Weder die Schrift noch die Sprache sind bekannt, nur die Illustration lieferten klare Hinweise, wovon das Voynich-Manuskript handelt. Der Autor der 102 Seiten Pergamentpapier hat sich offenbar auf Wissenschaft spezialisiert, es gibt etwa Kapitel über Pflanzenkunde und Pharmazie. Seit das Dokument vor hundert Jahren von einem Antiquar in einem Kloster bei Rom entdeckt wurde, haben Geheimschriftexperten der US-Armee, Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Laien vergeblich versucht, den Text zu entziffern.
Das gab Anlass zu wilden Spekulationen. Manche vermuteten, der Text enthalte die Formel für das ewige Leben oder für das Umwandeln von Blei zu Gold – so beschrieben im Abenteuerroman «Indiana Jones und der Stein der Weisen» von Max McCoy. Andere behaupteten, es handle sich um ein sinnleeres Scherzmanuskript aus der Neuzeit. Diese Theorie wurde jedoch dem Ergebnis einer C14-Analyse des Pergaments, die ihm ein Alter von 600 Jahren bescheinigt.
| Der unbekannte Autor soll einen Chiron (ein griechischer Zentaur) erwähnt haben. Bild: Museo Archeologico Nazionale di Napoli |
Zwei Jahre für zehn Wörter
Und nun bestätigt auch Linguistikprofessor Stephen Bax von der englischen Universität Bedfordshire, der sich zwei Jahre lang mit dem Manuskript befasst hat: Es ist definitiv kein Nonsens. Er habe 17 Symbole und dadurch insgesamt zehn Wörter entziffert, berichteten diverse britische Medien wie die BBC. Das erste Wort sei «Taurus» (Stier) gewesen. Es habe neben einer Abbildung der Plejaden, eines Sternhaufens im Sternbild Stier, gestanden.
Daraufhin machte sich der Sprachspezialist mithilfe von arabischen und anderen mittelalterlichen Manuskripten über Pflanzen an die weitere Detektivarbeit. Er habe die Pflanzennamen Wacholder, Koriander, Nieswurz, Schwarzkümmel, Baumwolle, Safran und Tausendgürtelkraut entziffert, berichtet die Newssite swns.com. Zudem enthalte der mysteriöse Text das Wort «Chiron», das einen Zentaur aus der griechischen Mythologie bezeichnet.
| Wer diesen Text entziffert, schreibt Geschichte. Bild: Wikimedia Commons |
Professoren sind sich uneinig – asiatisch oder amerikanisch?
Bax vermutet den Ursprüng des Dokuments – dessen Zeichen ein wenig der thailändischen Schrift ähneln – in Asien. Ein Pflanzenspezialist der Delaware State University in den USA hat hingegen in den Illustrationen einige Pflanzen erkannt, die damals in der (von den Europärern noch nicht entdeckten) Region Mexiko gewachsen waren. Demnach könnte das Dokument in der Aztekensprache Nahuatl verfasst sein.
Klar ist schlussendlich nur eines: Das Manuskript, das in der «Beinecke Rare Books & Manuscript Library» der Universität Yale liegt, wird noch lange den Scharfsinn und die Fantasie von Experten und Laien beschäftigen.

