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Schweizer Sternwarten: Hier kommt man den Sternen zum Greifen nah

Mehrere Sternwarten bieten Interessierten in der Schweiz die Möglichkeit, durch ein Teleskop in die Weiten des Weltalls zu blicken. Ihre öffentlichen Führungen sind ideal für einen spontanen Familienausflug zu den Sternen, wenn alles rundherum in Winterstarre verfallen ist.

Ich mag mich noch gut erinnern. Meine Zehen und Finger waren eingefroren und meine Nase lief, als ob sie der Kälte entrinnen wollte. Hier und da quengelten Kinder, drängelten sich vor – aber es war mir egal. Denn über mir strahlte der tiefschwarze winterliche Sternenhimmel und bald war ich an der Reihe, durch das Teleskop der Astronomischen Vereinigung Aarau auf die Ringe Saturns, die Monde Jupiters und den grossen Nebel im Sternbild Orion zu blicken.

In der Schweiz gibt es rund 50 Sternwarten, die regelmässig öffentliche Führungen für Interessierte und Neugierige durchführen – oft kostenlos. Sie stellen dabei ihre Instrumente vor, den Sternenhimmel und geben Auskunft über allerlei Fragen rund um dasWeltall. Manchmal finden die Führungen unter der Woche statt, manchmal am Wochenende, manche nur bei gutem Wetter, andere auch bei schlechtem. «Ein Besuch in der Sternwarte lohnt sich immer», sagt Marc Eichenberger. Er ist seit 46 Jahren Hobbyastronom, Mitglied der Astronomischen Gesellschaft Luzern (AGL) und seit bald einem Jahr Präsident der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft (SAG-SAS).

Die Schweizer Sternwarten

Dem Dachverband gehören unterdessen 26 der vorhandenen Sternwarten in der Schweiz an. Die meisten davon sind privat organisierte Vereine von Hobbyastronomen, die sich um den Bau, die Wartung und Nutzung der Sternwarten kümmern. «Nur die Sektion Zug sucht momentan noch einen Standort für ihre Sternwarte», sagt Eichenberger. Von Standort zu Standort sind sie unterschiedlich ausgerüstet und haben sich unter anderem auf Teilgebiete wie Kleinplaneten, Meteoriten oder Sonnenbeobachtung spezialisiert. «Aber mit den vorhandenen Instrumenten kann man den Mond und die Planeten von jeder Sternwarte aus gut beobachten», so Eichenberger. In den meisten Kantonen befindet sich mindestens ein Standort und viele sind auch mit dem Auto oder zu Fuss gut erreichbar.

Die Spektakulärsten jedoch liegen tiefer in den Alpen, wo die Lichtverschmutzung geringer ist und die Sterne zum Greifen nah sind. Dazu gehören laut Eichenberger die Sternwarte Mirasteilas in Falera im Kanton Graubünden, die Sirius Sternwarte in Sigriswil oberhalb des Thunersees im Kanton Bern und die Sternwarte Simplon-Adler im Kanton Wallis.

Ab in die Dunkelheit

Die gängige Annahme, dass der beste Zeitpunkt für einen Besuch in der Sternwarte bei Vollmond sei, stimmt nicht. «Bei Vollmond wird der Mond direkt von vorne beschienen und ist weniger interessant, weil die Sonne keinen Schatten wirft», so Eichenberger.«Ausserdem hellt er den Himmel zu sehr auf.» Bei Neumond hingegen überlässt der Satellit den Sternen allein die Bühne, die vor einem tiefschwarzen Hintergrund ein einzigartiges Schauspiel abliefern. Besonders im Winter scheint der Himmel dabei klarer und dunkler zu sein als im Sommer. «Die Wintersternbilder sind ausserdem die spektakulärsten», ergänzt Eichenberger. Je nachdem, wo sich die Erde in ihrer Umlaufbahn um die Sonne befindet, sind andere Sternbilder am Nachthimmel zu beobachten. Im Winter dominieren das Sternbild des Orion und der hellste Stern am Himmel, Sirius. Zu dieser Jahreszeit sind auch der Kleine und der Grosse Hund sichtbar und die Nachbargalaxie Andromeda. Aber auch die Milchstrasse – also die Galaxie, in der wir uns befinden – legt sich im Winter als galaktischer Schleier hoch über den Himmel, im Sommer liegt er tiefer am Horizont. Jupiter bleibt laut Eichenberger ebenfalls bis spät im Januar 2024 sichtbar. Und wer im Frühling oder im Sommer Geburtstag hat, der wird im Winter sein Sternzeichen am Himmel finden.

Schweizer Sternwarten: Hier kommt man den Sternen zum Greifen nah
Die Milchstrasse ist bei totaler Dunkelheit auch gut von Auge zu sehen.

«Oft kommen Besucher an ihrem Geburtstag und wollen ihr Sternenbild am Himmel sehen, aber das geht nicht», sagt Eichenberger. Sie seien erst ein halbes Jahr später am Nachthimmel, weil im Sommer die Sonne im Sternbild steht. Nicht selten verwechseln Besucher auch die Astronomie mit der Astrologie. «Astrologie ist Sterndeutung und hat viel mit Glauben zu tun. Wir aber befassen uns mit wissenschaftlichen Fakten», stellt der Hobbyastronom richtig und schmunzelt. Die beiden Fachbereiche sind nicht gut aufeinander zu sprechen.

Astronomie für zu Hause

Wer sich in aller Ruhe zu Hause mit den Sternen befassen will, der braucht nicht gleich 2000 Franken für ein Teleskop auszugeben. «Wenn es billiger ist, sollte man ohnehin die Finger davonlassen – diese Geräte taugen nichts.» Stattdessen genüge ein Feldstecher mit zehnfacher Vergrösserung und einer Öffnung von 30 bis 50 Millimetern, ein einfaches Stativ dazu und eine gute Sternkarte. Diese sind beispielsweise kostenlos in Apps wie «Stellarium» oder «Sky Safari» erhältlich und immer kompakt im Hosensack mit dabei.

Eichenberger empfiehlt vor allem das Voralpengebiet für private Beobachtungen. «Da hat man das helle Mittelland im Rücken und blickt in den Süden», so der Astronom. «Man kann beispielsweise eine Nacht in einem Hotel auf der Rigi oder auf dem Gornergratverbringen und die Sterne beobachten.» Auch im Napfgebiet, auf dem Säntis, dem Glaubenberg oder im Gebirge rund um Glarus sei der Himmel dunkel genug für tolle Beobachtungen. Im Gantrisch gibt es zusätzlich den sogenannten «Sternenpark», wo die umliegenden Gemeinden die Lichtverschmutzung zu minimieren versuchen. Hier findet eines der jährlichen Teleskoptreffen der Hobbyastronomen statt. Es braucht zwar etwas Überwindung, in einer eiskalten, mondlosen Winternacht aus der warmen Stube vor die Haustüre zu treten und im Schnee auf einen Hügel zu wandern. Wer sich aber vorher gut einpackt und einen heissen Tee mitbringt, der wird viel Freude an der Astronomie und den Sternwarten finden. «Das Interesse der Leute ist auf jeden Fall da, nur fehlt ihnen manchmal die passende Gelegenheit für einen Besuch.»


Sternwarten-Tipps der Redaktion

Sternwarte Mirasteilas, Falera (GR)

Schweizer Sternwarten: Hier kommt man den Sternen zum Greifen nah
Sternwarte Mirasteilas, Falera (GR)
  • Koordinaten: 46.804208 N / 9.224221 O
  • Öffentliche Führungen: jeweils freitags und samstags

Sternwarte Sirius, Schwanden ob Sigriswil (BE)

Schweizer Sternwarten: Hier kommt man den Sternen zum Greifen nah
Sternwarte Sirius, Schwanden ob Sigriswil (BE)
  • Adresse: Schwandenstrasse 131, 3657 Schwanden ob Sigriswil
  • Öffentliche Führungen: jeweils freitags

Sternwarte Simplon-Adler, Simplon (VS)

Schweizer Sternwarten: Hier kommt man den Sternen zum Greifen nah
Sternwarte Simplon-Adler, Simplon (VS)
  • Koordinaten: 46.242469 N / 8.021374 O
  • Öffentliche Führungen: gemäss Jahresprogramm

Sternwarte Schafmatt, Oltingen (BL)

Schweizer Sternwarten: Hier kommt man den Sternen zum Greifen nah
Sternwarte Schafmatt, Oltingen (BL)
  • Koordinaten: 47.420240 N / 7.950833 O
  • Öffentliche Führungen: jeweils freitags

Observatoire d'Épendes, Épendes (FR)

Schweizer Sternwarten: Hier kommt man den Sternen zum Greifen nah
Observatoire d'Épendes, Épendes (FR)
  • Adresse: Route du Petit-Épendes 45, 1731 Épendes (FR)
  • Öffentliche Führungen: jeweils freitags

Es empfiehlt sich, beim Hin- und Rückweg rote Lampen zu verwenden. Weisses Licht blendet die Augen und es dauert eine Weile, bis sie sich wieder an die Dunkelheit gewöhnt haben. Diesen Effekt hat rotes Licht nicht. Weitere Auskunft zur Anreise und den öffentlichen Führungen finden Interessierte auf den jeweiligen Websites der Sternwarten.

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