Selbstinszenierung 2.0: Sie halten sich den Kopf Ihrer Katze so vor Ihr Gesicht, dass es wie ein Bart aussieht und nennen es «Cat-Bearding». Sie sitzen mit herunterhängenden Armen in der Hocke auf Schränken und nennen es «Owling». Sie baumeln kopfüber an Mauern und nennen es «Batmanning». Und für Duos gibt es «Horsemaning», inspiriert vom kopflosen Reiter im Horrorfilm «Sleepy Hollow». Hier positioniert sich einer so, dass man seinen Kopf nicht sieht, während er das Haupt des anderen scheinbar in der Hand hält. Solche skurrilen Fotos sind im Internet der Renner. Ist der eine Trend vorbei, steht schon der andere in den Startlöchern. Doch warum eigentlich?
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| «Owling». Quelle: YouTube/ten |
«Zu den Beweggründen zählen sicher die Klicks. Je mehr Klicks oder Likes ein solches Bild bekommt, desto schöner fühlt es sich für den Sender der Nachricht an», erklärt Eveline Hipeli von der Pädagogischen Hochschule Zürich (phzh) diesen Hype. Und wer dieses Ritual der Selbstinszenierung vollzieht, ist nicht nur Teil einer Gemeinschaft, sondern auch einer Gruppe, die sich vom Rest der Welt abhebt. Von einer Welt voller Zwänge und Regeln, einer Welt, die es jungen Menschen immer schwerer macht, sich selbst zu finden und etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Denn die Fotos leben von Selbstironie und sprengen die üblichen Konventionen des Alltags. Schliesslich hockt man normalerweise nicht wie eine Eule auf einem Tisch oder hängt wie eine Fledermaus an Baugerüsten herum. Wer sich aber traut, sich so ablichten zu lassen, der trotzt der allgemeinen Ordnung, steht zum zwanglosen Spass und bekommt genau deswegen seine 15 Minuten Ruhm.
Fotos versteht man auf der ganzen Welt, jenseits jeglicher Sprache und Kultur
Und es gibt noch einen Unterschied zu den meisten anderen Fotos und Videos im Internet: den Überraschungseffekt. «Es gibt ja schon so vieles. Da muss es etwas Neues sein, um die Konsumenten zu inspirieren», sagt Medienwissenschaftlerin Hipeli. Da das alles ohne Worte geschieht, bewegen sich die Fotos jenseits der Sprachbarrieren und verbreiten sich weltweit. Jeder versteht sie und dank Smartphones und sozialen Netzwerken kann jeder mitmachen. Es sei einfach, so etwas nachzumachen, sagt Hipeli und sieht darin ein weiteres Motiv für die Umsetzung.
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| «Batmanning». Quelle: YouTube/Sociolatte |
Urheber der Selbstinszenierung 2.0 sind zwei Jugendliche aus England. 1997 haben Gary Clarkson und Christian Langdon damit begonnen, sich zu Hause an allen erdenklichen Orten stocksteif hinzulegen. Später suchten sie sich öffentliche Plätze und legten sich auf Zäune oder Dächer. Als die beiden Briten Ende 2007 eine Facebook-Gruppe mit dem Namen «The Lying Down Game» («Hinlegen-Spiel») gründeten, lösten sie den Hype aus. Binnen zwei Wochen schlossen sich ihnen über 1500 Mitglieder an. Mittlerweile hat die Seite knapp 18 000 Anhänger und Tausende mehr oder weniger spektakuläre Fotos. 2011 erreichte der in der Zwischenzeit «Planking» getaufte Trend auch die Schweiz. Doch was kommt als Nächstes? Katzen, Eulen, Fledermäuse und kopflose Reiter sind bereits passé. Vielleicht ein von Baum zu Baum springendes Eichhörnchen oder eine züngelnde Schlange? Man darf gespannt sein.

