach «unvollständig und inadäquat».Die nächste UNO-Klimakonferenz findet Ende dieses Jahres in Paris statt. 194 Staaten sollen sich dort auf ein neues Abkommen mit verbindlichen Klimazielen einigen.

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