Katzen zählen zu den beliebtesten Haustieren der Schweiz. Laut der Tierschutzorganisation NetAP leben über zwei Millionen Samtpfoten in der Schweiz – Tendenz steigend. Denn gemäss der Institution sind davon nur 53 Prozent kastriert. Die Folge sind zahlreiche halterlose Tiere: Laut dem Schweizer Tierschutz (STS) leben über 220'000 Streunerkatzen in der Schweiz, die unter Hunger, Krankheiten, Parasiten und fehlender tierärztlicher Versorgung leiden, sich weiterhin unkontrolliert vermehren und für überfüllte Tierheime sorgen.

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Die Menge an Streunerkatzen gab am 21. September auch in Bundesbern zu reden – einmal mehr. Der Nationalrat stimmte über die Motion «Stopp der übermässigen Vermehrung von Streunerkatzen» ab, die von der Zürcher Nationalrätin Meret Schneider Ende 2024 eingereicht wurde. Die Grünen-Politikerin forderte darin eine Kastrationspflicht für Freigänger, um deren unkontrollierte Vermehrung einzudämmen. Eine Ausnahme wollte Schneider jedoch für Katzen auf Landwirtschaftsbetrieben: Da Bäuerinnen und Bauern diese Tiere oft zur Schädlingsbekämpfung halten, würde die Kastrationspflicht für sie erst nach dem ersten Wurf gelten.

Das Resultat der Abstimmung fiel deutlich aus: Mit 111 zu 76 Stimmen bei sieben Enthaltungen lehnte der Nationalrat die Motion ab – und sorgte damit in Tierschutzkreisen für Kopfschütteln.

NetAP: «Und weiter geht das Katzenelend»

Die Tierschutzorganisation NetAP kritisiert den Entscheid des Nationalrats scharf. «Niemand sprach sich dafür aus, das Katzenelend endlich mit einer nachhaltigen und tiergerechten Lösung anzupacken», schreibt die Institution in einer Mitteilung. Es fühle sich wie ein Déjà-vu an: wie 2019, als eine entsprechende Petition verworfen wurde, und wie 2020, als eine ähnliche Motion der ehemaligen FDP-Nationalrätin Doris Fiala nur gerade bei 19 Ratsmitgliedern Anklang fand.

Zwar hätten sich dieses Mal immerhin 76 Ratsmitglieder für eine Kastrationspflicht ausgesprochen, so NetAP. Die Organisation betont aber: «Vor allem die politische Mitte bis rechts zeigte klar und deutlich, dass sie das Katzenelend kalt lässt.» Laut der Tierschutzorganisation habe Elisabeth Baume-Schneider als Vertreterin des Bundesrats beantragt, die Forderung abzulehnen, da «viele Katzen bereits kastriert oder sterilisiert sind». NetAP indes verwies auf die 53 Prozent unkastrierten Katzen und einfachste Mathematik, die «für eine unaufhaltsam wachsende Überpopulation und damit für sehr viel weiteres unnötiges Leid» sorgen werde.

NetAP führt in verschiedenen Ländern Kastrationsaktionen durch. Alleine dieses Jahr seien es in der Schweiz 114 Fälle mit bis zu 50 Katzen pro Fall gewesen. Nebst der eigentlichen Kastrationstätigkeit von Hofkatzen und halterlosen Katzen mussten für fast 500 Katzen weiterführende Behandlungen und anschliessend neue Plätze organisiert werden. Präsidentin Esther Geisser betont: «Die letzten Monate haben uns alles abverlangt.»

Geisser zeigt sich überzeugt, dass nur eine ausdrückliche Kastrationspflicht das Problem bei der Wurzel packen und langfristig für eine Stagnation sorgen könne. Lösungen auf kantonaler Ebene zeigten zwar das bestehende Bedürfnis, stiessen aber oft auf Grenzen. Eine nationale Regelung sorge hingegen für mehr Rechtssicherheit und eine koordinierte und nachhaltige Problembekämpfung.

Wie es nun weitergeht, weiss Geisser nicht. Die Leidtragenden seien die Katzen als schwächstes Glied in der Kette. «Sie können sich nicht gegen die Gleichgültigkeit der Politiker wehren. Also werden wir wie bisher weitermachen müssen.»