Weite Kreise der Bevölkerung und der Politik hätten die Vorstellung, die Schweiz sei in Sachen Naturschutz und Förderung der Biodiversität ein Musterland, schreiben die Umweltorganisationen SVS/BirdLife, Pro Natura und WWF Schweiz in einer Mitteilung vom Dienstag.
Der Umweltbericht der Europäischen Umweltagentur zeige aber einmal mehr, dass dem nicht so sei. Im Gegensatz zu anderen Ländern hinke die Schweiz weit hinterher. So weist Slowenien einen Flächenanteil von über 50 Prozent aus. Bulgarien, Kroatien und Griechenland haben mehr als 30 Prozent ihrer Flächen unter Schutz gestellt.
Mehr bedrohte Arten
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in Europa hat die Schweiz in den letzten Jahren keine neuen nationalen Schutzgebiete ausgewiesen, wie es in der Mitteilung heisst. Schutzgebiet sind jedoch das Kernstück einer ökologischen Infrastruktur, die die biologische Vielfalt langfristig sichern kann.
Die Umweltverbände kritisieren, dass die Schweiz auch in anderen Bereichen zu wenig mache, etwa bei der «biodiversitäts-freundlichen» Nutzung der ganzen Landschaft. Das zeige sich daran, dass die Roten Listen in unserem Land deutlich länger seien als in vielen Teilen Europas.
SVS/BirdLife, Pro Natura und WWF fordern deshalb, dass die Schweiz beim Schutz der Natur, der Landschaft und der biologischen Vielfalt endlich einen grossen Schritt vorwärts macht. Ziel müsse es sein, den längst überfälligen Aktionsplan Biodiversität rasch zu verabschieden und zusammen mit den Kantonen umzusetzen.
Viel Abfall, viel Recycling
Der Europäische Umweltbericht liefere weitgehend ähnliche Befunde wie der Schweizer Umweltbericht, schreibt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in einer Mitteilung. Laut dem BAFU schneidet die Schweiz nicht nur punkto Schutzgebiete schlecht ab: Sie hat auch die höchste Abfallmenge pro Kopf und sie gehört zu den Ländern, in denen die Mobilität von 2005 bis 2012 am stärksten gestiegen ist.
Hingegen zählt die Schweiz zu den führenden Ländern, was die Hauskehricht-Recyclingquote betrifft. Sie hat geringe Phosphorkonzentrationen in Gewässern und sie hat die Luftschadstoffe stark reduzieren können. Trotzdem gebe es noch viel zu tun, schreibt das BAFU. Der Bundesrat wolle denn auch dem Vollzug der geltenden Umweltgesetze mehr Beachtung schenken.

