Kleine Fasern, grosser Schaden

Mit jeder Wäsche verliert ein synthetisches Kleidungsstück Abertausende von Fasern. Sie werden in den Kläranlagen nicht ausgefiltert und landen im Meer. Ein europäisches Projekt sagt dieser Umweltverschmutzung den Kampf an. 

Fasern von Nylon-T-Shirts oder Fleecepullis sind derart klein, dass man sie mit blossem Auge nicht erkennen kann. Genau das macht sie so gefährlich. Denn lange flossen sie aufgrund ihrer geringen Grösse einfach so mit dem Waschmaschinenwasser weg, ohne dass jemandem etwas aufgefallen wäre. Da die Mikrofasern auch von den Filteranlagen der Klärwerke nicht aufgehalten werden, gelangen sie in Flüsse, Seen oder gar in die Ozeane und vergrössern dort den ungeheuren Plastikstrudel (siehe auch «Tierwelt» Nr. 43/2015). Dort lagern sich Giftstoffe an ihnen an und können so Meerestieren schaden, die Müll mit Plankton verwechseln.

Welcher Schaden durch das Waschen von Kunstfasertextilien schon entstanden ist, weiss man bislang nicht genau. Seit einer 2011 veröffentlichten Studie des Ökologen Mark Antony Browne von der Universität in Dublin kann man es aber zumindest erahnen. Browne untersuchte weltweit 18 Strände: 85 Prozent des synthetischen Materials, das er dort fand, war ursprünglich einmal Bestandteil einer Jacke, einer Hose oder eines anderen Kleidungsstückes aus Kunstfaser­textilien. Pro Waschgang, so ein weiteres Ergebnis der Studie, können 1900 Mikrofasern weggeschwemmt werden. Inzwischen weiss man allerdings dank neueren Untersuchungen aus Holland, dass das je nach Textil und Waschvorgang noch eine sehr bescheidene Schätzung war. Allein ein Paar 55 Gramm leichter Nylon-Socken verliert demnach pro Waschgang fast 136 000 Fasern, bei einer 680 Gramm schweren Fleece-Jacke muss man mit fast einer Million rechnen.

Das Problem von drei Seiten angehen
Vor diesem Hintergrund sind sogar Textilien problematisch, die zum Teil aus recyceltem Plastikmüll bestehen und so eigentlich einer guten Sache dienen. «Auf der einen Seite ist es wirklich wichtig, mehr Menschen auf das Problem der Plastikmüllverschmutzung der Meere aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seiten brauchen wir aber auch schnell eine Lösung für den Faserverlust bei der Wäsche: innovative Textilien, bessere Filtersysteme und andere Waschtechniken», sagt Jeroen Dagevos. Er arbeitet bei der niederländischen Organisation Plastik Soup Foundation, die beteiligt ist an einem Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Gesamtmenge der Kunsttextilfasern, die im Abwasser landet, bis 2018 um 70 Prozent zu reduzieren. Voraussetzung dafür, dass das Unterfangen namens «Mermaids» Erfolg hat, ist allerdings, dass die Industrie und die Verbraucher mitmachen. Erster Ansprechpartner ist die Textilindustrie, die Kunstfasern einsetzen müsste, die beim Waschen weniger Fasern verlieren. Auch die Waschmaschinen-Hersteller sind in der Pflicht. Denn mit feineren Filtern könnte man Fasern aus dem Waschwasser relativ einfach herausfiltern.

Gleichzeitig müssten natürlich die Konsumenten gut informiert werden, damit der Faserpapp aus dem Sieb nicht etwa im Klo runtergespült, sondern fachgerecht entsorgt wird. Schliesslich spielen auch die Produzenten von Waschmitteln eine Rolle. Denn die jeweiligen Zusätze, so die Ergebnisse von Mermaids Untersuchungen, hätten Einfluss auf die gelöste Fasermenge. «Im Moment führen wir Gespräche mit diversen Herstellern. Wir suchen nach Vorreitern», sagt Dagevos.

Bis die Industrie Verantwortung übernimmt, können wir alle einiges dafür tun, um die Wasserverschmutzung durch Mikrofasern zu reduzieren. Die Empfehlungen von Mermaids: Nicht zu häufig und bei möglichst niedrigen Temperaturen waschen, die Waschmaschine gut füllen und Flüssigwaschmittel statt Pulver benutzen.

www.life-mermaids.eu

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