Lichtwahrnehmung: Auch Schleim hat «Augen»

Cyanobakterien sehen ihre Umgebung mit einem ähnlichen Trick wie das menschliche Auge, wie Forscher herausgefunden haben. Die Bakterien leben in Gewässern und bilden den grünen Schleim auf nassen Steinen.

Cyanobakterien existieren seit rund 2,7 Milliarden Jahren und betreiben Photosynthese. Bekannt war auch, dass sie Licht wahrnehmen und sich darauf zu bewegen können. Britische und deutsche Forscher beschreiben nun im Fachjournal «eLife», dass sie dabei ihre Zellhülle wie eine Kameralinse oder einen Mikro-Augapfel verwenden.

Die Krümmung der Hülle fokussiert das Licht in einem Punkt auf der gegenüberliegenden Innenseite der Zellwand. So können die Bakterien feststellen, aus welcher Richtung das Licht kommt. Sie bilden dann winzige Tentakeln aus, mit denen sie sich in Richtung des Lichteinfalls ziehen.

Seit 340 Jahren unbemerkt
«Die Tatsache, dass Bakterien auf Licht reagieren, ist eine der ältesten wissenschaftlichen Beobachtungen über ihr Verhalten», sagte Studienleiter Conrad Mullineux von der Queen Mary University in London in einer Mitteilung des Fachjournals. Dass Bakterien optische Objekte sind, habe jedoch bisher noch niemand bemerkt, obwohl man Bakterien seit rund 340 Jahren unter dem Mikroskop betrachte.

«Die physikalischen Prinzipien der Lichtwahrnehmung bei Bakterien und bei den viel komplexeren Augen von Tieren sind ähnlich, aber die biologischen Strukturen sind sehr unterschiedlich», ergänzte Annegret Wilde von der Universität Freiburg im Breisgau.

Es handelt sich demnach wahrscheinlich um ein Beispiel für konvergente Evolution. Das bedeutet, dass Strukturen mit gleicher Funktion im Zuge der Evolution mehrfach und unabhängig voneinander bei verschiedenen Lebewesen entstanden sind.

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