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«Wald Bilder»: Markus Bühler visualisiert die einzigartige Kraft des Waldes

Der Fotograf Markus Bühler hält seit 2009 die verschiedenen Facetten des Schweizer Waldes in Fotos fest und hat diese nun im Buch «Wald Bilder» veröffentlicht. Im Gespräch erzählt er, wie er vorgegangen ist und warum es so viel Geduld braucht.

Über 20 Jahre lang war Markus Bühler immer wieder in der Arktis unterwegs, begleitete Inuit auf der Jagd, fotografierte ihre blutige Beute und die Eiswüsten, die das Volk umschliessen. Doch das neue Fotobuch des Winterthurer Fotografen, «Wald Bilder», kommt ruhiger daher, grüner: Über einen Zeitraum von fast 14 Jahren besucht Bühler die unterschiedlichsten Wälder der Schweiz und hält die «schiere Kraft und Macht der Wälder», wie er es formuliert, in zahlreichen Fotos auf über 270 Seiten fest. «Im Unterschied zur Arktis trifft man im Wald auf jedem Meter eine neue spektakuläre Kulisse an», sagt er in einem Gespräch zum Buch und erzählt von seinen Erlebnissen während dessen Entstehung.

Eines seiner Lieblingsfotos sei auf dem Lukmanierpass auf über 1800 m ü. M. entstanden. «Die Meteo hatte schlechtes Wetter vorhergesagt, also bin ich raus», sagt er und lacht. Dann entstünden nämlich die besten Fotos. Vier Jahre nach seinem letzten Besuch steigt er wieder hoch zu seiner Fotostelle und will den Sonnenaufgang einfangen. Doch der Weg zieht sich länger, als er in Erinnerung hat und er verpasst den Sonnenaufgang. «Aber dann ereignete sich ein faszinierendes Spektakel.» Wolken ziehen auf, es fängt an zu regnen, und bald reisst auch der Himmel wieder auf und bietet dem wartenden Fotografen eine wunderbare Kulisse. Er muss nur noch abknipsen. «Das war, als würde ich plötzlich vor einem Eisbären stehen», versucht er den Moment begreifbar zu machen.

In der Wildnis

Sein erstes Bild der Waldserie entsteht im Jahr 2009. Damals weiss er noch nicht, wohin es führt. «Aber ich wusste, dass einmal etwas daraus entstehen wird.» Während seines Projektes in der Arktis kommt er aber wenig dazu, die Schweizer Wälder zu besuchen. Erst seit er vor rund sieben Jahren alleinerziehender Vater von drei Söhnen wird und weniger im Ausland unterwegs ist, beginnt er sich dem Projekt intensiver zu widmen. Geduldig wartet er auf die perfekten Lichtverhältnisse und besucht seine Wälder meist mehrmals. Sie liegen überall in der Schweiz verteilt zwischen 300 und 2000 m ü. M. Dabei erlebt er den Wald von einer anderen Seite, als wir uns das vom Alltag gewohnt sind.

In Kyburg bei Winterthur etwa steigt Bühler eine unwegsame Schlucht hinunter, um sie zu fotografieren. Als er schwer atmend wieder oben ist, hört er ein zweites Keuchen rund zwei Meter entfernt von ihm. Im Dickicht des Waldes habe er zwar nichts gesehen, aber gewusst, dass da ein Wildschwein sein muss, und schleunigst das Weite gesucht. «Ich war insgesamt etwa drei Stunden unterwegs und hatte das Gefühl, völlig in der Wildnis zu sein.» Die unterschiedlichen Facetten des Schweizer Waldes und die Bedeutung dieser wertvollen Ökosysteme auch im Rahmen des Klimawandels will der Fotograf dem Betrachter näherbringen. Die Fotos hat er dafür nach Höhenmetern sortiert und nicht nach Jahreszeiten oder Ortschaften. «Die Höhenlage bestimmt ja schlussendlich, wie der Wald aussieht.»

Sein Ziel, den Wald möglichst authentisch auf das Bild zu bringen, stellt den erfahrenen Fotografen jedoch auch nach 30 Jahren Tätigkeit vor künstlerische Herausforderungen. «Ich habe gemerkt, dass ich mich als Fotograf zurücknehmen muss», sagt er. Er habe gänzlich auf technische Spielereien wie beispielsweise spezielle Objektive verzichtet und sich jeweils direkt vor die Szene gestellt. «Das Bild sollte so natürlich wie möglich für sich sprechen.» Und das habe vor allem Geduld gebraucht.

Licht, Zeit und Geduld

Mehrere Male besucht er die Wälder, um die richtigen Lichtverhältnisse zu finden. «Manchmal stimmte es einfach nicht.» Immer wieder schaut er auf die Wettervorhersage und wartet schlechteres Wetter ab, um rauszugehen – dann seien das Licht und die Farben im Wald ganz speziell. «Manchmal entsteht dann eine Atmosphäre, als ob man in einem Raum steht – ganz einzigartig.» Oft lohnt sich das Warten und der Wald bietet Bühler eine spektakuläre Kulisse. Manchmal aber geht er vergeblich hin und kommt nach einem ausgedehnten Waldspaziergang ohne Fotos zurück. Das gebe ihm aber eine Freiheit, die er in seinen vorherigen Projekten nicht gehabt hat. «Man sieht jedes Mal etwas Neues und ist viel unabhängiger so», sagt er. Und irgendwann, wenn die Geduld ausdauernd ist, stimmen auch das Licht und das Timing und ein Buch entsteht.

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