So wenig Meereis in der Antarktis wie noch nie

Das Meereis der Antarktis befindet sich auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Messungen vor 40 Jahren.

Aktuell wird weniger Meereis in der Antarktis beobachtet als je zuvor in den vierzig Jahren seit Satelliten die Eisausdehnung erfassen: Anfang Februar 2023 waren lediglich noch 2,20 Millionen Quadratkilometer des Südlichen Ozeans von Meereis bedeckt, wie das das Alfred-Wegener-Institut (AWI) mitteilt. Forschende analysieren für das Meereisportal die Situation. Das aktuelle Expeditionsteam auf der «Polarstern» berichtet von nahezu eisfreien Verhältnissen in dem antarktischen Bellingshausenmeer.

Da die Meereisschmelze in der Antarktis voraussichtlich bis in die zweite Februarhälfte weiter andauert, können die Wissenschaftler noch nicht sagen, wann der neue Negativrekord erreicht sein wird und wie viel Meereis noch zusätzlich schmilzt. Die rasante Abnahme des Meereises in den letzten sechs Jahren sei sehr erstaunlich, weil sich die Eisbedeckung in den 35 Jahren davor kaum verändert hatte. Es ist unklar, ob dies der Anfang vom schnellen Ende von sommerlichem Meereis in der Antarktis ist, oder ob es sich nur um eine neue Phase mit geringerer aber weiterhin stabiler Meereisbedeckung im Sommer handelt, heisst es in der Mitteilung weiter.

Schrumpfung im Sommer

Generell erreicht das Meereis in der Antarktis im September oder Oktober seinen Höhepunkt und jeweils im Februar sein Minimum. Mancherorts verschwindet das Meereis im Sommer komplett. Im Winter ermöglicht das kalte Klima jeweils wieder eine schnelle Meereisneubildung, die eine maximalen Ausdehnung von 18 bis 20 Millionen Quadratkilometer erreichen kann. Im Sommer schrumpft sie auf etwa drei Millionen Quadratkilometer zurück.

Die überdurchschnittlich warmen Lufttemperaturen westlich und östlich der Antarktischen Halbinsel könnten der Grund sein für die Eisschmelze. Der Eisrückgang wird auch durch komplexe Wechselwirkungen zwischen Luftdruck, Windzirkulation und Meeresströmungen beeinflusst. Der globale Meeresspiegel verändert sich durch die Schmelze von Meereis hingegen nicht, da sich das Eis bereits im Wasser befindet. Anders sieht es bei schmelzendem Festlandeis aus, das führt zu zusätzlichem Wasser in den Ozeanen.

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