Für die Studie untersuchte das Team um Laurent Keller von der Universität Lausanne während sechs Wochen sechs Ameisenkolonien, wie die in einem Communiqué schreibt. Die Ameisen gehörten der Art Camponotus fellah an – dies sind grosse braune Ameisen aus dem Nahen Osten. Die Studie erscheint am Freitag, 19.4., im Fachblatt «Science».
Brutpflegerinnen, Reinigungsameisen und Nahrungssammlerinnen
Die Forscher klebten Ameisen-Arbeiterinnen winzige Codes auf den Rücken – Miniausgaben der schwarz-weissen QR-Codes, die mit dem Smartphone gelesen werden können. Eine Videokamera zeichnete jede halbe Sekunde die Bewegungen der Ameisen auf, insgesamt zwei Milliarden Positionspunkte und neun Millionen soziale Interaktionen zwischen Individuen.
Es zeigte sich, dass es drei räumlich getrennte Gruppen von Arbeiterinnen gibt, die je nach Alter andere Aufgaben übernehmen: Brutpflegerinnen sind die jüngsten und bleiben im Nestinneren, Reinigungsameisen sind etwas älter und in der ganzen Kolonie aktiv und nur die ältesten Ameisen, die Nahrung sammeln, verlassen das Nest. Diese Abfolge war bei allen Arbeiterinnen die gleiche.
Neuigkeiten verbreiten sich wie bei Twitter
Wenn Ameisen sich treffen, berühren sie sich leicht mit den Fühlern und tauschen so Informationen aus. Diese Kontakte finden innerhalb einer Arbeitsgruppe viel häufiger statt als mit anderen Ameisen, beobachteten die Wissenschaftler. Offenbar kommuniziert eine Ameise überwiegend mit ihren Nachbarinnen. Dennoch verbreiten sich News im Ameisenstaat in Windeseile: Aus der gefilmten Abfolge von Berührungen zwischen Einzeltieren schliessen die Forscher, dass eine Information in einer Stunde 90 Prozent aller Ameisen erreicht. «Das funktioniert ganz ähnlich wie bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter», sagte Keller.
Die Resultate erklären laut den Forschern ein Schlüsselelement der verblüffenden dezentralen Organisation des Ameisenstaats: Dass die Tiere in räumlich getrennte Gruppen unterteilt sind, die vorwiegend untereinander kommunizieren, diene vermutlich als Mechanismus zum Regulieren des Informationsflusses im Staat.
Wann die Arbeiterinnen von einer Aufgabe zur nächsten wechseln, sei individuell sehr unterschiedlich, erklärte Keller. Es gebe keinen fixen Zeitpunkt, sondern bislang unbekannte Faktoren, die den Wechsel auslösen.

