Entsäuertes Wasser lässt Korallen wachsen

Geschädigte Korallen wachsen wieder besser, sobald die Wasserqualität auf vorindustrielle Werte steigt. Das hat ein Forscherteam zumindest für die Versauerung des Meerwassers gezeigt.

Für eine Studie im Fachjournal «Nature» hatten US-Wissenschaftler eine Lagune im Great Barrier Reef entsäuert und so eine Wasserqualität geschaffen, wie es sie vor mehr als zweihundert Jahren gab. Innerhalb von drei Wochen, so die Berechnungen der Wissenschaftler, wuchsen die Korallen um etwa sieben Prozent.

«Die Versauerung der Meere fordert bereits seinen Tribut von den Korallenriffen. Das ist nicht länger eine Zukunftsangst; das ist die heutige Realität», sagte Studienleiterin Rebecca Albright von der Carnegie Institution for Science in Stanford.

Kohlendioxid versauert die Ozeane
Die Versauerung der Meere greift nachweislich die Korallenriffe an. Wenn Kohlendioxid aus der Luft ins Meer gelangt, steigt der Säuregrad des Wassers. Etwa ein Viertel des menschengemachten Kohlendioxids werde derzeit jährlich von weltweiten Ozeanen aufgenommen, schreiben die US-Forscher.

Im sauren Wasser kommen weniger Karbonat-Ionen vor, die zum Aufbau der Kalkskelette der Meerestiere nötig sind. Gesondert liess sich die Auswirkung der Versauerung in freier Natur aber bisher nicht beobachten, weil zu viele Faktoren ineinandergreifen.Im sauren Wasser kommen weniger Carbonat-Ionen vor, die zum Aufbau der Kalkskelette der Meerestiere nötig sind. Gesondert liess sich die Auswirkung der Versauerung in freier Natur aber bisher nicht beobachten, weil zu viele Faktoren ineinandergreifen.

Nachweis für Effekte der Versauerung
Dem US-Team um Rebecca Albright ist dies nun gelungen. Für ihre Studie wählten die Forscher die Lagunen des One Tree Reefs, die im südlichen Great Barrier Reef liegen. Diese sind während der Ebbe vom offenen Meer getrennt; das Wasser fliesst dann lediglich von einer höher gelegenen Lagune über einen Wall aus Korallen in eine niedrigere.

Während 22 Tagen gaben die Forscher täglich ein Färbemittel, an 15 davon zusätzlich alkalisch wirkendes Natriumhydroxid in das Wasser der ersten Lagune und entsäuerten es so künstlich auf vorindustrielles Niveau. Alle anderen Faktoren, wie Wassertemperatur oder Nährstoffe blieben gleich.

Das gefärbte Wasser floss über den Wall aus Korallen in die zweite Lagune. Die Forscher massen dabei die Wasserqualität an mehreren Stellen, um den Kontakt der Korallen mit dem entsäuerten oder nur gefärbten Wasser zu dokumentieren. Bei der Untersuchung der Korallen stellten sie fest, dass sich deren Kalkaufbau durch die Entsäuerung durchschnittlich um etwa sieben Prozent erhöht hatte.

Korallen haben bereits stark gelitten
Die Wissenschaftler schliessen daraus, dass die Korallen seit dem Beginn der Industrialisierung bereits stark unter der Versauerung der Meere gelitten haben müssen. In einem gesonderten «Nature»-Kommentar würdigte die australische Meeresforscherin Janice Lough (James Cook University, Townsville) die Arbeit der Forscher.

Lough prophezeite zudem, dass die Schäden an den Korallenriffen auch mit den neu gesetzten Klimazielen der UN-Klimakonferenz in Paris nicht zu beheben sein werden: «Wir können die Zeit für die Ökosysteme der tropischen Korallenriffe dieser Welt nicht zurückdrehen; wir haben sie bereits einer wärmeren und saureren Zukunft überlassen.»

Zugleich bestätigt eine weitere Studie, die im Fachjournal «Nature Communications» veröffentlicht wurde, die Gefährdung der Korallen durch die weltweite Versauerung der Meere. Australische Forscher hatten errechnet, dass die Auswirkungen am australischen Great Barrier Reef wahrscheinlich stärker sind, als bisher angenommen. Es ist das grösste Korallenriff der Erde.

Gefährdung des Great Barrier Reefs unterschätzt
Das Team um Mathieu Mongin von der Forschungsorganisation CSIRO Oceans and Atmosphere in Hobart untersuchte verschiedene Bereichen des Great Barrier Reef. Die Gruppe berechnete die lokale Aragonit-Sättigung des Wassers, die durch Versauerung gesenkt wird.Aragonit ist ein spezielles Calciumcarbonat, das zum Aufbau von Korallen dient -es wird durch Säure zersetzt.

Der Wert gibt daher einen sehr guten Aufschluss darüber, ob die chemischen Voraussetzungen zum Kalkaufbau der Korallen gegeben sind. Die Forscher bestimmten die Werte an 22 Orten des Riffs und fügten diese mit Modellberechnungen der Gegebenheiten von 3581 Einzelriffen zusammen. Die Analyse ergab, dass die Aragonit-Sättigung innerhalb des Great Barrier Reef sehr stark variierte, die Werte aber im Durchschnitt unter denen des offenen Meers vor dem Riff lagen.

Besonders gefährdet sind demnach die zum Festland gewandte Seite des Riffs und der südliche Teil. Insgesamt, so die Forscher, sei das Riff künftig wohl stärker durch Versauerung gefährdet, als in den Berichten des Weltklimarates angenommen.

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