ABO

Vielfältige tierische Mitbewohner – Tipps zur Förderung nützlicher Wildtiere rund um Haus und Garten

Sie zahlen zwar keine Miete, leben jedoch trotzdem im und am Haus: Tiere, die Dächer und Fassaden ihr Zuhause nennen. Dank wenigen Schritten klappt ein friedliches Miteinander.

Wer an tierische Mitbewohner denkt, hat nebst Haustieren meist Mäuse, Marder oder Spinnen vor Augen. Diese meist als lästig angesehenen Gäste wünschen sich die wenigsten im Haus – sei es, weil sie Vorräte anknabbern, Kot hinterlassen, Isolierungen beschädigen oder schlicht als eklig oder gruselig gelten. Doch manche Tiere machen weder Lärm noch Dreck, erweisen sich als überaus nützlich oder zumindest nicht als störend. Statt sie zu vergrämen, setzen daher immer mehr Hausbesitzer auf eine gezielte Förderung der wilden Nachbarn.

Hausrotschwanz

Die ursprünglichen Bewohner felsiger Landschaften fühlen sich in Dörfern und Städten pudelwohl. Nach ihrer Rückkehr aus den südlichen Überwinterungsgebieten im März bauen sie ihre Nester auf Balken und Trägern von Dächern, Balkonen sowie in Mauernischen. Als Halbhöhlenbrüter nutzen sie gerne zur Verfügung gestellte Nischen und Bretter von ca. 15 cm Breite und 30 cm Tiefe. Nistkästen verfügen idealerweise über einen erweiterten Brutraum und einen Einsatz zum Schutz vor Nesträubern. Unter den Nestern findet man – abgesehen von einzelnen Kotflecken, die der Regen mit der Zeit abwäscht, sowie etwas heruntergefallenem Moos oder einzelnen Grashalmen – meist keine Spuren.

Nebst einer geeigneten Behausung darf nicht vergessen werden, dass die Elternvögel sich selbst und ihre Brut mit Insekten versorgen müssen. Natur- und Kiesflächen mit wenig Vegetation bieten gute Möglichkeiten für die Jagd auf Insekten und Spinnen. Ein naturnaher Garten fördert zudem allgemein die Biodiversität und das Vorkommen geeigneter Beutetiere.

Vielfältige tierische Mitbewohner – Tipps zur Förderung nützlicher Wildtiere rund um Haus und Garten
Der Hausrotschwanz braucht eine insektenreiche Nachbarschaft.

Hausspatz

Spatzen gehören zu den häufigsten Brutvögeln der Schweiz. Die cleveren Tiere wissen, wo sie beim Menschen Futter finden, und zeigen oft wenig Scheu. Ihre Nester bauen sie gerne in Nischen und Hohlräumen, etwa in Rollladenkästen, unter Ziegeln oder in Schlupflöchern in der Fassade. Gut zu wissen: Spatzen beschädigen die Bausubstanz nicht. Sie reissen kein Isolationsmaterial heraus und schaben keinen Verputz ab. Bestehende Spatzennistplätze dürfen also gerne er-halten werden, ohne dass sich für den Hausbesitzerdadurch ein Nachteil ergibt. Ein Kotbrett unter den Nestern verhindert, dass Fensterbretter und Gehwege verschmutzt werden. Wer Nistkästen anschaffen möchte, greift am besten zu solchen mit mehreren Kammern, da Spatzen bevorzugt in Gruppen brüten. Spatzennistkästen werden auch gerne von anderen Vögeln wie Kohlmeisen, Blaumeisen oder Sumpfmeisen genutzt.

Vielfältige tierische Mitbewohner – Tipps zur Förderung nützlicher Wildtiere rund um Haus und Garten
Hausspatzen fühlen sich in der Nähe des Menschen wohl.

Wildbienen

Von den rund 600 Wildbienenarten nutzen nur wenige Gebäude, um ihre Nester zu bauen. Mit Schilf gedeckte oder aus Lehm gebaute Häuser sind bei einigen Arten jedoch durchaus beliebt. Sie nutzen vorhandene Röhren, um ihre Brut abzulegen und zu versorgen, oder bauen die benötigten Tunnel selbst. Angst vor Stichen muss man meist nicht haben: Wildbienen sind in der Regel völlig harmlos.

Wildbienen unterstützt man am besten durch das Anbieten geeigneter Nisthilfen (sogenannte Wildbienen- oder Insektenhotels). Dabei müssen die Brutröhren mindestens 15–20 cm lang sein, was nur die wenigsten kommerziell erhältlichen Produkte erfüllen. Bauanleitungen für bessere Wildbienennisthilfen findet man online bei verschiedenen Naturschutzorganisationen. Nebst geeigneten Brutstätten brauchen Wildbienen zudem ein breites Nahrungsangebot. Lippenblütler wie Salbei, Thymian oder Minze sowie Korbblütler wie Schafgarbe, Korn- und Flockenblumen sind besonders beliebt und lassen sich einfach in jedem Garten oder sogar auf dem Balkon anpflanzen.

Vielfältige tierische Mitbewohner – Tipps zur Förderung nützlicher Wildtiere rund um Haus und Garten
Auch am Haus lassen sich Wildbienen gezielt fördern.

Fledermäuse

Von den 30 Fledermausarten in der Schweiz nutzen einige gerne menschliche Bauwerke als Unterschlupf oder gar als Ort, um ihre Jungen grosszuziehen (sogenannte Wochenstuben). Zwergfledermäuse gehören dabei zu den häufigsten Bewohnern von Häusern. Sie kriechen in enge Spalten, hinter Dachbalken oder zwischen Mauer und Dach und gehen des Nachts draussen auf die Jagd nach Insekten. Andere Fledermäuse wie Mausohren oder die seltenen Hufeisennasen hängen frei an Ziegellatten und Balken auf dem Dachboden.

Alle Fledermäuse sind streng geschützt, und gerade Wochenstuben sind besonders empfindlich gegenüber Störungen. Während Fledermäuse die Bausubstanz nicht beschädigen und zum Beispiel kein Isolationsmaterial herausreissen, hinterlassen sie unter ihren Quartieren Kot. Dieser lässt sich jedoch meist problemlos zusammenwischen und ergibt hervorragenden Dünger für den Garten.

Will man den eigenen Dachstock sanieren oder für Fledermäuse herrichten, sind Experten gefragt. Fachleute finden die richtige Lösung für jede Fledermausart. Arten, welche Spalten nutzen, kann man durch Spaltenquartiere unterstützen. Solche Fledermauskästen gibt es in allen Formen und Farben – von bunt bis unauffällig. Unter fledermausschutz.ch sind die bewährtesten Modelle und deren Händler aufgeführt.

Vielfältige tierische Mitbewohner – Tipps zur Förderung nützlicher Wildtiere rund um Haus und Garten
Fledermäuse nutzen spezielle Fledermauskästen als Schlafplatz.

Vorsicht, Falle!

Unbeabsichtigt können viele Bereiche rund ums Haus zur tödlichen Falle für Wildtiere werden. Vögel fliegen gegen Glasscheiben, Kröten vertrocknen in Lichtschächten und Igel bleiben in Netzen hängen. Dank einfachen Massnahmen lässt sich das Risiko für Tiere jedoch reduzieren:

Glas: Kollisionen mit transparenten oder spiegelnden Scheiben lassen sich durch das Anbringen von Glasmarkierungen vermeiden. Die gängigen Vogelsilhouetten bringen dabei jedoch nichts. Stattdessen helfen vertikale Streifen oder Punktmuster mit einem maximalen Abstand von10 cm. Behelfsmässig können auch weisse Vorhänge oder Lamellen dazu beitragen, Kollisionen zu vermeiden.

Schächte und Treppen: Lichtschächte und Kellertreppen werden schnell zur Falle für kleine Tiere wie Molche, Mäuse und Kröten, da sie keine Möglichkeit haben, herauszuklettern. Lichtschächte lassen sich nachträglich mit einem feinmaschigen Gitter sichern, durch das kein Tier fallen kann. Ein Brett an der Seite von Kellertreppen im Aussenbereich oder ein zusätzlicher flacher Ziegelstein auf jeder Stufe dient als Ausstiegshilfe für Kleintiere.

Schornsteine: Vögel, die in Schornsteine fallen, finden kaum wieder heraus und gehen elendig zugrunde. Mit geeigneten Schornsteinhüten oder entfernbaren Aufsätzen lassen sich diese Todesfallen entschärfen. Schornsteinfeger helfen bei der Auswahl der geeigneten Methode und beim Anbringen der Massnahme.

Netze: Reb- und Beerennetze sollen Vögel davon abhalten, sich an den reifen Früchten zu bedienen. Damit sich die Tiere darin nicht verfangen können, sollten die Netze unten geschlossen werden. Um das Risiko für Igel, sich in Netzen zu verheddern, zu reduzieren, sollten die untersten 20 cm netzfrei bleiben. Auch Netze über Beeten sollten erst in einer Höhe von 20 cm über dem Boden aufgespannt werden.

Weiterlesen