Globuli-Hotline für Bauern

Die erste Hotline für Alternativmedizin bei Nutztieren läuft besser, als es die Initianten erwartet haben. Auch Bauern mit konventiellen Betrieben zeigen sich interessiert – denn der weitgehende Verzicht auf Antibiotika zahlt sich aus.

Die Hotline für Bauern, die ihre Tiere homöopathisch behandeln wollen, wurde von Werner Ammann initiiert. Der Bio-Landwirt aus dem stanktgallischen Ganterschwil behandelt sein Rindvieh und seine Schweine wenn immer möglich homöopathisch oder mit altbewährten Hausmitteln – und das seit über zwei Jahrzehnten. «Antibiotika sollten in der Nutztierhaltung wegen der Resistenzenbildung nur in Notfällen eingesetzt werden und ansonsten der Humanmedizin vorbehalten bleiben», erklärt Ammann.

Viele Landwirte würden ihre Tiere gerne komplementärmedizinisch behandeln. Das scheitere aber oft, weil es an entsprechenden Spezialisten fehle. Deshalb hat Ammann «Kometian» lanciert – eine Hotline für Alternativmedizin bei Nutztieren. Bauern, die sich bei Kometian anmelden, können sich über eine nur ihnen bekannte Telefonnummer Rat holen, wenn sie etwa unsicher sind bei der Diagnose oder der Wahl homöopathischer Arzneimittel. Beraten werden sie von 20 Spezialisten, die falls nötig auch auf dem Hof vorbeikommen.

Viele Schweinehalter und konventionelle Bauern sind interessiert
Kometian steht für Komplementärmedizinisches Tierheilangebot. Im Januar 2012 fiel der Startschuss. Nun, eineinhalb Jahre später, sagt Ammann erfreut: «Unsere Erwartungen sind übertroffen worden.» Die Anzahl Tierhalter, die den Homöopathie-Beratungsdienst nutzen, hat sich von anfänglich 77 auf 160 erhöht. Weitere zehn Landwirte stehen derzeit auf der Warteliste.

Der Service, der zunächst nur in der Ostschweiz angeboten wurde, ist mittlerweile in der ganzen Deutschschweiz verfügbar. Rund 280 telefonische Beratungen wurden bislang durchgeführt. «In 55 Prozent der Fälle führte die komplementärmedizinische Beratung zur Heilung oder mindestens zu einer Besserung», sagt Bio-Bauer Ammann. Besonders erstaunt hat ihn das grosse Interesse der Schweinehalter und der Bauern mit konventionellen Betrieben.

Die Kosten werden dreifach reduziert
Von dieser Tatsache weniger überrascht ist Ariane Maeschli. Die beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau arbeitende Tierärztin ist für die Qualitätssicherung bei Kometian zuständig. Sie weiss: Die Anwendung von Homöopathie zahlt sich aus – für konventionelle wie auch für Bio-Betriebe. So sind homöopathische Arzneimittel deutlich preisgünstiger. Kann der Bauer die Behandlung selbst durchführen, entfallen auch die Kosten für einen Tierarzt. Zudem darf die Milch einer Kuh, die mit Antibiotika behandelt wurde, während mehrerer Tage nicht in den Verkauf gelangen. Dank Homöopathie können solche Wartefristen vermieden oder zumindest verringert werden.

Am häufigsten geklingelt hat das Kometian-Telefon wegen entzündeten Eutern. Bei Kühen kommt dies oft vor, die schulmedizinische Anwort hiesse: Antibiotika. Dabei liessen sich gemäss Maeschli selbst akute Euterentzündungen homöopathisch behandeln. Wieviel Antibiotika dank Kometian eingespart werden konnte, werde noch untersucht. Maeschli warnt aber vor zu grossen Erwartungen: «Homöopathie ist keine Wunderwaffe. Sie ist lediglich ein Baustein bei der Antibiotika-Reduktion.»

Jeder vierte Fall verlangte nach Schulmedizin
Die Homöopathie-Spezialisten der Kometian-Hotline geben lediglich Behandlungsempfehlungen ab. «Die Verantwortung liegt letztlich bei den Bauern», sagt Maeschli. Nicht immer konnte am Telefon geholfen werden. In einigen Fällen mussten die Fachleute die Tiere vor Ort auf dem Hof anschauen, um eine Diagnose stellen zu können. Und in einigen Fällen reichte eine homöopathische Behandlung nicht aus: Bei jedem vierten Fall musste zusätzlich die Schulmedizin herangezogen werden.

www.kometian.ch

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In einem Video präsentiert Kometian sein Angebot.

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