Ein neuer Blick auf die Alpen

Der Film «Die Alpen – unsere Berge von oben» entführet den Zuschauer auf unnahbare Gipfel und zeigt, was passiert, wenn der Mensch der Natur ins Handwerk pfuscht. Die «Tierwelt» verlost Kinotickets.

Einmal alles von oben sehen: Gipfelkreuze, Schneegestöber, Freerider auf ihrem Höllenritt ins Tal. Und deren Bergung mit dem Helikopter. Der Film «Die Alpen – unsere Berge von oben» zeigt atemberaubend schöne Aufnahmen, die der «einfache» Wanderer nie sehen könnte. Und er zählt alle Gefahren auf, die in den Bergen lauern, die aber auch die Alpen selbst bedrohen.

«Wenn die Berge zu sehr gekitzelt werden, schütteln sie die Menschen ab», erzählt die Stimme aus dem Off. Damit sind etwa jene gemeint, die auf unmarkierten Pisten den Kick suchen und ihn mit schweren Verletzungen bezahlen. Oder Bergsteiger, die manche Gipfel nie erreichen – zum Beispiel den des Mont Blanc, wo jährlich Menschen zu Tode kommen. «Hier herrschen Bedingungen, für die der Mensch nicht gemacht ist.»

Sogenannte Leichentücher sollen das Gletscherschmelzen verhindern
Wenn die Helikopterkamera über die Alpen schwenkt und die Zeichnung jedes Bergs dokumentiert, so kann man kaum glauben, dass hier einst ein Meer rauschte. Vor rund 50 Millionen Jahren schoben sich die Kontinentalplatten ineinander und schufen das Faltengebirge. Um die Gipfel für jedermann greifbar zu machen, entstanden hier Seilbahnen. Oft unter schwierigen Bedingungen, das Material müssen Piloten per Helikopter anfliegen, vorbei an steilen Felshängen und über Alpweiden, wo ihnen Kabel der Transportseilbahnen in die Wege kommen könnten.

© Columbus Film

Die Bahnen ziehen vor allem Wintersportler in die Berge. Sie treiben den Tourismus an, sorgen so für Wohlstand. Doch gerade in Regionen, wo Skigebiete über Gletscher führen, ist das Einkommen bedroht. Denn die Gletscher schmelzen. In den Alpen gibt es momentan noch 5000 Gletscher – etwa die Hälfte davon könnte schon in den nächsten 20 Jahren verschwinden. Verzweifelt wird versucht, das Eis vor den Sonnenstrahlen zu schützen. Weisse Vliese auf dem Stubaier Gletscher im Tirol prägen das Bild, «manche sagen auch Leichentuch dazu». Doch sie können das Gletschersterben nicht stoppen.

Der Kinofilm zeigt die Alpen von einer Seite, die kaum einer sieht. Einerseits ist da der Flug über tiefe Schluchten, schmale Grate und die Dokumentation zweier Mechaniker, die auf den Rollen einer Seilbahnkabine auf den Berg fahren. Im Freien, in schwindel­erregender Höhe. Andererseits verblüffen Hintergrundgeschichten, die einem bislang kaum bewusst waren. So starben im Ersten Weltkrieg in den Bergen 900 000 Italiener und 800 000 Österreicher, als sie am Monte Piana im Südtirol gegeneinander kämpften. Auch beängstigt die Tatsache, dass das Wasser wegen des Gletscherschmelzens einst knapp werden könnte. Und dann wären da noch Wind und Wetter, die unsere Berge langsam abtragen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: «Die Berge wachsen nach», heisst es.

Die Regisseure benutzten eine vom US-Geheimdienst entwickelte Kamera
Peter Bardehle und Sebastian Lindemann ist ein eindrucksvolles Werk über den Alpenraum gelungen sowie über den Menschen, welcher der Natur zwischendurch ins Handwerk pfuscht. Um die aussergewöhnlichen Bilder einzufangen, benutzten die Filmemacher eine vom US-Geheimdienst entwickelte Cineflex-Kamera. Sie ermöglicht gestochen scharfe Helikopter-Bilder, wie bereits in ihrem vorherigen Werk «Die Nordsee von oben». Obwohl der neue Film (ab heute im Kino) vermutlich auch in kürzerer Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde, vergehen die 94 Filmminuten im Flug. Was bleibt, ist eine Reise durch die Dolomiten, aufs Matterhorn, über den Aletschgletscher. Sowie ein gemischtes Gefühl aus Faszination und Entsetzen.

Weiterlesen