Algentransplantation im kahlen Riff

Australische Forscher haben der Natur nachgeholfen, sich selbst zu helfen. Sie haben Algen an ein Riff transplantiert, die dort seit Jahrzehnten verschwunden waren und sich ohne Hilfe nicht erholt hätten.

Immer wieder wird von den grossen Korallenriffen vor der Küste Australiens berichtet. Diese farbenprächtigen Habitate einer Vielzahl von Meerestieren ziehen nicht nur Taucher an, sondern sind auch für das Ökosystem im Meer wichtig. Doch eine ähnlich grosse Bedeutung für die Unterwasserwelt haben die – zugegebenermassen eher unscheinbaren – Braunalgen.

Nach jahrzehntelanger Zerstörung der Natur vor der Küste Sydneys wurde in den 1990er-Jahren eine Umweltfreundlichere Infrastruktur eingerichtet. Abwasser wird seither zwar noch immer ins Meer gepumpt, doch nun schwappt es nicht mehr in das fragile und seichte Riff, sondern wird in grössere Meerestiefen geleitet. Zu spät für die Braunalge Phyllospora comosa. Die Alge war in den zerstörten Buchten Long Bay und Cape Banks seit Jahrzehnten nicht mehr vertreten und damit auch viele Fische nicht, die auf die Unterwasserpflanzen angewiesen sind. Auch nach der Verbesserung der Wasserqualität in den 90ern kehrten die Algen nicht in die Buchten zurück.

Die «Bäume des Ozeans»
Nun haben australische Wissenschaftler die Initiative ergriffen: Ein Forscherteam um Alexandra Campbell von der University of New South Wales wollten eine Wiederansiedlung der Algen durchführen. «Algen sind die ‹Bäume› des Ozeans. Sie bieten anderen Meeresorganismen Schutz, Futter und ein Habitat», erklärt Campbell.

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In voller Tauchmontur sind die Forscher in Sydneys Buchten gestiegen und haben Algen gepflückt, dort, wo sie noch wachsen und sie dort wieder angepflanzt, wo sie ausgestorben waren. Und die Transplantation hat funktioniert: «Die Algen haben nicht nur überlebt, sie haben sich auch erfolgreich fortgepflanzt», sagt Campbell. Dies mache grosse Hoffnung auf eine selbsterhaltende Population.

Die Ergebnisse der Studie rund um die Algentransplantation haben die Forscher im Fachjournal «PLOS ONE» veröffentlicht. Ganz uneigennützig ist die Wissenschaft indes nie. Die geglückte Wiedereinführung von Phyllospora comosa helfe nicht nur der Natur, die sich in den zuvor kahlen Buchten wieder erholen kann, sondern auch der Gesellschaft: Uni-Professor Peter Steinberg denkt an die Hobby-Angler, die künftig wieder fettere Beute am Haken haben könnten.

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