Kampf für eine uralte Thuja-Allee

In der Thurgauer Gemeinde Müllheim tobt ein Streit um eine Thuja-Allee. Die prächtigen, über 100 Jahre alten Bäume sollen im Rahmen einer Überbauung abgeholzt werden. Anwohner wehren sich mit einer Petition.

Wenn alte, markante Bäume im Siedlungsgebiet weichen sollen, ist das für Behörden und Forstarbeiter stets ein heikles Unterfangen. Nicht bloss der Schäden wegen, die beim Fällen entstehen können. Oft kocht auch die Volksseele hoch. Denn alte Bäume haben etwas Erhabenes und dienen vielen Tieren als Lebensraum.

Im Thurgauer Dörflein Müllheim möchten die Behörden nicht einen alten Baum fällen, sondern gleich eine ganze Allee. Eine Allee aus riesenhaften Thujasträuchern, die etwa laut dem Baumriesen-Spezialisten Michel Brunner einzigartig ist in der Nordschweiz. Kein Wunder, erntet der Müllheimer Gemeinderat seit Jahren Kritik, eine ganze Flut von Einsprachen ging ein, mit dem Ziel, die Allee zu erhalten.

Weil das alles nichts nützte, hat sich inzwischen ein Komitee gebildet. Es hat eine Petition lanciert und weit über 1000 Unterschriften gesammelt, die nun dem Thurgauer Regierungsrat vorgelegt werden sollen. Hedi Engeler vom Petitionskomitee erklärt, warum sich Anwohner und Baumfreunde für die Thuja-Allee wehren.

Frau Engeler, weshalb wollen die Behörden die Thuja-Allee weghaben?
Um ein neues Überbauungsgebiet zu erschliessen, will die Gemeinde die Thuja-Allee abholzen und durch eine einzelne Reihe von Laubbäumen ersetzen.

Was haben Sie dagegen?
Die Allee besteht aus Thuja-Bäumen einer speziellen Sorte, die über 100 Jahre alt sind. Die Bäume sind gesund und benötigen keine grosse Pflege. Fachleute bezeichnen die Allee als einzigartig nördlich der Alpen.

Umweltfachleute rümpfen aber oft die Nase über Thuja-Hecken, weil diese Bäume nicht einheimisch sind.
Das stimmt. Die Thuja bieten zwar zum Beispiel Vögeln Schutz, Nester findet man auf ihnen aber kaum. Wir wehren uns nicht aus Naturschutzgründen gegen die Fällung, sondern weil die Thuja-Allee das Ortsbild prägt und weil sie für viele Einwohner wichtig ist.

Weshalb?
Die Allee verbindet die evangelische Kirche mit dem Friedhof und zugleich mit der katholischen Kirche. Trauergäste gehen den Weg bei Beerdigungen. Und für Kindergärtler und Schüler ist sie Teil ihres Schulwegs.

Wie ist die Stimmung im Dorf?
Beim Unterschriftensammeln haben wir viele Einwohner getroffen, die sagten: «Was, die Allee soll weg? Das geht doch nicht!» Es gibt aber auch welche, die lieber einheimische Laubbäume hätten.

Wie geht es weiter?
Wir übergeben unsere Petition dem Thurgauer Regierungsrat und hoffen, dass er die Allee schützt. Wir haben mehr als 1200 Unterschriften, etwa die Hälfte aus dem Dorf. Das kann der Kanton nicht einfach ignorieren.

Weiterlesen