Stadt Zürich will Hormone aus Abwasser filtern

Hormone, Rückstände von Medikamenten, Kosmetika und andere Chemikalien gelangen in Zürich künftig nicht mehr in die Limmat und somit nicht mehr in den Wasserkreislauf.

Die Stadt Zürich baut im Klärwerk Werdhölzli eine neue Reinigungsstufe, die Mikroverunreinigungen grösstenteils herausfiltern wird. Gebaut wird eine Ozonungs-Anlage, wie Tiefbau- und Entsorgungsvorsteher Filippo Leutenegger vor den Medien sagte. Dabei wirkt Ozon als Oxidationsmittel, das die Moleküle der Verunreinigungen aufspaltet. 80 Prozent der problematischen Stoffe könnten mit der geplanten Anlage herausgefiltert werden, sagte Leutenegger weiter und lieferte gleich ein Anschauungsbeispiel: Löse man 43 Würfelzucker im Greifensee auf, könnten mit einer solchen Anlage 80 Prozent davon - also 34 - wieder herausgefiltert werden. Nur noch 20 Prozent der problematischen Substanzen würden zurückbleiben. Im Fall der Kläranlage Werdhölzli werden somit kaum mehr problematische Stoffe in die Limmat fliessen.

Männliche Fische verweiblichen
Was Medikamenten-Rückstände und Chemikalien im Wasser alles anrichten, ist nicht abschliessend geklärt. Sicher ist aber, dass Hormone - etwa aus der Anti-Baby-Pille - zur Verweiblichung von männlichen Fischen führen können. Mit dem Wasser, das künftig aus dem Werdhölzli fliesst, ist dieses Risiko zumindest erheblich reduziert. Es sei zwar kein Trinkwasser, aber es könne unbedenklich in den Kreislauf zurückgegeben werden, sagte Leutenegger weiter. «Wir erreichen mit dieser Anlage einen Perfektionsgrad, bei dem wir international führend sind.»

Bund verlangt den Ausbau
Auslöser für den Bau der Ozonungs-Anlage ist das verschärfte Gewässerschutzgesetz des Bundes, das 2016 in Kraft tritt. Von Städten mit über 80'000 Einwohnern und von See-Gemeinden mit über 24'000 Einwohnern verlangt das neue Gesetz eine Anlage zur Filtration von Mikroverunreinigungen.

Von den rund 750 Kläranlagen in der Schweiz müssen in den nächsten Jahren voraussichtlich 120 erweitert werden. Die Finanzierung der neuen Anlagen wird über eine Lenkungsabgabe geregelt: Städte, die sich mit dem Ausbau Zeit lassen, müssen dem Bund ab 2016 «zur Strafe» pro Einwohner 9 Franken abliefern.

Stadt Zürich bezahlt nur 11,6 Millionen
Die Stadt Zürich muss den Ozon-Filter somit nicht vollständig selber berappen: Von den Gesamtkosten von 50,4 Millionen Franken übernimmt der Bund 75 Prozent. Die Stadt muss somit nur 11,6 Millionen zahlen. Dazu kommen die jährlichen Betriebskosten von 2,7 Millionen Franken, die voll zulasten der Stadt gehen. Der Stadtrat genehmigte die Gelder bereits als gebundene Ausgabe.

Der Baubeginn ist für November 2015 geplant. Anlaufen werden die Ozon-Reaktoren dann im August 2017. Bis es so weit ist, muss Zürich die Lenkungsabgabe aber bezahlen - je rund 3,7 Millionen in den Jahren 2016 und 2017. Mit der Inbetriebnahme der Anlage fällt diese Abgabe an den Bund dann aber weg.

Die erste Schweizer Stadt mit einer Anlage zur Filtration von Mikroverunreinigungen war Dübendorf. Entwickelt wurde sie in Zusammenarbeit mit dem ETH-Wasserforschungsinstitut eawag. Seit September 2014 ist der Ozonfilter in Betrieb.

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