Kinder wollen mit Bäumen die Welt retten

Wenn die Menschheit so weitermacht, erwartet die Kinder eine schwierige Zukunft. Tausende unter ihnen haben das erkannt und setzen sich weltweit für den Klimaschutz ein. Bei «Plant-for-the-Planet» gilt: Gemeinsam ist man stark.

Fredy grinst. Schon von Weitem sieht er, wie Julia und Mareike versuchen mit Spaten ein Loch in die Erde zu graben. Ihre ausgestreckten Arme drücken gegen den Griff, die Füsse rutschen im nassen Gras. Zum grossen Erdloch kämpfen sie sich in kleinen Schritten. «Kann ich helfen?», fragt Fredy, der hier auf dem Hof Klosterfiechten in Münchenstein BL arbeitet. Lachend, aber bestimmt schütteln die beiden Teenager den Kopf und graben eifrig weiter. Sie wollen das allein schaffen – und das hat einen guten Grund.

Die Pflanzaktion ist Teil der Kinder-Akademie von «Plant-for-the-Planet». Weltweit finden jährlich zahlreiche solcher Akademien statt und jedes Mal werden Bäume gepflanzt, denn: Bäume binden das Treibhausgas CO2.Das heisst, dass viele Bäume die Klimaerwärmung bremsen könnten. Und genau das ist das Ziel der Stiftung «Plant-for-the-Planet». Seit der Gründung 2007 wurden – dank einer Zusammenarbeit mit einer UNO-Kampagne – schon über 13 Milliarden Bäume gepflanzt. Bis ins Jahr 2020 sollen daraus 1000 Milliarden werden. Das wären 150 neue Bäume für jeden Menschen auf der Erde. Eine Studie hat ergeben, dass der Platz dafür – trotz Nutzflächen und steigender Bevölkerungszahlen – vorhanden ist.

Viel zu hoher CO2-Verbrauch
Wenn Julia Hein heute den Hof Klosterfiechten verlässt, hat sie ihren fünften Baum gepflanzt. Manche bereits an anderen Akademien, einen bei ihrem Nachbarn. «Der hat eine Obstwiese; und meine Freundin und ich suchten Platz für einen Baum, den wir pflanzen wollten, also fragten wir ihn einfach.»

«Geht es um die Klimakrise, denken viele an den Eisbären, der bedroht ist», sagt die 14-Jährige. Doch eigentlich gehe es darum, die Menschheit zu retten. Die Klimabotschafterin erklärt das Problem so: «Unser Planet wird von einer Gashülle umgeben. Das ist gut so, denn Sonnenstrahlen, die auf die Erde treffen, werden reflektiert. Dank der Gashülle bleibt aber ein bisschen Wärme gespeichert.» Zu viele Abgase und zu viel Industrie machen die Gashülle dicker. Das heisst, immer weniger Wärme kann entweichen – und das Klima verändert sich. Die Folgen: Eisschmelze, die zu Überschwemmungen führt. Oder aber Dürre, zu wenig Trinkwasser und Waldbrände.

Im Moment verbraucht jeder Mensch pro Jahr durchschnittlich fünf Tonnen CO2. Kinder wie Julia wissen: «Das ist viel zu viel.» Ändert sich daran nichts, wird das Klima nachhaltig um etwa vier Grad wärmer. Bei solchen Bedingungen könnte das Grönlandeis schmelzen – noch mehr Naturkatastrophen wären die Folge. Ziel ist es, den Verbrauch pro Kopf auf 1,5 Tonnen CO2 pro Jahr zu senken. Nicht nur mithilfe der Bäume, sondern auch durch einen bewussteren Umgang mit der Natur (zum Beispiel Abgase und Elektrizität sparen).

Zwei Stunden nach der Pflanzaktion in Münchenstein steht der letzte Hochstamm­obstbaum in Reih und Glied. Auch Julia und Mareike wischen sich stolz den Schweiss von der Stirn. 18 Bäumchen waren es – organisiert von Kerstin Knuth von «Plant-for-the-Planet». Sie sorgt bei jeder Akademie für Sponsoren, Bäumchen, Pflanzplatz, Räumlichkeiten und Verpflegung. Dank den Sponsoren ist die Teilnahme für jedes Kind gratis.

Mit 13 Jahren Referent vor der UNO
Initiant der Stiftung ist der Deutsche Felix Finkbeiner. Als Neunjähriger hielt er in der Schule einen Vortrag über die Klimakrise und beendete diesen mit der Vision, Bäume zu pflanzen. Felix machte eine Plakatkam­pagne mit Prominenten wie Harrison Ford, Gisele Bündchen oder Fürst Albert von Monaco, stand mit 13 Jahren vor der UN-Generalversammlung und wurde von Reader’s Digest zum «Europäer des Jahres 2015» gewählt. Mittlerweile engagieren sich über 36 000 Kinder weltweit für die Kinderorganisation.

Eigentlich könnte auch jede andere grüne Pflanze das CO2 binden. «Aber Bäume sind ein Symbol von Gemeinschaft, von Leben. Und im Stamm binden sie unheimlich viel Kohlenstoff, mehr als beispielsweise ein Busch», erklärt Kerstin Knuth.

Zurück in den Sälen der Rudolf-Steiner-Schule haben sich die 28 Kinder ein Zvieri verdient. Bei hohem Lärmpegel rennen sie über den Pausenhof oder erzählen, wie sie nun ganz persönlich die Welt retten wollen: Julia achtet zu Hause penibel darauf, dass die Kühlschranktüre nicht unnötig lange offen steht, dass LED-Lampen die Räume beleuchten und sie will ihre Familie dazu überreden, wenigstens im Sommer das Auto in der Garage stehen zu lassen und Velo zu fahren. Auch die zwölfjährige Lili Hänger verzichtet aufs Autofahren, wenn es irgendwie geht. Lieber überzeugt sie ihre Begleiter davon, Tram und Bus zu fahren oder Zug.

In Workshops lernen die Kinder noch, Vorträge zu halten, und präsentieren am Abend den Eltern ihr neues Wissen. Jeder Akademie-Teilnehmer ist nun ausgebildeter Botschafter für Klimagerechtigkeit und wer will, kann sich für «Plant-for-the-Planet» weiterhin ehrenamtlich engagieren. Bevor Julia für den Abschluss wieder in der Aula verschwindet, sagt sie noch schnell: «Wenn einer mitmacht, bringt das nicht viel. Aber wenn alle mitmachen und wir als Gemeinschaft aktiv werden, kann das schon dazu führen, dass wir die Welt retten.»

www.plant-for-the-planet.org

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