Der Mensch ist äusserst erfinderisch. Eine dieser Erfindungen ist jedoch für Natur und Tiere besonders schädlich. Polyethylenterephthalat, kurz PET, ist ein von Menschen entwickelter synthetischer Kunststoff, der erst seit rund 70 Jahren auf diesem Planeten existiert. Doch die damit produzierten Lebensmittelverpackungen, Textilien und Plastikflaschen sind biologisch nicht abbaubar. PET zersetzt sich zwar innerhalb mehrerer Hundert bis Tausend Jahre, doch zerfällt hierbei nur in immer kleinere Partikel – das sogenannte Mikroplastik.
Mehrere Millionen Tonnen Plastik gelangen jedes Jahr in die Weltmeere und stellen insgesamt drei Viertel des Abfalls dar. In jedem Quadratkilometer schwimmen somit Hunderttausende Plastikteile – und es werden immer mehr. Die Auswirkungen auf die Wasserqualität sowie Tierwelt sind verheerend. Doch was kann der Mensch, Verursacher dieser Plastikkrise, dagegen machen? Mögliche Retter sind winzig kleine Lebewesen – nämlich Mikroben.
Sie befinden sich im Darm von Mehlwürmern. Die Larven, die sich später in einen Schwarzkäfer verwandeln, können dank der Darmmikroben und deren Enzym Plastik verspeisen und verdauen. Dies macht die Käferlarven zu Mini-Recycling-Anlagen und gleichzeitig zu Pionieren des Plastikabbaus. Es war bereits möglich, das plastikspaltende Enzym «PETase» im Labor synthetisch herzustellen. Hiermit konnte PET innerhalb von Monaten statt Jahrhunderten abgebaut werden. Das kürzlich entwickelte und verbesserte Enzym «FAST-PETase» ist gar imstande, den Kunststoffabbau in Stunden bis Tagen zu vollziehen. Nun liegen die Bestrebungen darin, die Enzymproduktion zu optimieren, um eine industrielle und umweltfreundliche Anwendung zu ermöglichen. «Die Möglichkeiten, diesen hochmodernen Recyclingprozess zu nutzen, sind branchenübergreifend endlos», sagt Hal Alper, Professor an der University of Texas und Mitglied der Forschungsgruppe. Zudem könne man sich so eine echte Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe vorstellen. Dass sich Mikroplastik schon im menschlichen Kreislauf befindet, zeigt eine Studie der Vrije Universiteit Amsterdam. Es war die erste Studie ihrer Art. Künftig müssten weitere Einblicke gewonnen werden, wie weit die Plastikverschmutzung im Körper von Menschen verbreitet und wie schädlich diese sei.

