Schweizer Bauern gehören zu den Ersten, welche die direkten Auswirkungen der veränderten Wetterbedingungen zu spüren bekommen. Durch die steigenden Temperaturen und zunehmend längeren Vegetationszeiten können neue Kulturen wie Soja, Süsskartoffeln und Reis auch in der Schweiz angebaut werden. Insgesamt überwiegen jedoch die negativen Konsequenzen: Milde Winter sind ungünstig für das Wintergetreide, da dieses auf ausreichend lange Kälteperioden angewiesen ist. Erhöhte Trockenperioden führen zu Ertragseinbussen, insbesondere bei Grünlanderträgen. In trockenen Sommern können so bis zu 25 Prozent der gesamtschweizerischen Raufutterproduktion verloren gehen, wie eine Analyse von Agroscope und dem Schweizer Bauernverband zeigt. Ebenso begünstigen mildere Winter die Vermehrung von Schädlingen und Krankheiten, während häufigere Spätfröste, Starkregen und Hagelschäden Ernteverluste steigern. Der Schädlings- und Krankheitsdruck macht die Landwirtschaft zudem anspruchsvoller. Der Druck, Pflanzenzüchtungen an die neuen Herausforderungen anzupassen und effizientere Bewässerungssysteme zu finden, ist mittlerweile allgegenwärtig.
Gleichzeitig ist die Landwirtschaft auch Treiber des Klimawandels, denn sie ist für einen signifikanten Anteil an klimarelevanten Emissionen verantwortlich. In der Schweiz hat die Landwirtschaft laut des Bundesamts für Umwelt (Bafu) aktuell einen Anteil von 13,3 Prozent an den gesamten Treibhausgasemissionen. Das entspricht einer Gesamtmenge von rund 6,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten (CO2eq). Dieser Ausstoss ist denn auch nach Verkehr, Industrie und Haushalten der vierthöchste. Mit anderen Worten: Werden Wiesen in Äcker umgewandelt oder der Landwirt wirtschaftet den Humusgehalt seines Bodens herunter, dann wird CO2 freigesetzt. Frisst dann eine Kuh Futter von einem trockengelegten Boden, hat ein Liter ihrer Milch die gleiche Klimabilanz wie zwei Liter Erdöl, rechnet der Bayerische Rundfunk vor.
Dabei hat CO₂ nicht einmal den grössten Anteil der landwirtschaftlichen Gesamtemissionen. CO₂ entsteht durch die Verbrennung von Treibstoffen oder durch die Kalk- und Harnstoffdüngung. Insgesamt macht dies rund 22 Prozent der Gesamtemissionen aus. Viel stärker schlägt Methan (CH4) zu Buche, das während der Fermentationsprozesse im Magen von Wiederkäuern gebildet wird und mehr als 45 Prozent der Emissionen ausmacht. Das verbleibende Drittel stammt von Lachgas (N2O), das aus den Böden freigesetzt wird. Es tritt durch biologische Abbauprozesse wie Handelsdünger, Hofdünger, Erntereste und Ähnliches auf. Aufgrund ihrer Vielfalt und Komplexität gelten die in der Landwirtschaft entstehenden Emissionen doch, als sehr schwierig zu vermeiden.
Emissionswert stagniert
Dennoch hatte der Sektor Fortschritte gemacht. In der 1990er-Jahren konnten die Treibhausgasemissionen um rund 10 Prozent reduziert werden. Der tiefste Wert wurde 2004 erzielt, was am damaligen Rückgang des Rindviehbestandes und des Einsatzes von Stickstoffdüngemitteln lag. Seitdem verharrt der Emissionswert jedoch trotz verschiedener staatlicher Massnahmen auf einem gleichbleibenden Niveau. Auch auf internationaler Ebene ist es nicht anders: Zwischen 2003/05 und 2013/15 verzeichneten alle Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) jährlich einen durchschnittlichen Anstieg der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft um 0,2 Prozent (OECD 2019).
Darauf reagierte der Bundesrat dann auch im Sommer 2019. Das Ziel: eine ausgeglichene Treibhausbilanz bis 2050. Dieses Netto-Null-Ziel wurde folglich im «Klima- und Innovationsgesetz» verankert, das in der Volksabstimmung vom 18. Juni 2023 mit 59,1 Prozent Ja-Stimmenanteil angenommen wurde. Ab 2050 soll die Schweiz also nicht mehr Treibhausgase in die Atmosphäre ausstossen, als durch natürliche und technische Speicher aufgenommen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind nicht nur umfassende Emissionsreduktionen im Gebäudebereich, Verkehr und in der Industrie erforderlich. Auch die Schweizer Bauern haben sich dazu verpflichtet, ihre Emissionen um ein Drittel zu reduzieren.
Unterstützung findet die Schweizer Landwirtschaft bei vielen Initiativen für Klimaschutzmassnahmen von Agroscope oder Agro Clean Tech. Zudem haben auch Produzentenorganisationen wie Aaremilch und IP-Suisse spezifische Programme ins Leben gerufen, an denen Betriebe auf freiwilliger Basis teilnehmen können. Agroscope erforscht unter anderem den Einsatz von Futterzusätzen, die Implementierung von Agroforstsystemen sowie die Verbesserung der Bewässerungseffizienz. Als «Wasserschloss Europas» bekannt, wird die Schweiz nicht von den Herausforderungen der Trockenheit und von Ertragsverlusten in der Landwirtschaft verschont. Klimamodelle deuten darauf hin, dass Ereignisse wie die historischen Trockenperioden von 2003, 2015 und 2018 in Zukunft häufiger und intensiver auftreten könnten. Dadurch könnte auch der Bedarf an Bewässerung bis zum Ende dieses Jahrhunderts um bis zu 40 Prozent ansteigen. Der Wert könnte gar auf 80 Prozent steigen, wenn sich eine verlängerte Anbauperiode realisieren liesse.
Wasser effizienter nutzen
Die Problematik der Trockenheit hat der Schweizer Bauernverband (SBV) aufgegriffen: 34 Prozent der bäuerlichen Haushalte sind laut SBV von Trockenheit betroffen. Rund 36 Prozent der Betriebe haben zwar eigene Wasserquellen, doch nur die wenigsten sind auch an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. Die Kosten für den Wassertransport gefährden daher diese Betriebe, sobald grosse Wassermengen benötigt werden. Regenwasser für die Tiertränke in trockenen Sommern zu sammeln, könnte laut SBV Kosten sparen, eine effiziente Nachtbewässerung der Felder wiederum die Wasserverdunstung und die Belastung der Kulturen minimieren. Besonders effizient ist die Tropfbewässerung, allerdings ist diese auch kostenintensiv. Schon jetzt etablieren Landwirte daher Bewässerungsgenossenschaften und realisieren gemeinschaftliche Bewässerungsprojekte. Trotz vieler möglicher Massnahmen zur Steigerung der Wasser- und Nährstoffretention, ist dennoch unklar, inwieweit diese zukünftigen Klimaveränderungen werden trotzen können.
Einsparmöglichkeiten
Agroscope arbeitet zudem an der Entwicklung von ressourceneffizienten und standortangepassten Anbaumethoden sowie Produktionssystemen für den Ackerbau und spezielle Kulturpflanzen. Darüber hinaus engagiert sich Agroscope in der Züchtung und Erprobung robuster, marktfähiger Sorten. Meist zielen diese Projekte auf eine effizientere Produktion grösserer Mengen ab. So existieren bereits verschiedene Projekte im Bereich der Tierhaltung, die klimapositive Ergebnisse versprechen: Die Steigerung der Lebenstagesleistungen bei Milch- und Mutterkühen durch Züchtung würde sich positiv auf die Klimabilanz auswirken. Futtermittelergänzungen wie Leinsamen können die Methanbildung hemmen. Das verbleibende Methan kann durch die Vergärung von Tiermist und Gülle in Biogasanlagen für die Stromerzeugung gut genutzt werden. In der Landwirtschaft wiederum können nitrifikationshemmende Dünger oder präzisere Düngemethoden die Lachgasemissionen reduzieren. Besonders grosses Potenzial haben Anbausysteme, die Humus im Boden aufbauen und langfristig CO2 aus der Atmosphäre binden, wie zum Beispiel Agroforstsysteme, die Gehölze und Nutzpflanzen kombinieren. Auch dauerhafte Bodenbedeckungen durch Gründüngung und das Einbringen von Pflanzenresten und Zwischenfrüchten unterstützen erfolgreich den Humusaufbau. Die landwirtschaftliche Produktion reagiert letztlich aber vor allem auf die Nachfrage des Marktes. Das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten ist daher nicht minder wichtig, da es die grundlegenden Antriebskräfte der Emissionen ist. Den Tierbestand aufgrund des Methanausstosses zu verringern und anstelle dessen importiertes Fleisch zu konsumieren, reduziert zwar die Emissionen im eigenen Land, verlagert das Problem jedoch nur ins Ausland. Einiges mehr können Konsumenten durch lokale und saisonale Einkäufe sowie Lebensmittelvermeidung tun. Ob wirklich eine klimaneutrale Landwirtschaft möglich ist, werden die nächsten 20 Jahre zeigen.
Die höchsten Treibhausgaseinsparungen
Je nach Massnahme variiert die Höhe der Treibhausgaseinsparung pro Betrieb von wenigen Kilogramm eingesparten CO₂-Äquivalenten bis hin zu mehreren Tonnen. Besonders erfolgreich:
- Agroforstsysteme
- Ausbringung von Pflanzenkohle auf das Feld
- Gründüngung
- Leinsamen als Futterzusatz
Quelle: Furrer et al., 2021
Mögliche Massnahmen der Tierhaltung zur Verringerung von Triebhausgasemissionen
Die Gesamtemission der Schweizer Landwirtschaft konnte trotz dieser und anderer Massnahmen in den letzten Jahren nicht wesentlich gesenkt werden.
Fütterung: Der Ausstoss an NH3 kann durch Phasenfütterung oder sogenannte NPr-Fütterung bei Schweinen und Geflügel verringert werden. Beim Rindvieh hilft ein ausgewogenes Energie-Protein-Verhältnis.
Futterzusätze: Tannine und Leinsamen hemmen die CH4-Emissionen bei Milchkühen um jeweils 16 Prozent.
Züchtungen: Durch spezielle Züchtung auf Effizienz und längere Milchproduktion könnten bis zu 18 Prozent der CH4-Emissionen eingespart werden.
Gülle: Durch das Abdecken der gelagerten Gülle könnten 40 Prozent der CH4-Emissionen und 25 Prozent der NH3-Emissionen eingespart werden. Zudem könnten die Emissionen durch Ansäuerung um jeweils 50 Prozent reduziert werden.
Umstellung: Indem Flächenanteile und Tierbestände entsprechend der Ernährung umverteilt werden, könnten Treibhausgase besonders stark reduziert werden.
Quelle: Bretscher et al., 2018

