Wieso der Panda schon wieder muss

Mit einer unverkennbaren Kombination aus Wissenschaft und schwarzem Humor erklären zwei Physiker und ein Satiriker die Welt. Sie nennen sich die «Science Busters» und kommen in ihrem neuen Werk dem Tierreich auf die Schliche.

Die Science Busters aus Österreich, die sich selbst als die «schärfste Science-Boygroup der Milchstrasse» bezeichnen, erklären die Welt auf eine ganz besondere Art. Mit Charme und Wortwitz gehen sie in ihrem neuen (Hör-)Buch «Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln – Was wir von Tieren über Physik lernen können» spannenden physikalischen Phänomenen aus der Welt der Tiere auf die Spur.

Zu Beginn stellt der deutsche Sprecher Harry Rowohlt eine überraschende Frage: «Was wären Sie gern? Ein Seehase, ein Wasserbär oder ein Wurmgrunzer?» Die Verwirrung löst Rowohlt bald auf, doch es wäre schade, seine Erklärung hier vorwegzunehmen. Nur so viel: In seinen Erläuterungen schweift er immer wieder ab, und so geht es bald um Pandas, die rund 100 Mal am Tag «defäkieren» – zum Glück ist nicht der Panda, sondern «der Hund der Kulturfolger der Menschen». Auch sollte man bei Hasen und Kaninchen die dunkle Seite der Macht nicht unterschätzen, denn «das Kaninchen tötet, während man es isst», wie die Science Busters augenzwinkernd warnen. Ihre Logik: Der einseitige Verzehr des mageren Kaninchenfleischs führt zu einem permanenten Hunger. Am Ende isst man viermal mehr als zuvor und stirbt an einer Proteinvergiftung. Angst sei aber nicht angebracht, geben die Autoren Entwarnung. Schliesslich sei der «Tod durch Kaninchenbraten» kein Massenphänomen.

Zwischen solch spannende Anekdoten aus der Welt der Tiere streuen die Physiker Werner Gruber und Heinz Oberhummer sowie der Satiriker Martin Puntigam Fakten über nervliche Vorgänge im Gehirn und erklären etwa, was dort beim Lernen passiert. Alle drei sind mittlerweile übrigens auch abseits der Science Busters bekannt. Gruber und Oberhummer haben sich als Buchautoren einen Namen gemacht, und Puntigam arbeitet als mehrfach ausgezeichneter Satiriker unter anderem für den Rundfunk.

Die Lösung gegen den Kater am nächsten Tag hat der japanische Rosinenbaum
Auch machen die Autoren auf spezielle Fähigkeiten aufmerksam, die einigen Tieren vergönnt sind. Eine solche besitzt das Federschwanz-Spitzhörnchen. Kaum grösser als ein Mittelfinger hat das auf Sumatra und Borneo lebende Tierchen ein Talent, um das es so mancher Mensch beneiden könnte: «Es zecht täglich rund zwei Stunden, ohne an den Folgen des Alkohol-Konsums zu leiden.» Dank eines trinkfesten Organismus können die Hörnchen 3,8-prozentigen Blütennektar trinken, ohne dass sie besoffen werden oder ihnen übel wird.

Apropos übel, was hilft eigentlich, wenn man betrunken im Bett liegt und sich alles dreht? Die Lösung ist simpel: einen Fuss auf den Boden stellen. Der Gleichgewichtssinn hat mehrere Sensoren – das Innenohr informiert über die Lage, das Auge gleicht diese Daten ab und die Tastrezeptoren bestätigen die geografischen Informationen. Im betrunkenen Zustand sind aber nicht alle Sensoren einsatzfähig. So sind zum Beispiel die Augen im Liegen zu, und das Gehirn weiss nicht, wo man sich befindet. Der Fuss auf dem Boden als informativer «Rettungsanker» ändert das.

Auch die Schweiz findet Erwähnung in diesem humoristischen Werk. Laut den Autoren hat die Firma Hoffmann-La Roche Mitte der 1980er-Jahre an einer Substanz gearbeitet, die die negativen Folgen des Alkohols aufhebt. Obwohl noch betrunken, wäre man äusserlich nüchtern – «kein Tunnelblick, keine Enthemmung». Da so aber das Risiko bestünde, bis zur Alkoholvergiftung zu trinken, habe die Firma das Wundermittel nie vermarktet. Eine saubere Einstellung finden die Science Busters. Dem japanischen Rosinenbaum ist diese Ethik offenbar egal. Er produziert die Substanz DHM, welche die Wirkung des Katers weitgehend aufhebt. Tierversuche kamen aber bisher zu keinem befriedigenden Ergebnis, da unerwünschte Nebenwirkungen auftraten. Die «Probe mit Menschen steht noch aus».


Werner Gruber, Heinz Oberhummer, Martin Puntigam: «Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln – Was wir von Tieren über Physik lernen können».
Buch: 196 Seiten, Verlag Hanser, ISBN: 978-3-446-43215-4, ca. Fr. 28.–
Hörbuch: 208 Minuten, Verlag: Hörverlag, ISBN: 978-3-867-17921-8, ca. Fr. 30.–

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