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«Wir sammeln nur, was wir zu 100 Prozent kennen»
Vanessa und Norman Glatzer sind täglich draussen unterwegs. Auf ihrem YouTube-Kanal «Buschfunkistan» berichten sie von ihren Abenteuern im Reich der Pilze und Kräuter, präsentieren Superfood vor der Haustür und verknüpfen Sinnlichkeit mit Wissenschaft.
Was hat Ihre Begeisterung für Pilze und Wildkräuter entfacht?
Vanessa: Wir waren immer gerne und viel in der Natur unterwegs. Eines Tages standen wir im Schwarzwald plötzlich vor einem Pilz mit einem wildlederartigen Hut, roten Röhren und einem gelben Stiel mit kleinen roten Punkten. Dort, wo wir ihn berührten, verfärbte er sich ins Blaue. Das faszinierte uns unglaublich. Wir bestimmten ihn gleich im Wald und fanden heraus: Das ist der Flockenstielige Hexenröhrling. Später haben wir ihn gekocht und gegessen. Uns wurde in diesem Moment bewusst: Wir lieben die Natur, kennen sie aber kaum. Das wollten wir ändern. Später fingen wir an, Videos von unseren Touren und Entdeckungen zu machen. Dabei stellten wir fest: Andere interessieren sich sehr dafür, was wir tun. Dank der Rückfragen aus unserer Community vertiefen wir laufend unser Wissen, lesen Studien, wälzen Fachliteratur und sind im Feld unterwegs.
Was fasziniert Sie an dieser Tätigkeit?
Norman: Das Suchen und Sammeln liegt in der Natur von uns Menschen – seit Jahrtausenden. Auch ein gewisser Nervenkitzel ist mit im Spiel. Ganz zu schweigen von der sinnlichen Erfahrung. Wir stossen auf so viele Gerüche, Geschmäcker, Formen und Farben. Langfristig verändert sich auch das Bewusstsein: Je mehr Arten ich kenne, desto mehr nehme ich wahr. Ohne dieses Wissen würde ich vermutlich einfach an speziellen Pflanzen vorbeigehen.
Was möchten Sie den Zuschauerinnen und Zuschauern vermitteln, wenn Sie auf YouTube über Pilze, Kräuter und die Natur berichten?
Vanessa: Ganz zu Beginn vor sieben Jahren wollten wir einfach unser Hobby mit anderen teilen. Weil wir sehr viel Zeit draussen verbringen und uns mit ökologischen Zusammenhängen auseinandersetzen, sehen wir auch die vielen Probleme, mit denen die Natur ringt, wie zum Beispiel dem massiven Rückgang der Biodiversität. Die meisten Menschen engagieren sich erst für etwas, wenn sie für sich selbst die positiven Seiten entdecken. Deshalb legen wir in unseren Videos grossen Wert auf kulinarische und sinnliche Aspekte, aber auch auf Humor. Viele wachsen heute ohne oder entfremdet von der Natur auf. Dem möchten wir entgegenwirken, indem wir Begeisterung wecken. Denn: Nur was wir kennen und schätzen, schützen wir. Wenn eine Pflanze ausstirbt, wirkt sich dieser Verlust auch auf die Menschen aus. Vielleicht hätten ihre Inhaltsstoffe für uns einen potenziellen Nutzen gehabt – beispielsweise als Wirkstoff in einem Medikament.
Auf Ihren Erkundungstouren stossen Sie oft auch auf Skurriles und Unbekanntes. Hat es in der Vergangenheit Fehlgriffe mit unliebsamem Ausgang gegeben?
Norman: Nein. Wir sind sehr vorsichtig und haben uns noch nie vergiftet. Nur was wir zu hundert Prozent kennen, sammeln wir. Neunzig Prozent reichen nicht. Mittlerweile fällt uns das Bestimmen leicht. Bei Restzweifeln jedoch vertiefen wir unser Wissen so lange, bis wir uns absolut sicher sind. Auch der Standort ist beim Sammeln von grossem Belang: An Strassenrändern beispielsweise sind die Belastungen mit Schwermetallen in der Regel hoch – hier sollte man weder Pilze noch Kräuter pflücken.
Gibt es eine Pilz- oder Kräuterentdeckung, die Ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist?
Norman: Sehr viele. Letztes Jahr waren wir in den Alpen unterwegs und haben zum ersten Mal den duftenden Afterleistling angetroffen. Mit einer Grösse von einem Zentimeter ist er ein Winzling und vielerorts vom Aussterben bedroht. Er benötigt nährstoffarme Böden, wie es sie fast nur noch in den Alpen gibt. Der unscheinbare Pilz mit seinem komischen Namen hat uns verblüfft, weil er einen unfassbar starken Erdbeerduft absondert. Fruchtig und aromatisch. Das werde ich nie vergessen.
Welche Fehler beobachten Sie häufig bei Menschen, die mit dem Sammeln von Pilzen oder Wildkräutern beginnen?
Norman: Bei Pilzen wird oft zu viel und zu Altes gesammelt. Viele glauben, dass sehr grosse und alte Exemplare grossartige Funde sind. Pilze sollten jedoch knackig und fest sein und keine schimmligen, matschigen Stellen aufweisen, sonst droht eine Lebensmittelvergiftung. Ein weiterer Fehler, den viele begehen: Sie wünschen sich zu sehr, etwas Spezielles zu finden. Weil sie dann auf den gesuchten Pilz fixiert sind, übersehen sie wichtige Unterschiede zu einer anderen Art.
Vanessa: Viele Menschen haben überdies Schwierigkeiten, die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen. Statt subito Pilze zu sammeln, empfiehlt es sich, alle Merkmale zu ergründen und Schritt für Schritt dazuzulernen. Ein weiterer Klassiker: Wenn besonders viele Pilze beieinanderstehen, wird nicht jedes einzelne Exemplar genau untersucht. Ist jedoch nur einer davon giftig, kann das Pilzgericht zu irreparablen Gesundheitsschäden führen.
Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Informationen fachlich korrekt und verlässlich sind?
Vanessa: Wir waren am Anfang keine Experten und haben uns in den letzten sieben Jahren das meiste autodidaktisch beigebracht. Was wir tun, lässt sich nicht an der Uni studieren, zumal wir in Disziplinen wie Biologie, Medizin und Geschichte unterwegs sind. Unser Wissen vertiefen wir kontinuierlich; wir lesen laufend neue Studien und haben mittlerweile mehrere Bücher publiziert. Lernen tun wir aber auch dank unserer Community, da wir viel Feedback von Fachleuten wie Drogistinnen, Chemikern oder Biologinnen zu unserem Content erhalten.
Der ultimative Tipp für Anfänger?
Norman: Es lohnt sich, viel Zeit draussen zu verbringen, Praxiskurse zu besuchen und Arten zu bestimmen. Am besten ist es, wenn man direkt Pflanzen und Pilze vor sich hat, daran riechen und sie von allen Seiten ansehen kann. Auch Nachschlagewerke für Anfänger sind eine gute Sache. Zum Einstieg ist es überdies sinnvoll, sich erst einmal auf eine kleine Anzahl von Arten zu beschränken und sich Gattungsmerkmale nach und nach einzuprägen.
Die TierWelt verlost 3 x 2 Tickets für die EXPLORA-LIVE-SHOW «Pilze und Kräuter»Ab dem 8. November 2026 sind Vanessa und Norman Glatzer auf Live-Tournee in der Schweiz zu erleben.
Infos und Tickets auf explora.ch.
Wettbewerbsfrage:
Welche Geschmacksnote hat laut Vanessa und Norman Glatzer das Wildkraut «Giersch»?
Tipp: Die Lösung finden Sie auf der Explora-Website.
So sind Sie dabei:
Senden Sie eine E-Mail mit der Lösung und dem Vermerk «Pilze und Kräuter» sowie Ihrem Wunschtermin an: kontakt(at)tierwelt.ch
Teilnahmeschluss: 15. Oktober 2026
Die Gewinnerinnen oder Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Keine Barauszahlung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeitende der Schweizer Agrarmedien AG sind nicht teilnahmeberechtigt.
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