Als Maniok im 16. Jahrhundert von Südamerika in die alte Welt eingeführt wurde, gedieh das Knollengewächs in Afrika bald prächtig. Jahrhundertelang ernährte das Gewächs Millionen von Afrikanern, bis in den 1970er-Jahren ein Schädling auftrat, der eine akute Gefahr für die Pflanzen darstellte.
Schmierläuse wurden irgendwie auf den afrikanischen Kontinent gebracht und befielen die Maniokpflanzen. Rasch verbreiteten sich die Schädlinge und bedrohten damit das Überleben von Millionen von Menschen. Alle Versuche, die Plage mit Pestiziden zu bekämpfen, schlugen fehl, die Situation schien Ausweglos.
Den natürlichen Feind aufgespürt
Als Retter in der Not trat Hans Rudolf Herren auf. Der Schweizer Insektenforscher und Agronom wurde vom Institut für tropische Agrikultur (IITA) in Nigeria angeheuert, um eine alternative Lösung zu finden. Mit der Hilfe seines Netzwerks konnte er in Paraguay den natürlichen Feind der Schmierlaus ausfindig machen: Die Schlupfwespe.
| Schlupfwespen sind Parasiten, haben aber im konkreten Fall unzählige Menschenleben gerettet. Bild: Focx Photography/Flickr/CC-BY-SA |
Zwischen 1982 und 1993 wurden nun 1.6 Millionen Schlupfwespen nach Afrika gebracht und auf die Schmierläuse losgelassen. Das Experiment ging auf: das natürliche Gleichgewicht zwischen Schlupfwespen und Schmierläusen wurde wieder hergestellt, der Maniok konnte überleben und mit ihm auch 20 Millionen Menschen.
Pionier für nachhaltige Ernährung
20 Millionen Menschenleben habe Herren mit seinem Projekt gerettet, schreibt die Organisation Right Livelihood heute Donnerstag in ihrer Laudatio auf den neuen Preisträger des «Right Livelihood Awards», der besser als «alternativer Nobelpreis» bekannt ist. Dieser wurde Herren für «seine Expertise und seine Pionierarbeit, eine gesicherte und nachhaltige Ernährung zu gewährleisten» verliehen.
Der Präsident der Stiftung Biovision ist damit der erste Schweizer, der mit diesem seit 1980 verliehenen Preis ausgezeichnet wird. Herren, an der ETH Zürich und der Universität Berkeley ausgebildet, lebte und forschte während 26 Jahren in Afrika und leitete von 1994 bis 2005 das internationale Institut für Insektenforschung icipe in Nairobi, Kenia. Heute ist Herren neben seiner Arbeit bei Biovision Präsident des international tätigen Millenium-Instituts in Washington, das Regierungen von Entwicklungsländern unterstützt, um eine nachhaltige Entwicklung zu erlangen.

