Werkzeuggebrauch ist längst nicht nur den Menschen vorbehalten. Zum ersten Mal wurde das Verhalten nun auch bei Seevögeln beobachtet – und zwar bei den herzigen Papageitauchern.
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Lesedauer 4 Minuten
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Meret Signer
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Die Papageitaucher auf der Insel Skomer vor Wales brauchen auch ab und an mal Werkzeuge.
(Bild: Collins93/Shutterstock.com)
Die Papageitaucher auf der Insel Skomer vor Wales brauchen auch ab und an mal Werkzeuge.
(Bild: Collins93/Shutterstock.com)
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Affen tun es, Papageien, Krähen, Otter und Delfine ebenfalls, sogar Fische wurden schon dabei beobachtet und nun zum ersten Mal auch Seevögel: Sie brauchen Werkzeuge. In die illustre Gemeinschaft der werkzeuggebrauchenden Tiere, die aufgrund ebendieser Fähigkeit als besonders intelligent gelten, dürfen sich neu die Papageitaucher einreihen. Wer diese Alkenvögel wegen ihres putzigen Äusseren und lustig watschelnden Gangs bis anhin für nicht besonders schlau hielt, wird also nun eines Besseren belehrt.
Werkzeuggebrauch bei einem Papageitaucher auf der Insel Grímsey
Tausende Papageitaucher kommen jedes Jahr auf die Insel Skomer in der Grafschaft Pembrokeshire in Wales zurück, um zu brüten.
Werkzeuggebrauch tritt im Tierreich meistens in Zusammenhang mit der Nahrungsbeschaffung auf. So benutzen viele Tierarten Stöckchen, um an Beute, wie zum Beispiel Insekten in engen Spalten, zu gelangen, an die sie sonst nicht herankommen würden. Besonders interessant ist sei es daher, dass die Papageitaucher ihr Werkzeug für einen ganz anderen Zweck verwenden: die Körperpflege. Dies schreiben die Zoologin Annette Fayet von der englischen Universität Oxford und Kollegen Ende Dezember im Fachmagazin «PNAS». Bei wilden Vögeln sei nur ein weiterer Fall von Werkzeuggebrauch mit einem ähnlichen Nutzen bekannt: das sogenannte «Einemsen». Dabei reiben sich die Vögel mit ihren Schnäbeln Ameisen in die Federn. Wahrscheinlich nutzen sie deren Säure, um das Gefieder von Ungeziefer zu befreien.
Unterschätzte Seevögel
Im Falle der Papageitaucher beobachtete Fayet 2012 auf der walisischen Insel Skomer und 2018 auf der Grímsey-Insel vor Island, wie einer der Vögel sich mit einem kleinen Stöckchen im Gefieder kratzte – einmal auf dem Rücken und einmal an der Brust. Auf Grímsey gelang dank einer Kamerafalle ein Video des Verhaltens. Wie Fayet schreibt, diene das Stöckchen wohl dazu, eine juckende Stelle zu kratzen oder Parasiten aus dem Gefieder zu fischen.
«Unsere Beobachtungen zeigen, dass Vögel ein breiteres Werkzeug-Repertoire haben, als wir bisher dachten», schreiben die Forscher. Ausserdem sei der Werkzeuggebrauch nun zum ersten Mal auch in der Gruppe der Seevögel dokumentiert – dies sogar an zwei über 1700 Kilometer weit auseinanderliegenden Orten. Damit liege es nahe, dass gelegentlicher Werkzeuggebrauch auch bei den Seevögeln verbreiteter ist, als angenommen. «Es könnte sein, dass wir die physische Wahrnehmungskraft der Seevögel unterschätzt haben», schreibt Fayet. Diese sei bis jetzt noch fast nicht untersucht worden, was aufgrund dieser neuen Erkenntnisse nun dringend nachgeholt werden müsse.
Die lustigen Alkenvögel kann man dort aus nächster Nähe beobachten. (Bild: )
Bei schlechtem Wetter fliegen sie nicht weit aus – und halten sich nur eine Armlänge entfernt vom Weg auf. (Bild: )
Auch Kegelrobben sind auf Skomer Island zuhause. Sie kriegen ihre Jungen allerdings erst im Herbst. (Bild: )
Wildkaninchen wurden im Mittelalter wegen ihres Fleisches und Fells auf Skomer angesiedelt. Heute haben Papageitaucher und Atlantiksturmtaucher hier dank ihnen die Möglichkeit, zu brüten. Beide Vogelarten brüten in verlassenen Kaninchenhöhlen. (Bild: )
Der Atlantiksturmtaucher kann so gut und wendig fliegen, dass er dafür an Land fast nicht mehr laufen kann. Deshalb muss er am Abend aus seinem Kaninchenloch kriechen und so schnell wie möglich davon fliegen, damit er nicht von den Mantelmöven gefressen wird, die vor dem Loch warten. (Bild: )
Riesige Kolonien von Tordalken (links) und Trottellummen (rechts) kommen ebenfalls zur Brutzeit nach Skomer Island. (Bild: )
Trottellummen beim Brüten: Diese Vögel bauen keine Nester, sondern legend ihre Eier direkt auf den Felsen. (Bild: )
Die Tordalken handhaben es ebenso. (Bild: )
In der Grafschaft Pembrokeshire findet man wunderschöne Küstenlandschaften. (Bild: )
Auf einem Wanderweg kann man der gesamten Küste entlang laufen. (Bild: )
Mit etwas Glück begegnet man unterwegs einer seltenen Alpenkrähe: Nur noch 450 Paare brüten in Grossbritannien, in der Schweiz sind es laut Vogelwarte nur noch 60 bis 70 Paare und die Art gilt in der Schweiz als stark gefährdet. (Bild: )
Unverwechselbar ist der Austernfischer mit seinem schwarz-weissen Gefieder und dem langen, roten Schnabel. Hier bewacht einer sein Ei. (Bild: )
Auch Kormorane gibt es in Pembrokeshire. (Bild: )
Blick auf die Ortschaft Fishguard. (Bild: )
Diese Boote beim Dorf Solva warten, bis die Flut kommt. (Bild: )
Schöne Sonnenuntergänge gibt es auch in Wales, hier in Broad Haven. (Bild: )
Eine Familie von Kanadagänsen tut sich am Strand an den angeschwemmten Algen gütlich. (Bild: )
Was wäre Wales ohne Schafe? (Bild: )
Wer auf dem Küstenpfad wandert, kann haufenweise Schwarzkehlchen beobachten. In der Schweiz gilt der kleine Vogel als potentiell gefährdet. (Bild: )
Auch wenn das Wetter mal nicht so toll ist, ist es in Pembrokeshire (hier bei Poppit Sands) immer noch schön. (Bild: )
Das pittoreske Städtchen Tenby sieht aus, wie in einen Farbtopf gefallen. (Bild: )