Truthähne proben den Aufstand

Im Animationsabenteuer «Free Birds» dreht sich fast alles um Truthähne. Sie begehren gegen die Menschen auf, damit sie nie wieder als Braten auf dem Teller landen. Der Film bietet leicht verdauliche Kost, garniert mit ­einer grossen Portion Humor.

Thanksgiving ist für Truthähne der absolute Horror. Kein Wunder: Schliesslich stehen die Vögel am amerikanischen Erntedankfest ganz oben auf der Speisekarte. Daran wollen der muskulöse Truthahn Jake und sein hagerer Artgenosse Reggie unbedingt etwas ändern. Sie nehmen ihr Schicksal in die eigenen Flügel und stürzen sich in ein gefiedersträubendes Abenteuer. Mit einer eierförmigen Zeitmaschine reisen die beiden ins 17. Jahrhundert zu Pilgern, die das allererste Thanksgiving feiern wollen – Festtagsbraten inklusive.

Das ungleiche Duo Reggie und Jake reist in die Vergangenheit,
um das Schicksal der Truthähne zu ändern.
Bild: Im Verleih von ASCOT ELITE

Bei ihrer Mission treffen Jake und Reggie auf eine Kolonie ihrer Artgenossen. Gemeinsam entwickelt die Sippe einen Plan, um nicht als Mahlzeit zu enden. Sie wollen die Menschen entwaffnen. Als grösster Widersacher bei dem tollkühnen Unterfangen stellt sich der schiesswütige Dynamite Joe heraus. Er ist davon besessen, Truthähne zu jagen. Dafür sind ihm alle Mittel recht. Doch auch die tierische Allianz ist wild entschlossen, alles zu tun, um zu überleben. Es kommt zu einer Entscheidungsschlacht, die es in sich hat.

«Es ging uns darum, dass ‹Free Birds› ein Film wird, der Werte wie Freundschaft und Loyalität vermittelt», sagt der Drehbuchautor John J. Strauss. Diese Botschaft kommt zwar herüber, im Vordergrund steht aber eindeutig der Spassfaktor. «Wir wollten herausfinden, wie viel komisches Potenzial in den Figuren steckt», sagt der zweite Drehbuchautor David I. Stern.

Das Gagfeuerwerk zündet nicht immer, für Unterhaltung ist dennoch gesorgt
Die Autoren bedienten sich bei der Realität: «Wir haben tatsächlich bestehende Unterschiede bei Truthähnen wie zum Beispiel zwischen Wildvögeln und Zuchttieren, zwischen herkömmlichen und genetisch veränderten Tieren genutzt, um ein Duo zu schaffen, das so unterschiedlich wie nur irgend möglich sein würde.» Die Rechnung geht auf: Beide Hauptfiguren erheitern oft mit frechen Sprüchen und Situationskomik. Aber auch die «Nebendarsteller» trumpfen immer wieder auf, etwa der italienische Siedler Berlustoni mit seinem Faible für Theatralik. Oder der Indianerhäuptling, der die angriffswilligen Truthähne trocken als «Angry Birds» bezeichnet. Solche Szenen strapazieren das Zwerchfell, sofern die Anspielung auf das kultige Computerspiel verstanden wird.

Angesichts des abgebrannten Gagfeuerwerks verwundert es nicht, dass die Vermarkter vollmundig verkünden, «Free Birds» sei der lustigste Film seit «Ice Age». Diesem Vergleich hält der neue Animationsstreifen nicht stand, dafür ist er zu oft zu klamaukig und die Handlung zu banal. Für familientaugliche Unterhaltung ist dennoch gesorgt. Und am Ende kommen sogar Philosophen auf ihre Kosten, wenn es heisst: «Der Abschied ist nur ein Hallo, das der Wind so lange behält, bis es zum Wiedersehen kommt.» Apropos Abschied: Wer den Kinosaal bereits während des Abspanns verlässt, verpasst etwas!

«Free Birds», Animationsfilm, 91 Minuten, freigegeben ab 6 Jahren, Studio: Ascot Elite, ab sofort im Kino.

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