Frau Gerke, wie unterscheidet sich der Ökologische Jagdverein von traditionellen Jagdvereinen?
Wir sind ein junger, heterogener Verein aus 120 Mitgliedern und bestrebt, der Jagd zu einem zeitgemässen Fundament zu verhelfen. Im Vorstand sind Männer wie Frauen verschiedenen Alters vertreten. Bei uns werden wissenschaftsbasierte, ökologische Themen hochgewichtet. Was beim Ökologischen Jagdverein drauf steht, ist auch tatsächlich drin.
Gibt es konkrete Ziele, die der Verein erreichen möchte?
Wir bringen uns bei diversen politischen Themen ein, um gemeinsam an der Weiterentwicklung der Jagd zu arbeiten. Wir positionieren uns zu aktuellen Themen wie der Abschaffung von grausamen Jagdformen, beispielsweise der Baujagd. Wir äusserten uns kürzlich zum Alkoholverbot während der Jagd, positionierten uns zum schädlichen neuen Jagdgesetz JSG und unterstützen politische Gefässe wie aktuell die Biodiversitäts-Initiative.
Ist die Jagd in der Schweiz heutzutage noch nötig?
Nur eine Jagd, die sich an der Ökologie und dem Tierwohl orientiert, wird von der Bevölkerung langfristig akzeptiert. Wir haben sehr hohe Schalenwildbestände in der Schweiz. Die natürliche Waldverjüngung ist durch starken Verbiss vielerorts gefährdet oder gar nicht mehr möglich. Es braucht eine zeitgemässe Jagd und Jagende, die offen sind für neue Ideen und Erkenntnisse. Zudem ist eine verantwortungsvoll durchgeführte Jagd eine gute Möglichkeit, den Bedarf an gesundem, einheimischem Fleisch zu decken, das fern von tierwohlfeindlicher Massentierhaltung ist.

Jagdgegner sagen, dass sich die Natur ohne den Eingriff des Menschen selbst regulieren würde. Was ist Ihre Meinung dazu?
Die Natur und mit ihr die Wildbestände regulieren sich immer irgendwie selbst. Die Frage ist aber, welche Folgen dies in der Kulturlandschaft hätte und was die Gesellschaft bereit wäre, zu akzeptieren. Würde man Wildbestände nicht mehr jagdlich regulieren, ginge die Welt sicher nicht unter, aber man hätte noch mehr Verbiss von jungen Bäumen im Wald oder noch mehr Schäden durch Wildschweine an landwirtschaftlichen Kulturen. Wenn sie mit Rücksicht auf das Tierwohl nach ökologischen Zielen und mit einer Verwertung des erlegten Tieres ausgeführt wird, halten wir die Jagd für einen sinnvollen Beitrag zur Minderung von Konflikten mit Wildtieren.
Wie passen Ihrer Meinung nach die Jagd und Artenschutz zusammen?
Erfolgt die Jagd gemäss den Prinzipien der Nachhaltigkeit und mit Rücksicht auf die Biologie der bejagten Art, stellt sie kein Problem für den Artenschutz dar. Je nach Zielsetzung kann sie dem Artenschutz sogar dienen. Durch die Regulierung von Hirschen und Rehen haben beispielsweise auch seltenere, besonders von Verbiss bedrohte Baumarten eine Chance, zu wachsen. Dies sorgt für mehr Biodiversität im Wald.
Der Ökologische Jagdverein sieht die Rückkehr der Grossraubtiere positiv. Wäre es ein Problem für Sie, falls durch Wolf und Luchs weniger Wild für die Jäger zur Verfügung stände?
Grossraubtiere sind Jäger wie wir. Entsprechend begrüssen wir sie als Mitjäger und sehen in ihnen keine Konkurrenz. Sie helfen uns, die Bestände von Rehen und Hirschen zu regulieren. Es ist genug für alle da, und wenn es dereinst tatsächlich etwas weniger Wild geben würde, würden damit die Ziele der Jagd ja eben erreicht. Darüber sollten wir uns freuen, anstatt uns zu beklagen.

