Katzen kamen als wilde Begleiter der Menschen nach Europa
Vor 6000 Jahren kamen die Vorfahren der heutigen Hauskatzen nach Europa. Eine neue Studie zeigt: Sie lebten über Tausende von Jahren opportunistisch.
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msi
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Die Falbkatze ist die Urahnin aller Hauskatzen. Lange galt sie als Unterart der Wildkatze, heute wird sie von einigen Forschenden als eigene Art gehandelt.
(Bild: EcoPrint/Shutterstock.com)
Die Falbkatze ist die Urahnin aller Hauskatzen. Lange galt sie als Unterart der Wildkatze, heute wird sie von einigen Forschenden als eigene Art gehandelt.
(Bild: EcoPrint/Shutterstock.com)
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Die Hauskatze stammt nicht von der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris) ab, sondern von der ihr nah verwandten Falbkatze (Felis silvestris lybica oder Felis lybica), die auch heute noch wild in Nordafrika anzutreffen ist. Als die Menschen im sogenannten Fruchtbaren Halbmond im Nahen Osten und Vorderasien vor etwa 10'000 Jahren zum ersten Mal sesshaft wurden, schlossen die Falbkatzen sich ihnen an – und eroberten mit ihnen über die kommenden Jahrtausende alle Kontinente.
Der älteste Nachweis von Falbkatzen in Europa geht auf 6200 Jahre alte Fossilien aus Polen zurück. «Damals etablierten sich die Tiere in Europa und breiteten sich dort als Hauskatzen aus», sagt Hervé Bocherens von der Universität Tübingen in einer Medienmitteilung.
Wilde Falbkatzen, domestizierte Hunde Bocherens ist Letztautor einer diese Woche im Fachmagazin «PNAS» erschienen Studie darüber, wie sich die Katzen in der damaligen Zeit, der Jungsteinzeit, ernährten. Einsichten in die Ernährung der Tiere lassen Rückschlüsse darauf zu, in welchem Ausmass sie bei ihrer Einwanderung schon domestiziert waren. Demnach ergab die Untersuchung von Isotopen aus den Rückständen von Nahrung in den polnischen Fossilien, dass die eingewanderten Falbkatzen sich zwar zu einem grossen Teil von Nagetieren ernährten, die im Zusammenhang mit der Landwirtschaft auftraten, aber auch von Wildtieren, vor allem Vögeln. Das Forscherteam um Bocherens vermutet deshalb, dass die Falbkatzen noch wild lebten und die Menschen zwar bei der Einwanderung begleiteten, dennoch von ihnen gänzlich unabhängig auf Futtersuche gingen.
Zum Vergleich analysierte Isotopen von Menschen und Hunden aus Jungsteinzeit lassen auf eine viel grössere Abhängigkeit von der Landwirtschaft schliessen. Auch 3000 Jahre jüngere Katzen aus Römerzeit passten in dieses Schema. Die Forschenden um Bocherens schliessen daraus, dass es sich bei diesen Exemplaren um domestizierte Hauskatzen handelte, die von den Menschen gefüttert wurden, was in der Jungsteinzeit noch nicht so war.
Die Schwarzfusskatze (Felis nigripes) lebt im südlichen Afrika und ist die kleinste Katzenart überhaupt. (Bild: )
Sie gehört wie die Sandkatze (Felis margarita) zu den Altweltkatzen (Felis). Die Sandkatze lebt in Nordafrika und ist hervorragend. an das Leben in der Wüste angepasst. Ein Beispiel dafür sind die grossen Ohren, über die Wärme abgegeben werden kann. (Bild: )
Die Rohrkatze (Felis chaus) ist in süd- und südostasiatischen Feuchtgebieten beheimatet. (Bild: )
Zur Gattung Felis gehört auch unsere Wildkatze (Felis silvestris). Die Afrikanische Wildkatze (Felis silvestris lybica), eine Unterart der Wildkatze, ist die Stammform aller heutigen Hauskatzen. (Bild: )
In der Asiatischen Gattung der Altkatzen (Prionailurus) gibt es vier Arten. Die Bengalkatze (Prionailurus bengalensis) kommt in Ost- und Südostasien vor. Sie lebt in tropischen Regenwäldern, Misch- und Nadelwäldern. Sie wird oft verwechselt mit der gleichnamigen Hauskatzenrasse. Diese entstand aus Kreuzungen von Bengalkatzen mit domestizierten Katzen. (Bild: )
Die Flachkopfkatze (Prionailurus planiceps) kommt auf den Inseln Sumatra und Borneo sowie auf der malaysischen Halbinsel vor. Sie lebt in Feuchtgebieten und wird von der IUCN als «stark gefähredet» eingestuft. (Bild: )
Der Name ist Programm bei der Fischkatze (Prionailurus viverrinus). Anders als andere Katzenarten schwimmt sie gerne im Wasser und holt sich dort ihre Nahrung in Form von Fischen. Sie lebt in Indien, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka. (Bild: )
Die Rostkatze (Prionailurus rubiginosus) aus Indien und Sri Lanka ist nach der Schwarzfusskatze die zweitkleinste Katzenart. (Bild: )
Ebenfalls in Asien zu finden ist die Gattung Catopuma. Dazu gehören die Asiatische Goldkatze (Catopuma temminicki), die Wälder in Süd- und Südostasien bewohnt ... (Bild: )
... sowie die Borneo-Goldkatze (Catopuma badia), die – der Name sagt es – auf der Insel Borneo endemisch ist. (Bild: )
Der Serval (Leptailurus serval) ist der einzige Vertreter seiner Gattung und in Mittel- und Südafrika verbreitet. Die langen Beine braucht er, um seine Beute im hohen Gras zu jagen. Die elegante Katze wurde mit Hauskatzen gekreuzt, was zur Entstehung der Rasse Savannah führte. (Bild: )
Der elegante Karakal (Caracal caracal) ist mit dem Serval verwandt. Er lebt in Afrika und im Nahen Osten. Die langen Ohrbüschel und der kräftige Körper haben ihm den Spitznamen «Wüstenluchs» eingebracht. (Bild: )
Mit in die selbe Linie gehört die Afrikanische Goldkatze (Caracal aurata), die etwa doppelt so gross wie eine Hauskatze ist und die Regenwälder West- und Zentralafrikas bewohnt. (Bild: )
Die mit acht Arten grösste Gattung der Kleinkatzen sind die Pardelkatzen (Leopardus) aus Mittel- und Südamerika. Ihr bekanntester Vertreter ist der Ozelot (Leopardus pardalis). Früher wegen seinem Fell stark bejagt, konnten sich seine Bestände seit den 1990ern erholen. Der Ozelot hat ein sehr grosses Verbreitungsgebiet über die Nordhälfte von Südamerika und Mittelamerika. Teilweise ist er auch im US-Staat Texas anzutreffen. (Bild: )
Die Tigerkatze (Leopardus tigrinus), auch als Ozelotkatze, Oncilla oder Tigrillo bekannt, ist eine der kleinsten südamerikanischen Katzen. Sie lebt gerne den Bergnebelwäldern Brasiliens und den umliegenden Ländern. (Bild: )
Dem Ozelot sehr ähnlich ist die Langschwanzkatze (Leopardus wiedii), auch Margay oder Baumozelot genannt. Sie ist allerdings kleiner als Ersterer und haben einen längeren Schwanz. Langschwanzkatzen leben in den Regenwäldern Brasiliens und Zentralamerikas, sind flinke Kletterer und verbringen einen Grossteil ihrer Zeit auf Bäumen. (Bild: )
Die Berg- oder Andenkatze (Leopardus jacobinus) lebt im Hochgebirge Perus, Chiles, Boliviens und Argentiniens. Sie kommt ausschliesslich auf Höhen über 3000 Meter vor. Die seltenste Katze Südamerikas wird als «stark gefährdet» eingestuft. (Bild: )
In der südlichen Hälfte Südamerikas östlich der Anden lebt die Kleinfleck- oder Salzkatze (Leopardus Geoffroyi). Ähnlich der Fischkatze jagt sie gerne im Wasser nach Fischen. (Bild: )
Westlich der Anden in Mittel- und Südchile lebt die Chilenische Wildkatze oder Kodkod (Leopardus guigna). Sie ist die kleinste Katze Südamerikas und eine der kleinsten der Welt. (Bild: )
Einige taxonomische Verwirrung gab es in jüngerer Zeit um die Pampaskatze (Leopardus colocolo). Nahm man erst an, dass zwei ihrer Unterarten eigene Arten sind, wird nun doch wieder von nur einer Artgesprochen. Das Verbreitungsgebiet der Pampaskatze erstreckt sich über die Anden, Südbrasilien und Argentinien. (Bild: )
Erst 2013 wurde sie als eigene Art erkannt: die Südliche Tigerkatze (Leopardus guttulus). Sie lebt in Atlantikwäldern an der Ostküste Südamerikas. (Bild: )
Verwandt mit der Gattung Prionailurus ist der seltsam aussehende Manul (Otocolobus manul). Ihn findet man in den (Berg-)Steppen von Zenralasien. Ans kalte Klima ist er mit seinen kleinen Ohren, den kurzen Beinen und dem dicken Fell sehr gut angepasst. Im Gegensatz zu vielen anderen Kleinkatzen hat der Manul runde Pupillen. (Bild: )
Ebenfalls aus Süd- und Südostasien und mit der Gattung Catopuma verwandt ist die Marmorkatze (Pardofelis marmorata). Äusserlich ähnelt sie dem aus der gleichen Region stammenden Nebelparder (Neofelis nebulosa), der aber zu den Grosskatzen gehört. (Bild: )
Ebenfalls zu den Kleinkatzen gehören die Luchse (Lynx). Zu ihnen gehört natürlich auch unsere zweite einheimische Katzenart, der Eurasische Luchs (Lynx lynx). (Bild: )
Es gbit allerdings noch eine zweite europäische Luchsart, nämlich den Pardelluchs oder Iberischen Luchs (Lynx pardinus). Leider kommt er nur noch an wenigen Orten in Spanien und Portugal vor und ist stark gefährdet. Der Pardelluchs ernährt sich fast ausschliesslich von Wildkaninchen, dessen ursprüngliche Heimat auch die Iberische Halbinsel ist. (Bild: )
In der neuen Welt gibt es ebenfalls Luchse, hier der Kanadische Luchs (Lynx canadensis). Er ist wesentlich kleiner als der Eurasische Luchs, wenn auch sonst äusserlich ähnlich. Er kommt in Kanada und Alaska vor. Seine Hauptbeute sind Schneeschuhhasen. (Bild: )
Der Rotluchs (Lynx rufus), der in den USA, Mexico und im Süden Kanadas vorkommt, ist der kleinste aller Luchse. Er ist sehr anpassungsfähig und bevölkert verschiedene Lebensräume, bevorzugt aber Wälder. (Bild: )
Hätten Sie ihn hier erwartet? Der Gepard (Acinonyx jubatus) wird oft zu den Grosskatzen gezählt, gehört aber eigentlich zu den Kleinkatzen. Das in Afrika ansässige schnellste Landtier der Welt unterscheidet sich aber auch von diesen in zahlreichen Merkmalen. Sein nächster Verwandter ist ... (Bild: )
... der Puma (Puma concolor), von dem ebenfalls häufig fälschlicherweise angenommen wird, er sei eine Grosskatze. Der Puma bringt es aber auch auf eine stattliche Grösse mit einem Gewicht von bis zu 100 Kilogramm. In seinem riesigen Verbreitungsgebiet auf fast dem gesamten amerikanischen Kontinent ist er ein Kulturfolger und wagt sich auch in Städte. (Bild: )
Ebenfalls mit Puma und Gepard verwandt, aber viel weniger bekannt ist der Jaguarundi (Herpailurus yaguaroundi). Er ist viel kleiner als der Puma und lebt in Süd- und Mittelamerika östlich der Anden. Sein Fell ist einheitlich gefärbt, es gibt aber zwei Farbvarianten: eine rote (Bild) und eine graue. (Bild: )
Die Grau- oder Gobikatze (Felis bieti) wird manchmal auch als Unterart der Wildkatze geführt, die IUCN behandelt sie jedoch als eigene Art. Sie ist endemisch in Nordchina, wo sie bergige Steppen und Wälder bewohnt. Auffallend sind die schönen blauen Augen. (Bild: )
Die Sunda-Bengalkatze (Prionailurus javanensis) wurde früher für eine Unterart der Bengalkatze gehalten, der sie auch sehr ähnlich sieht. Ihr Habitat ist beschränkt auf einige Inseln in Indonesien und den Philippinen. (Bild: )
«Die jungsteinzeitlichen Falbkatzen waren nicht synanthrop, nicht vollständig auf den Menschen und seinen Lebensraum angepasst, sondern lebten – im Gegensatz zu den Hunden in dieser Zeit – opportunistisch. Wenn es in der freien Wildbahn, welche sie sich mit den heimischen Wildkatzen teilen mussten, kein Fressen gab, durfte es auch gern Nahrung aus menschlicher Nähe sein», erklärt Bocherens gemäss der Mitteilung.
Eigensinnige Hauskatzen Wann genau aus der wilden Falbkatze die europäische Hauskatze wurde, kann die Studie nicht beantworten. Und natürlich ist klar, dass auch die heutigen Hauskatzen noch unabhängig vom Menschen leben können, wenn sie müssen. Manche tun dies auch ganz gerne und begeben sich immer mal wieder auf Abenteuer, die ihren Besitzern verborgen bleiben. Die meisten der Stubentiger jedoch bevorzugen es, sich aufs warme Ofenbänkli zu legen, sich streicheln, verwöhnen und sich von ihren Menschen das Futter hinstellen zu lassen.
Mit der Ankunft des Menschen gab es übrigens auch in der Ernährungsweise der bereits in auf dem Kontinent ansässigen Europäischen Wildkatze einen Wechsel in der Ernährung hin zu mehr Nagetieren, wie die Studie aufzeigt. Hervé Bocherens: «Eigentlich gab es eine direkte Futterkonkurrenz zwischen den beiden Arten, die aber aufgrund des grossen Angebots anscheinend nicht zur Verdrängung der einen oder anderen Katze führte.»