Zwei Monate, 10'000 Kilometer im Campingbus und unzählige Tierbegegnungen. Die unabhängigen Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg haben keine Mühen gescheut, um eine umfassende Dokumentation über Südafrika zu drehen. Das Besondere daran: Sie haben es nicht wie grosse Produktionsfirmen mit professionellen Tierfilmern, sondern eher wie begeisterte Afrikatouristen gemacht. Zumindest kommt es so herüber, was beim Zuschauer für eine hohe Identifikation und Glaubwürdigkeit sorgt.
An Wow-Effekten fehlt es deshalb trotzdem nicht. Beeindruckende Nahaufnahmen einer breiten Palette an Tieren wie Nashörnern, Brillenpinguinen, Giraffen, Elefanten und diversen Raubkatzen lassen die Herzen von Natur- und Tierliebhabern in schwindelerregende Höhen schlagen. Auch die vielseitigen, schier unendlich weiten Landschaften Südafrikas kommen nicht zu kurz. Dabei stechen vor allem die Luftaufnahmen heraus. «Hierfür haben wir uns die Technik einer Drohne zunutze gemacht», sagt Christian Wüstenberg mit stolzer Stimme.
Die filmische Reise beginnt in Kapstadt auf dem Tafelberg und führt entlang der berühmten Garden Route durch die vielen Nationalparks bis nach Durban. Nach Abstechern in die Nachbarländer Lesotho und Swasiland geht es über den riesengrossen Krüger Nationalpark bis in die Metropole Johannesburg. Dazwischen macht das kleine Team an über 50 Stationen Halt.
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Dabei kommen immer wieder aussergewöhnliche Episoden zutage. So darf man Bäuerinnen über die Schulter schauen, die Schilf für Dächer produzieren; eine (illegale) Hanffarm besuchen; eine Diamantenmine entdecken und eine exklusive Tour durch die Labyrinthe eines Townships (Siedlungsgebiet mit Wellblechhütten vor den Toren einer Grossstadt) machen. Sogar vor dem Fernseher ist zu spüren, wie herzlich und grosszügig gerade die Bevölkerungsschichten sind, die am Existenzminimum kratzen. An diesen Beispielen wird deutlich, dass weder Besitztümer noch Geld den Reichtum eines Menschen ausmachen.
Alle Tiere verdienen Beachtung
An humorvollen Momenten fehlt es ebenfalls nicht. Unfassbar amüsant ist eine Situation, die ganz zufällig entstand. «Wir haben einen Safari-Jeep gefilmt, aus dem alle Touristen gebannt auf Büsche rechts von ihnen starrten. Es stellte sich heraus, dass sie dort Löwen erwarteten», erzählt Wüstenberg und fügt lachend hinzu: «In der Zwischenzeit ging seelenruhig ein neugieriger Löwe auf der linken Seite des Jeeps vorbei. Niemand hat ihn bemerkt. Ausser uns.»
Neben berührenden und lustigen Anekdoten wird die Dokumentation aber auch ihrem Namen gerecht und serviert jede Menge spannende Fakten. Etwa, dass der Krüger Nationalpark über 21 verschiedene Vegetationszonen verfügt, und die künstlich angelegten Wasserlöcher zwar gut gemeint, letztlich aber kontraproduktiv waren, weil sich die Raubtierpopulation dadurch zu stark vermehrte. Oder dass der Addo-Mistkäfer extrem selten ist und sich am liebsten von Elefantenkot ernährt. «Alle sprechen immer von den sogenannten Big Five und machen Fotojagd auf sie. Doch es gibt so viele weitere Tiere, die es wert sind, beachtet zu werden», sagt Silke Schranz.
Beachtung verdient auch die DVD «Südafrika der Kinofilm». Die Filmemacher geben wertvolle Tipps, führen einen auch abseits der Touristenrouten, und zeichnen den Reiseverlauf immer wieder übersichtlich auf einer Karte nach. Sie bringen die bunte Vielfalt Südafrikas authentisch und verlockend näher, sodass sich vor dem Fernseher zwangsläufig ein starkes Gefühl von Fernweh einstellt.

