Historisches Klima-Abkommen verabschiedet

Die Staatengemeinschaft hat in Paris mit dem ersten globalen Klima-Abkommen eine Kehrtwende beschlossen. Wird die Ära der fossilen Energie soll in einigen Jahrzehnten zu Ende gehen?

Nach zwei Wochen harten Verhandlungen in Le Bourget bei Paris richtete Konferenzleiter Laurent Fabius am frühen Samstagabend die entscheidende Frage an die 196 Delegationen. Ob jemand im Saal einen Einwand habe gegen den vorliegende Text? «Ich sehe den Saal, die Reaktion ist positiv, ich höre keine Einwände», sagte Fabius. Mit einem kleinen grünen Hammer bestätigte er die Annahme des Paris-Abkommens.

Nach minutenlangem stehenden Applaus Tausender Regierungsmitglieder, Delegierter und Beobachter, vielen Umarmungen und Tränen begann ein mehrstündiger Reigen von Reden. Als erste sagte Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa, was viele nach ihr auch sagen werden: «Der uns vorliegende Text ist nicht perfekt». Er biete aber eine solide Grundlage und sei das beste, was in diesem historischen Moment zu haben sei, sagte sie im Namen von über 100 Entwicklungsländern. Nun sei es an der nächsten Klimakonferenz in einem Jahr in Marrakesch, den Inhalt des Abkommens zu festigen. Vor allem die für die Entwicklungsländer wichtige Klimafinanzierung müsse noch verbessert werden.

Mittel zum Überleben
Für die im Pazifik gelegenen Marshallinseln enthält das Paris-Abkommen die nötigen Mittel im Kampf gegen den Klimawandel. Er könne zu seinem Volk zurückkehren und ihm sagen: «Wir haben jetzt einen Weg um zu überleben», erklärte Aussenminister Tony de Brum. Der Klimawandel werde nicht von einem Tag auf den andern stoppen. Sein Land sei noch nicht ausser Gefahr. «Aber heute fühlen wir uns alle ein wenig mehr in Sicherheit», fügte er an. Seinem kleinen Inselstaat mit einer Fläche des Kantons Appenzell Innerrhoden droht wie etlichen anderen Inseln bei einem Anstieg des Meeresspiegels der Untergang.

De Brum war auch der Sprecher der «Koalition der Ehrgeizigen», die sich während der zweiten Verhandlungswoche gebildet hatte. Ihr gehörten die USA, die EU, die Schweiz, Norwegen und Brasilien sowie zahlreiche Entwicklungsländer an. Die Koalition wollte unter anderem finanzstarke Schwellenländer wie etwa China oder Indien in die Klimafinanzierung einbinden.

Schweiz will ihren Beitrag leisten
Im Paris-Abkommen steht nun das Versprechen der Industrieländer, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung zu stellen. Die Summe soll 2025 angepasst werden. Die Nicht-Industriestaaten stehen nicht in der Pflicht. Das ist einer der zahlreichen Punkte, der weiter zu diskutieren geben wird.

Auch die Schweiz machte dies deutlich. Bundesrätin Doris Leuthard bedauerte in Paris, dass die Basis der Geberländer in der Klimafinanzierung nicht auf grosse Schwellenländer habe ausgeweitet werden können. Aber das Wichtigste sei der erstmalige Einbezug aller Länder in die Verantwortung. Dem Paris-Abkommen müssten nun die Taten folgen und die Schweiz werde das Ihre dazu beitragen, versprach Leuthard.

Im Mittelpunkt des Paris-Abkommens steht das Ziel, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf klar unter 2 Grad zu begrenzen. Die Bemühungen sollten zudem fortgesetzt werden, um einen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dies ist ein Entgegenkommen an die bedrohten Inselstaaten, für die eine Zwei-Grad-Erwärmung schon das Ende bedeuten könnte. Für die Schweiz bedeutet dies laut dem WWF, dass sie die CO2-Emissionen bis 2030 um 60 Prozen senken muss.

Die bislang vorliegenden nationalen Pläne von 188 Ländern zur Senkung der Emissionen genügen bei weitem nicht zum Erreichen der Temperatur-Fernziele. Deshalb sollen sie ab 2023 alle fünf Jahre überprüft und wenn nötig verstärkt werden.

Ende eines Zeitalters
Zahlreiche Umweltschutzorganisationen werteten den Vertragstext als starkes Signal zur Abkehr von den fossilen Energien Kohle, Öl und Gas. Sie hätten sich aber früheres Handeln noch vor 2020 und mehr konkrete Verpflichtungen für die einzelnen Staaten gewünscht.

Laut Vertragstext soll der Ausstoss von Treibhausgas möglichst bald sinken. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen dann die Emissionen nicht höher sein als die Menge an Treibhausgasen, die gebunden werden kann, etwa in Wäldern. «Wir sehen das Ende des Zeitalters von Kohle und Öl», sagte dazu die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks.

Als Erfolg feierten Hilfsorganisationen auch die erstmalige Erwähnung von Entschädigungen bei Verlust oder Schaden durch Klimafolgen. Aber es auch das wird noch Gegenstand vieler Verhandlungen sein, oder anders gesagt: Nach der Klimakonferenz ist vor der Klimakonferenz.

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