Kühe unter dem Hammer

Das traditionelle «Säulirennen» ist nicht alles, was die OLMA an Spektakel zu bieten hat. Den Zuschauern bietet sich jedes Jahr auch die Gelegenheit, einmal hautnah an einer Vieh-Auktion dabei zu sein.

«Zweiunddreissighundert Franken, schauen Sie sich das schöne Rind an!»

Gantrufer Urs Jaquemet steht an einem Podest vor der grossen OLMA-Arena in St. Gallen und versucht, die gut gefüllten Ränge zu einem Viehkauf zu animieren. Er beschreibt das trächtige Rind, lobt sein Euter und die saubere Enthornung und lockt die Menge, die erst einmal stumm bleibt, doch endlich auf das Tier zu bieten.

Bereits zum neunten Mal fand am vergangenen Freitag anlässlich der OLMA in St. Gallen eine Fleischrinder-Auktion statt. Ein besonderes Erlebnis, nicht nur für die Schaulustigen Besucher, sondern auch für Jaquemet, der ein- bis zweimal im Monat als Gantrufer amtet. «Normalerweise hat der Ring vielleicht zehn Meter Durchmesser», sagt er. Nicht zu vergleichen mit der grossen Arena, in der sich die Rinder nun fast verlieren. Vielleicht auch deshalb sind die Bieter etwas zaghaft, bis einer seine Broschüre in die Luft streckt, um das Mindestgebot abzugeben.

«Dreitausendzweihundert sind geboten. Wer sieht es auch noch und bietet Dreiunddreissighundert?»

Nun ist der Anfang gemacht, das erste Rind wird auf jeden Fall verkauft. Das freut den Gantrufer, aber auch den bisherigen Besitzer des Tieres. «Die Verkäufer haben es nicht leicht», meint Jaquemet. Momentan gebe es eine Überproduktion von Fleischrindern, Käufer können auf Schnäppchen warten. Und so gehen an dieser Versteigerung auch einige Rinder zum Mindestgebot an Landwirte, die sich nach dem Zuschlag mit einem grinsen im Gesicht zeigen. Nicht aber unser Tier. Die Bieter machen es spannend.

«Wir sind hier an einer Steigerung. Ihr müsst bieten! Dreitausendzweihundert zum Ersten, zum Zweiten, und... »

Kurz vor dem Zuschlag wird der Gantrufer von den Helfern auf einen Bieter hingewiesen. 3300 sind geboten. Und nun geht es aufwärts. «Wenn die Leute bieten ist es ganz einfach, schwieriger wird es, wenn sich niemand meldet», sagt Jaquemet. Nach der Pflicht also die Kür. Den harzigen Start in die Auktion hat der wortgewandte Redner elegant umschifft und hat nun sichtlich Spass an der Versteigerung, die nun in Schwung kommt.

Jaquemet ist Bereichsleiter des Ressorts Fleischrassen bei der Firma Vianco. Und wenn er die Preise von Rindern in die Höhe treiben darf, ist er in seinem Element. «Es war schon immer ein ‹Träumli› für mich», sagt er über diesen Job. Irgendwann sei er einfach reingerutscht. Lernen könne man das nicht. Irgendwann müsse man sich einfach hinstellen und loslegen. Übung macht bekanntlich den Meister.

«Dreitausendfünfhundert sind geboten und du sagst sechsunddreissighundert, oder? Komm, nicken, nicht schütteln!»

Mit sympathischen Aufforderungen versucht Jaquemet noch einmal, ein Gebot aus den anwesenden Landwirten zu kitzeln und erntet ein Schmunzeln aus dem Publikum. Provision erhalte er aber keine für höhere Verkaufserlöse, versichert er. Doch der Einsatz nützt nichts mehr, das Rind geht für 3500 Franken weg.

«Dreieinhalbtausend zum Dritten, wünsche Glück dazu!»

Das beliebte «Säulirennen» wird an der OLMA täglich durchgeführt.

Die Abkürzung OLMA, mittlerweile umbenannt in «Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung», stand ursprünglich für «Ostschweizerische Land- und Milchwirtschaftliche Ausstellung». Und auch wenn noch immer viel Tradition auf dem Messegelände zu spüren ist, ist sie mittlerweile hauptsächlich für drei Dinge bekannt: Die OLMA-Bratwurst (ohne Senf), die Weindegustationen (ohne Platz) und das «Säulirennen».

Legendär für seinen Kommentar beim täglichen schweinischen Aufgalopp durch die Arena ist Christian Manser. Der «Speaker» heizt das Publikum und die Rennschweine tagtäglich zu Höchstleistungen an. Doch Manser ist nicht nur für die quiekende Schweinchen-Unterhaltung zuständig, er ist Tier-Chef der OLMA. Also auch verantwortlich für die Vieh-Auktionen.

Positives Fazit
Von «Show»-Auktion will er allerdings nichts wissen. Allerhöchstens seien «vielleicht die Käufer etwas lockerer drauf, weil sie den Kauf mit einem Messebesuch verbinden können», sagt er. Viele Landwirte würden die Gelegenheit ergreifen und für einmal mit der ganzen Familie an eine Auktion fahren, wo «eine grosse Arena und gute Musik eine tolle Atmosphäre» böten.

Sowohl Manser als auch Gantrufer Jaquemet sind zufrieden mit dem Ausgang der Fleischrinder-Auktion. Kein Wunder: 16 der 19 Tiere kamen bereits in der Arena unter den Hammer, die übrigen drei konnten im Nachhinein vermittelt werden. Die Verantwortlichen können also eine hundertprozentige Verkaufsquote vorweisen.

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