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Klickertraining für Elefanten im Zoo Basel

Im Basler Zoo werden die vier Elefanten täglich trainiert. Bereitwillig zeigen die Grauen ihre Zähne, lassen sich eine Pediküre verpassen oder Blut abzapfen. Und das ganz freiwillig.

Wie ein grauer Koloss ragt der Dickhäuter Rosy über dem Tierpfleger Fabian Blaser. Auf der Tribüne über dem Elefantenstall rennen lärmend Kinder umher, während ihre Eltern die Situation beobachten. Rosy stört das nicht. «Fein machst du das.» Immer wieder redet Blaser mit sanfter Stimme auf die Elefantendame ein, während seine Kollegin Amanda Spillmann, durch dicke Gitterstäbe geschützt, mit einer Spritze am rechten Hinterfuss der Gigantin hantiert.

«Wir üben die Blutentnahme», erklärt der Elefantenpfleger. Nachdem der Piks in den Fuss anstandslos ertragen wurde, erhält Rosy als Belohnung ein paar Stücke getrocknetes Brot. Trotz ihrer enormen Kraft und ihres Gewichts von knapp vier Tonnen macht Rosy für ein kleines Leckerli mit Freude das, was von ihr verlangt wird.

Training zu medizinischen Zwecken

Das Training geschieht aus einem sinnvollen Grund. «Wir machen hier keine Zirkuskunststücke», erklärt Elefanten-Haupttierpfleger Martin Burri. «Es ist alles zu medizinischen Zwecken, von der Zahnkontrolle zur Fusspflege und bis hin zur Blutentnahme.» Um das Unfallrisiko für die Tierpfleger zu minimieren, ist der Basler Zoo mit der Eröffnung der ElefantenanlageTembea 2017 auf den geschützten Kontakt umgestiegen.

Die Pfleger sind durch Gitter und Abschrankungen vor den Elefanten geschützt und bewegen sich nicht mehr frei unter den Tieren auf der Anlage. Damit bei dieser Haltungsform die kleine Herde nicht sich selbst überlassen wird und ein Eingreifen im Notfall möglich ist, ist das Training mit ihnen zur Notwendigkeit geworden.

Elefantendame Maya zeigt ihre Zähne zur Kontrolle.
Elefantendame Maya zeigt ihre Zähne zur Kontrolle.

Schon gewusst?

Das Medical Training erlaubt medizinische Untersuchungen und Pflegemassnahmen an Zoo- und Haustieren und wird ohne Druck oder Bestrafung ausgeübt. Dabei hat das Tier die Freiheit zu entscheiden, ob es am Training mitmachen möchte oder nicht. Der Vorteil des Medical Training ist, dass keine risikoreiche Narkose oder Zwangsfixierung durchgeführt werden muss und dadurch kein Stress während einer Untersuchung entsteht.

Eine Trainingseinheit der Elefanten im Basler Zoo beginnt immer gleich. Zuerst wird der Riese mittels eines Targetsticks in Position gebracht. Dabei handelt es sich um einen einfachen Stab, dessen Ende von buntem Klebeband umwickelt ist – dies ist das sogenannte Target, das Ziel. Wird es vom Elefanten berührt, erzeugt der Trainer mit einem Klicker ein akustisches Signal. Auf das Klickgeräusch folgt eine Belohnung. Durch diese Konditionierung lernt das Tier, dass es bei Berührung des Targets Futter erhält und es sich lohnt, diesem zu folgen. Ein Klicker erlaubt dabei das punktgenaue Bestätigen einer vom Menschen erwünschten Handlung.

Versteht der Dickhäuter den Zusammenhang zwischen Klicker und Target, können verbale Kommandos eingeführt werden, so wie der Befehl «Target», der für Elefant Rosy bedeutet, ihre Stirn an das Klebeband am Bambusstab zu halten. Mit einem zweiten Targetstick und dem Kommando «Side» signalisiert Pfleger Fabian Blaser der Elefantendame, sich seitlich an das Gitter zu stellen. Hat sie das gemeistert, wird ihr mit dem Stab gezeigt, wo sie ihren Fuss durch die Gitterstäbe strecken soll. Sofort kommt Tierpflegerin Spillmann mit einem Eimer in der Hand herbeigeeilt und pinselt den Elefantenfuss zur täglichen Pediküre mit Huffett ein, während Rosy ihre Belohnung mampft.

Zur Belohnung gibt es für die Tiere trockenes Brot.
Zur Belohnung gibt es für die Tiere unter anderem trockenes Brot.

Ein bisschen Spass muss sein

Auch wenn die vier Elefanten umgänglich sind, müssen die Tierpfleger wegen der Grösse und Kraft der Giganten doch Vorsicht walten lassen. Der Vorteil des Targetsticks liegt dabei auf der Hand: Ein Tier, vor allem ein grosses und potenziell gefährliches, kann so aus der Distanz trainiert werden.

Das Target- und Klickertraining basiert auf positiver Bestärkung. Verhalten, das der Tiertrainer will, wird belohnt, unerwünschtes Verhalten ignoriert. Das Wort Nein oder Pfui gibt es nicht. «Wir haben sogar ein Nein-Kässeli in der Küche stehen», erzählt Martin Burri lachend.

«Immer, wenn ein Tierpfleger während des Trainings das Wort Nein verwendet, muss er einen Fünfliber einzahlen.» Die Dickhäuter nehmen freiwillig teil und werden zu nichts gezwungen. Doch auch Elefanten haben schlechte Tage. An solchen werden die Trainingseinheiten kurzgehalten. Die Hauptsache ist, dass ein Training immer positiv endet und für das Tier ruhig verläuft.

Klickertraining für Elefanten im Zoo Basel
Die Fusspflege der Elefanten gehört zum täglichen Programm.

Der Haupttierpfleger erklärt: «Das Wichtigste ist, dass das Training den Tieren Spass macht.» Auch wenn eine Trainingseinheit in den Augen des Trainers katastrophal verlaufe, habe das Tier Freude dabeigehabt. «Der Elefant hat während des Trainings nichts Negatives erlebt, keine Angst gehabt und war entspannt. Und seine Rüebli als Belohnung hat er auch bekommen.» Tiere müssen laut dem erfahrenen Elefantenpfleger wissen, was sie erwartet, und sollten nicht veräppelt werden.

Hat man früher noch versucht, eine Spritze ganz heimlich zu verabreichen, während der Elefant mit Futter abgelenkt war, kommuniziert man heute offen, was man vom Tier möchte. So wird das Vertrauen in den Menschen gestärkt. «Man muss als Trainer aber die Voraussetzung schaffen, dass das Tier das Trainingsziel erreichen kann», sagt Burri. Dazu müsse man auf anatomische Besonderheiten Rücksicht nehmen oder darauf, dass ein Elefant nicht gern in seinem eigenen Dreck steht. Der Dickhäuter muss sich in seiner Umgebung wohlfühlen.

Es ist eine Herausforderung, einem Tier nur anhand eines Targetsticks und eines Klickers zu erklären, was man von ihm will. Das kann auch zu Missverständnissen führen. So möchten die Elefantenpfleger des Basler Zoos aus Sicherheitsgründen nicht, dass die Tiere direkt nach dem Training davonstürmen, sobald sich ein Tor öffnet. Erst müssen sie auf das Kommando «Ab» warten.

Heute scheint Rosy jedoch keine Geduld zu haben, ignoriert ihren Pfleger Fabian Blaser und spaziert durch das sich öffnende Tor davon. «Nun kommt das Nervenspiel.» Der Tierpfleger wartet geduldig, ob sie ihren Fehler versteht und von allein zurückkommt. Martin Burri klärt auf: «Rosy muss merken, dass nicht sie entscheidet, wann das Training fertig ist, sondern wir.» Die Elefantendame erscheint in der benachbarten Box und lässt einen dampfenden Haufen nieder. Wie sich herausstellt, war es kein Ungehorsam. Sie wollte nur nicht ihr Trainingsgehege beschmutzen.

Auch das Ohr wird Tierpflegerin Spillmann präsentiert.
Auch das Ohr wird Tierpflegerin Spillmann präsentiert.

Geduld und Vertrauen

Seit anderthalb Jahren baut Haupttierpfleger Burri mit seinem Team das Elefantentraining gemeinsam auf. Angefangen haben sie bei null. Elefant Rosy hat dabei den grössten Wandel mitgemacht. «Sie ist durch das Training von extrem ängstlich, vorsichtig und hyperaktiv zum Vorzeigeelefanten geworden», so Martin Burri. «Sie grunzt sogar richtig vor lauter Vorfreude.» Auch Tierpflegerin Amanda Spillmann berichtet von ihrer Erfahrung im Elefantentraining.

Davon, dass Leitkuh Heri es gar nicht mochte, berührt zu werden, vor allem nicht von Fremden. Durch das intensive Target- und Klickertraining hat sich viel getan. «Nun lässt sie sich auch von mir anfassen», erzählt sie stolz. «Das Vertrauen muss man sich aber erst einmal erarbeiten und Geduld haben. Wenn man nervös oder unsicher ist am Anfang, wird das auch gerne ausgenützt.»

Frech und stur können sie sein, die Elefanten. Wenn Weibchen Maya beim Training nicht mitmachen will, sieht man ihr das an den Augen an. Hat sie die Augen weit geöffnet, zeichnen sich erfolgreiche Trainings ab, wenn sie Schlitzaugen macht, muss man vorsichtig sein.

Eine Rüsselspülung zur Tuberkuloseuntersuchung und die stressfreie Fusspflege konnten dank Targetstick und Klicker erreicht werden.
Bei der Rüsselspülung zur Tuberkuloseuntersuchung wird dem Elefanten eine Kochsalzlösung in den Rüssel geschüttet.

Die Ambitionen des Tierpflegerteams sind gross. Man sei noch nicht dort, wo man hinwolle, aber auf einem guten Weg. Mit Unterstützung von externen Trainern und dem Filmen der Trainingseinheiten will man eingeschlichenen Fehlern auf die Spur kommen.

Die Trainingsziele Blutentnahme und Füsse und Maul zeigen funktionierten schon gut. Auch die Rüsselspülung für die Tuberkuloseuntersuchung klappe bestens. Elefant Tusker zeigt, wie das geht. Der stattliche Bulle streckt Burri sein Greiforgan entgegen, der Tierpfleger schüttet Kochsalzlösung aus einem kleinen Behälter in die Rüsselöffnung.

Mit einer Handbewegung weist er Tusker an, den Rüssel nach oben zu halten und zu spülen. Auf das Kommando «Blow» pustet dieser die Lösung zusammen mit seinen Nasensekreten in eine Plastiktüte. Die Flüssigkeit kann nun auf Tuberkulose, eine ansteckende Krankheit unter Elefanten, untersucht werden. Die Rüsselspülung ist ein komplexer Ablauf, der in kleinen Trainingsschritten mit dem Klicker erarbeitet wurde. Abschliessend verrät Martin Burri: «Je nachdem, wie die Elefanten drauf sind, wird einem das Wasser auch ins Gesicht geblasen.»

Eine Trainingsmethode, die um die Welt geht

Hyäne Savuti sorgte auf Youtube für Staunen. Freiwillig streckt das Raubtier im America’s Teaching Zoo der angehenden Tierärztin den Hals entgegen, die in aller Ruhe Blut aus der Halsschlagader entnimmt. Im amerikanischen Tennessee Aquarium hüpfen die kleinen Pinguine, dem Targetstick folgend, auf die Waage, damit ihre Pflegerin den Gewichtsverlauf der Tiere notieren kann. Auch Reptilien und Fische stehen den Säugern und Vögeln in Sachen Training in nichts nach. Im deutschen Tropenaquarium Hagenbeck haben die Nilkrokodile gelernt, auf ihren Namen zu hören und auf Kommando das Wasser zu verlassen. Tierärzte im Loro Parque auf Teneriffa können an Zebrahaien dank intensivem Training Blutanalysen, Ultraschalluntersuchungen und andere Verfahren durchführen – ohne Betäubung. In Zoos weltweit haben Tierpfleger und -ärzte durch grosses Engagement und intensivem Medical Training mit ihren Schützlingen schon Unglaubliches erreicht.

Fast jedes Tier kann das Klickertraining erlernen, egal ob Wildtier oder Haustier. Hunde lernen besonders schnell.
Fast jedes Tier kann das Klickertraining erlernen, egal ob Wildtier oder Haustier. Die meisten Hunde lernen besonders schnell.

Schritt für Schritt zum richtigen Verhalten

So gut wie jedes Tier lässt sich mit einem Klicker trainieren. Ob Katze, Meerschweinchen, Huhn oder Bartagame – das Training macht Mensch und Tier gleichermassen Spass.

1. Beim Target-Training können sich schnell Fehler einschleichen. Bevor Sie mit Ihrem Tier üben, machen Sie sich mit den Grundlagen des Klickertrainings vertraut. Im Internet oder in Fachbüchern finden Sie viele Informationen.

2. Machen Sie sich Gedanken, welches Futter Ihr Tier besonders gerne mag. Die Leckerli sollten klein sein, damit das Tier nicht zu lange darauf herumkaut und nicht schon nach wenigen Klicks satt ist.

3. Ihr Tier muss erst einmal verstehen, dass dem Klick eine Belohnung folgt. Dafür wird es folgendermassen konditioniert: Einmal klicken und sofort ein Leckerli anbieten. Diese Übung regelmässig 10- bis 20-mal wiederholen.

4. Nach einigen Trainingseinheiten können Sie überprüfen, ob Ihr Tier den Sinn des Klickers erkannt hat. Ist es gerade mit etwas anderem beschäftigt, klicken Sie. Dreht sich das Tier um und blickt Sie erwartungsvoll an, hat es die Verknüpfung verstanden.

5. Nun kann darauf aufgebaut werden. Möchten Sie Ihrer Katze beibringen, auf Kommando Sitz zu machen, dann warten Sie, bis sich Ihr Stubentiger hinsetzt. Klicken Sie, sobald das Hinterteil den Boden berührt, und geben Sie ein Leckerli.

6. Versteht das Tier, was Sie von ihm möchten, ist es Zeit ein verbales Kommando wie «Sitz» einführen. Irgendwann kann der Klicker dann weggelassen werden.

7. Möchten Sie Ihr Tier beispielsweise stressfrei in eine Transportbox führen, arbeiten Sie zusätzlich mit einem Targetstick. Halten Sie dem Tier einen solchen Stab entgegen. Berührt es diesen, sofort klicken und eine Belohnung geben. Versteht es den Zusammenhang, folgt ihr Tier dem Target überall hin.

8. Üben Sie täglich mit Ihrem Tier. Mehrere kurze Trainingseinheiten am Tag sind sinnvoller als eine einzige lange. Beenden Sie ein Training immer positiv. Versteht Ihr Tier nicht, was Sie von ihm wollen, gehen Sie lieber wieder einen Schritt im Training zurück.

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