Etikettenschwindel bei Fisch und Meeresfrüchten

Deutsche Forscher haben mittels DNA-Analysen herausgefunden, dass von 118 Fischprodukten 10 Prozent falsch angeschrieben waren. Dies sei mehr als nur ein kommerzieller Betrug am Konsumenten.

Durchgeführt hat die Untersuchung die Meeresbiologin Babett Günther und ihr Team am Senckenberg-Meeresforschungsinstitut in Willhelmshaven in Norddeutschland. «Die ordentliche und exakte Etikettierung von Fischprodukten ist unerlässlich, sagt Günther in einer Mitteilung der Senckenberg-Gesellschaft. «Der Verbraucher soll die Möglichkeit haben, beim Kauf nachhaltige sowie gewissenhafte Entscheidungen zu treffen.»

Die 118 analysierten Fisch- und Meeresfrüchteprodukte – darunter frischer und eingelegter Fisch, Konserven, Tiefkühlprodukte sowie Tiernahrung – stammen aus Supermärkten und von lokalen Fischhändlern aus dem Nordwesten Deutschlands. «Von den untersuchten Proben waren gut 10 Prozent falsch oder irreführend beschriftet», sagt Günther. Überrascht habe sie dabei, dass die Etikettierung in Supermärkten exakter sei als bei den vermeintlichen Profis in den Fischläden.

Die Wissenschaftlerin unterscheidet bei der fehlerhaften Auszeichnung zwei Kategorien: Zum einen Meerestiere, die einer anderen Gattung angehören, zum anderen solche, die derselben Gattung, aber unterschiedlichen Arten zuzuordnen sind. «In Kategorie 1 fällt beispielsweise der Verkauf von Fischen in einem lokalen Fischgeschäft, die als ‹Heilbutt› (Hippoglossus hippoglossus) gekennzeichnet wurden, aber laut unseren DNA-Analysen zur deutlich kostengünstigeren und unbedrohten Gattung des ‹Schwarzen Heilbutts› (Reinhardtius hippoglossoides) gehören.» Im selben Fischgeschäft sei der angebliche Butterfisch als «Buttermakrele» (Lepidocybium flavobrunneum) beschriftet gewesen. Enthalten sei aber ein komplett anderer gewesen: der Ölfisch Ruvettus pretiosus – das Fleisch dieses Fisches ist zwar essbar; die enthaltenen Öle können aber zu Magen-Darm-Beschwerden sowie Krämpfen und Kopfschmerzen führen und muss deswegen extra gekennzeichnet werden. Deshalb könne die falsche Beschriftung auch für Allergiker zum Problem werden.

Methode hat Grenzen
Die Untersuchungsmethode, das sogenannte DNA-Barcoding, habe aber seine Grenzen. So sei es in Produkten mit vielen verschiedenen Zusatzstoffen wie Thunfischpizza oder Katzenfutter schwierig, die verwendeten Fische einer Art zuzuordnen. Ein weiteres Problem sei die ungenaue Bezeichnung von verschiedenen Garnelenarten, die im Verkauf nach deren Grösse, beispielsweise als Riesengarnelen oder Partygarnelen bezeichnet werden. «Hier bräuchten wir erstmal eine ‹Garnelen-Nomenklatur› für den kommerziellen Verkauf, um überhaupt wissen zu können, welche Art gemeint ist. Immerhin fallen theoretisch hunderte Arten unter diese Bezeichnung», erklärt Babett Günther.

Wie die Senkenberg-Gesellschaft weiter schreibt, hätten frühere Studien gezeigt, dass weltweit bis zu 70 Prozent der angebotenen Fische und Meeresfrüchte falsch etikettiert wurden. Laut einer weiteren aktuellen Studie sind es in Europa derzeit durchschnittlich 4,9 Prozent, in Deutschland bis zu 6,2 Prozent. Günther und ihr Team haben ihre Ergebnisse kürzlich im Fachjournal «Science Direct» publiziert.

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