Delila Rai hat 2023 ihre Ausbildung zur Recyclistin EFZ abgeschlossen, einem weltweit einzigartigen Lehrberuf in der Schweiz. Die 23-Jährige vertritt seitdem auch an Veranstaltungen wie der «Swiss Skills» ihren Beruf nach aussen und versucht, die Bevölkerung für mehr Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.
Frau Rai, wie sind Sie ausgerechnet darauf gekommen, Recyclistin zu werden?
Eigentlich wollte ich etwas Künstlerisches lernen, aber nach dem Zwischenjahr nach der Sek an der Kunstschule kam ich über eine Berufsliste zum Recycling. Ich fand es cool, beruflich etwas für die Umwelt tun zu können. Später möchte ich dann eine Weiterbildung zur Umweltingenieurin machen. Man könnte durchaus sagen, dass ich schon immer ein bisschen die Welt retten wollte.
Wie muss man sich den Alltag als Recyclistin vorstellen?
So etwas wie Alltag gibt es nicht, jeder Tag ist anders. Gerade fahre ich den Pneulader, um Schutt zu verladen. An anderen Tagen trenne ich Kupferdraht auf oder kümmere mich um Bauabfälle wie Beton und Mischabbruch. Generell machen Privathaushalte nur etwa zehn Prozent des Recyclingmaterials aus, der Rest kommt aus der Industrie. Als Recyclistin verarbeite ich alle möglichen Altstoffe zu Wertstoffen und sorge dafür, dass sie richtig gelagert, aufbereitet und wiederverwertet werden.
Oft wissen ja Privatpersonen nicht, was wohin gehört.
Manche Materialien sind für Laien schwer voneinander zu unterscheiden. So gibt es zum Beispiel acht verschiedene Sorten Kupfer. Aber auch andere Metalle sind für das ungeübte Auge oft schwer zu unterscheiden, deshalb gibt es sowohl die Elektro- als auch die Altmetallsammlung. Als Recyclistin habe ich gelernt, die verschiedenen Metalle und anderen Materialen genau zu erkennen und entsprechend weiter aufzutrennen. So werden Möbel, Kühlschränke und anderes in ihre Einzelteile zerlegt und alles herausgenommen, waswiederverwertet werden kann.
Was muss man nebst einem guten Auge noch mitbringen, um Recyclistin zu werden?
Man muss gerne draussen arbeiten, da Recyclinghöfe offen sind und viel auch unter freiem Himmel stattfindet. Natürlich muss man ordentlich anpacken können und gerne mit Maschinen wie Baggern und Staplern arbeiten. So wird es auch schon mal schmutzig und laut. Allerdings braucht man auch das nötige Feingefühl und Sorgfalt im Umgang mit den wertvollen Rohstoffen. Zudem hat man auch oft Kundenkontakt und kann so das eigene Wissen weitergeben und ein bisschen dazu beitragen, dass auch in Privathaushalten noch besser recycelt wird.
Das ist ein gutes Stichwort. Was hat es mit dem Gerücht auf sich, ein bisschen Papier und Glas im Hausmüll sei vorteilhaft für die Müllverbrennung?
Das hält sich tatsächlich hartnäckig. Viele denken, dass man uns dadurch einen Gefallen tut, indem man quasi den Verbrennungsprozess unterstützt. Aber das stimmt nicht. In den Verbrennungsanlagen entstehen auch ohne Zusatzstoffe genügend hohe Temperaturen. Da ist es viel besser, ein Recycling von Glas und Papier zu ermöglichen. Wir verbrennen noch immer zu viele Wertstoffe.

