Endlich eine eigene Wohnung, endlich mehr Entscheidungsfreiheiten. Nun fehlt für das perfekte Glück nur noch das eigene Haustier. Doch dann die grosse Ernüchterung: Vom Tierheim kommt eine Absage. Die Wohnung sei zu nahe an einer stark befahrenen Strasse, um einen Freigänger zu adoptieren, lautet die Antwort. Zu gross sei die Gefahr, dass sich die gewünschte Katze verschätze und unter die Räder komme. Denn ihr bisheriges Revier lag in einer 30er-Zone, wo die Autos weniger schnell um die Ecke kamen.
Steht nun bereits der nächste Umzug bevor? Das müsse nicht sein, beruhigt Astrid Becker. Die Präsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins hat schon viele solche Gespräche erlebt. «Nicht alle verstehen es», weiss sie. «Wenn ich aber frage, ob sie sich auch Wohnungskatzen vorstellen könnten, zeigen sich viele offen.» Probleme bei der Vermittlung habe sie deshalb nicht. Denn auf der Warteliste befinden sich auch genug Wohnungskatzen. «Am schwierigsten zu vermitteln sind die scheuen Katzen von Kastrationsaktionen auf Bauernhöfen», erzählt die Tierschützerin. Sie versteht, dass die meisten Leute lieber ein Tier adoptieren, das von sich aus auf den Schoss hüpft und total verschmust ist. «Bei den sehr scheuen Katzen kann es Monate dauern, bis sie sich nicht mehr verkriechen», erklärt Becker. Das brauche einerseits Geduld, andererseits sei auch die Gefahr grösser, dass die Katze Reissaus nehme.
Zwei solch scheue Katzen seien im vergangenen Jahr wieder zurück ins Heim gebracht worden. Allerdings waren das laut Becker die einzigen Fälle bei über 200 Vermittlungen im letzten Jahr. Mit dieser Bilanz ist sie zufrieden. Hat sich das strenge Auswahlverfahren also gelohnt? «Wir finden schon», so die Präsidentin. «Die Leute müssen verstehen, dass wir es nicht böse meinen mit ihnen, sondern unser Möglichstes versuchen, damit Tier und Mensch zufrieden sind.»
Damit dies so oft wie möglich funktioniert, werde jeder Fall individuell angeschaut. «Auch bei Senioren, die eine Katze adoptieren wollen, sagen wir nicht per se ab», meint die Tierschützerin. Entscheidend sei hier ein gutes Umfeld, das ab und zu nach dem Wohlbefinden der Zwei- und Vierbeiner schaue.
Was in allen Generationen von vielen unterschätzt werde, sei der zeitliche und finanzielle Aufwand, den Haustiere mit sich bringen. «Nicht alle denken daran, dass eine Katze 20 Jahre alt werden kann, dass sie vielleicht mal krank wird oder man auf Ferien verzichten muss, weil sich nicht jede Katze in einer Pension wohlfühlt», betont Astrid Becker. «Es ist wichtig, dass man sich dieser Verantwortung bewusst ist.»

