Weltweite Demonstrationen gegen Klimawandel

Vor der UNO-Klimakonferenz in Paris haben am Wochenende hunderttausende Menschen weltweit gegen die Erderwärmung demonstriert. 

In einer vorläufigen Bilanz sprachen die Veranstalter am Sonntag von mehr als 570'000 Teilnehmern an den Märschen rund um den Globus. In Paris setzten sich am Sonntag tausende Menschen über ein Demonstrationsverbot hinweg, später kam es zu Zusammenstössen mit der Polizei. Nach der islamistischen Anschlagsserie von Paris am 13. November mit 130 Toten hatten die französischen Behörden die für Sonntag geplante Grosskundgebung in Paris untersagt.

Die Umweltschutzaktivisten fassten sich daraufhin entlang der ursprünglichen Demonstrationsroute am Boulevard Voltaire an den Händen und bildeten eine Menschenkette. Nur vor der Konzerthalle Bataclan, wo bei den Anschlägen 90 Menschen getötet worden waren, liessen die Demonstranten eine Lücke. Die Polizei sprach von 4500 Teilnehmern, die Veranstalter von mehr als 10'000.

Auf der Place de la République stellten Aktivisten tausende Schuhe auf - sinnbildlich für tausende Menschen, denen verboten wurde zu demonstrieren. Darunter waren auch Schuhe von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und von Papst Franziskus, die dieser - beschriftet mit dessen Namen und dem Titel seiner Enzyklika gegen den Klimawandel - geschickt hatte.

Gewalttätige Gruppen und Festnahmen
Später gingen Einsatzkräfte mit Tränengas gegen gewalttätige Gruppen von Protestierenden vor. 208 Menschen wurden festgenommen, wie Innenminister Bernard Cazeneuve mitteilte. Der französische Präsident François Hollande verurteilte die Aktion von «Unruhe stiftenden Elementen» als «skandalös». Laut Cazeneuve hatten einige Randalierer auch mit Gegenständen auf die Polizei geworfen, die auf dem Place de la République zur Erinnerung an die Opfer der Attentate niedergelegt worden waren.

Von Australien und Neuseeland über die Philippinen, Bangladesch und Japan bis Südafrika, Deutschland und Grossbritannien gingen seit Freitag Menschen gegen die Gefahren der Erderwärmung wie Superstürme, Dürre und steigende Meeresspiegel auf die Strasse.

«Klimawandel ist nicht cool»
Auf Schildern hiess es: «Klimawandel ist nicht cool» oder «Es gibt keinen Planeten B». In Sydney demonstrierten am Sonntag 45'000 Menschen, in London waren es trotz Regen und Kälte mehr als 50'000, in Madrid laut der Umweltorganisation Greenpeace 20'000.

In Berlin zogen die Demonstranten vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor. Die Veranstalter sprachen von 17'000 Teilnehmern, die Polizei von 10'000. Am Frankfurter Hauptbahnhof verzögerten Klimaaktivisten am Samstag die Reise von Umweltministerin Barbara Hendricks nach Paris.

Für die Organisatoren weltweit sprach die Gruppe Avaaz von mehr als 570'000 Teilnehmern bei 2300 Märschen am Wochenende. Mit zu erwartenden weiteren Demonstrationen dürfte die Zahl demnach auf über 600'000 steigen.

Wink an Schweizer Regierung
In Bern brachten etwa tausend Menschen ihre Hoffnung auf ein «verbindliches und gerechtes» Klimaabkommen zum Ausdruck. «Wir sind nicht alleine, wir sind Teil einer riesigen Bewegung», rief die Berner SP-Nationalrätin Nadine Masshardt den Leuten auf dem Bundesplatz zu. Weltweit erwarteten die Menschen, dass sich die Teilnehmer der UNO-Klimakonferenz in Paris auf verbindliche Klimaziele verständigten.

Aber auch die hiesige Politik sei gefordert, sagte Masshardt. Die Schweiz müsse sich dafür einsetzen, dass die CO2-Emissionen im eigenen Land bis 2030 um sechzig Prozent zurückgingen, und bis 2050 müsse die Schweiz ganz aus den fossilen Energien aussteigen. Weiter solle sich die Schweiz klar zu Klimaschutz-Massnahmen in den ärmsten Ländern bekennen.

Nebst Bern beteiligten sich auch Zürich, Luzern, St. Gallen, Genf und Lausanne am Aktionstag. In Genf protestierten zwischen 2000 und 3000 Personen. In Zürich versammelten sich gegen tausend Personen auf dem Helvetiaplatz, wie ein sda-Korrespondent vor Ort schätzte.

Delegierte haben sich schon versammelt
Vor der offiziellen Eröffnung der Konferenz am Montag mit rund 150 Staats- und Regierungschefs versammelten sich in Le Bourget nördlich von Paris am Sonntagabend bereits die Delegierten der 195 beteiligten Länder. Das Treffen begann mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die 130 Todesopfer der Anschläge von Paris.

An der UNO-Konferenz soll ein international verbindliches Klimaschutzabkommen beschlossen werden. Vom Jahr 2020 an soll es an die Stelle des 1997 ausgehandelten Kyoto-Protokolls treten. Erklärtes Ziel ist es, die globale Erwärmung auf zwei Grad über dem Temperaturdurchschnitt vorindustrieller Zeit zu begrenzen. Die offizielle Eröffnungszeremonie mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs, darunter US-Präsident Barack Obama, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sowie die Staatschefs Russlands und Chinas, Wladimir Putin und Xi Jinping, findet am Montag statt.

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