KKW-Abschaltung wird Aare abkühlen lassen

Forscher der ETH Lausanne haben berechnet, wie stark sich Aare und Bielersee nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Mühlebergs abkühlen werden. Der Effekt könnte bis nach Süddeutschland spürbar sein.

Im Durchschnitt wird der Bielersee um 0,3 Grad kälter, wenn die Erwärmung durch das Kernkraftwerk Mühleberg wegfällt. Allerdings kann das Wasser im Winter an einzelnen Stellen mehr als drei Grad kälter werden als bisher. Das berechnete ein Forschungsteam der ETH Lausanne (EPFL). In der Aare zwischen Mühleberg und dem Bielersee wird die Abkühlung noch stärker zu spüren sein als im See. Und möglicherweise wird die Abkühlung sogar im Süden Deutschlands zu spüren sein, wie es in der Medienmitteilung heisst. Die Resultate wurden im Fachjournal «Water Resources Research» publiziert.

Von der in Mühleberg produzierten Wärme werden rund 30 Prozent zu Strom umgewandelt, der Rest geht laut Mitteilung in die Aare. Im Jahr 2019 wird das Kraftwerk abgeschalten, worauf die Wassertemperaturen fallen werden. «Ein kleinräumiger abrupter Temperaturwechsel ist ein Stressfaktor für Fische und kann die Zusammensetzung des Planktons verändern», wird Love Råman Vinnå, Doktorand an der EPFL und Hauptautor der Studie, in der Mitteilung zitiert.

Karpfen mögen Kälte nicht
Co-Autor Alfred Johny Wüest, Professor an der EPFL und Wissenschaftler in der Abteilung Oberflächengewässer am Forschungsinstiut Eawag, rechnet für die Aare mit Konsequenzen für die Fischfauna. «Die Temperaturunterschiede betragen dort zwischen einem halben bis zu über drei Grad», sagt er. «Das wirkt sich auf die Fischzusammensetzung aus.» In einer früheren Studie, an der er ebenfalls beteiligt war, hatte sich gezeigt, dass im Allgemeinen Salmoniden wie Felchen, Lachs und Forellen von einer Abkühlung profitieren. Karpfenfische, zu denen nebst dem Karpfen unter anderem die vom Aussterben bedrohte Nase gehört, leiden hingegen unter tieferen Temperaturen.

Im Bielersee erwartet Wüest hingegen keine grossen Auswirkungen der Temperaturänderung auf die Fische. Die Abkühlung werde im Uferbereich am stärksten zu spüren sein, doch die Fische würden sich durch Zu- oder Abwandern anpassen können.

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