WWF Living Planet Report: Trotz Artensterben gibt es Grund zur Hoffnung

Die Bestände überwachten Wildtiere sind weltweit seit 1970 deutlich zurückgegangen. Das zeigt der neue «Living Planet Report» des WWF. Gleichzeitig gibt es Arten, deren Bestände sich dank gezielter Schutzmassnahmen wieder erholen.

Seit 1970 sind die weltweit überwachten Wildtierbestände durchschnittlich um 73 Prozent zurückgegangen. Besonders stark ist der Rückgang bei Süsswasserarten: Ihre Bestände nahmen im Untersuchungszeitraum um 85 Prozent ab. Bei Landtieren beträgt der Rückgang 69 Prozent, bei Meerestieren 59 Prozent. Das geht aus dem neuen «Living Planet Report» hervor, den der WWF am 8. Oktober veröffentlicht hat.

Regional fällt die Entwicklung unterschiedlich aus. In Lateinamerika und der Karibik gingen die Bestände mit 95 Prozent am stärksten zurück, gefolgt von Afrika mit 80 Prozent. Für Europa und Zentralasien weist der Bericht einen Rückgang von 23 Prozent aus. Der vergleichsweise geringere Wert sei allerdings auch darauf zurückzuführen, dass dort bereits vor 1970 grosse Verluste bei Arten und Lebensräumen stattgefunden hätten.

Energie, Landwirtschaft und Finanzsektor als Treiber

Als wichtige Ursachen für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt nennt der WWF drei Bereiche: den Energiesektor, die globale Nahrungsmittelproduktion und das Finanzsystem. Die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas verursacht einen grossen Teil der Treibhausgasemissionen. Die intensive Landwirtschaft trägt zum Verlust von Lebensräumen bei, während Investitionen des Finanzsektors umweltschädliche Entwicklungen mitfinanzieren können.

Auch in der Schweiz ist die Artenvielfalt unter Druck. Laut WWF ist hierzulande rund ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht – mehr als in jedem Nachbarland. Intensive Nutzung, Umweltbelastungen und die Klimakrise setzen den Lebensräumen zu.

Schutzmassnahmen können Wirkung zeigen

Der Bericht zeigt jedoch nicht nur negative Entwicklungen. Rund die Hälfte der untersuchten globalen Tierbestände ist stabil geblieben oder nimmt zu. Beispiele dafür sind Tiger, Roter Thunfisch und Grüne Meeresschildkröten. Beim Tiger ist die Zahl der wild lebenden Tiere zwischen 2010 und 2025 laut WWF von rund 3200 auf etwa 5700 gestiegen. Beim Roten Thunfisch haben sich die Bestände unter anderem dank reduzierter Fangquoten und besserer Kontrollen erholt.

Auch in der Schweiz gibt es Beispiele für eine Erholung. Der Weissstorch war 1950 als Brutvogel aus der Schweiz verschwunden. 2022 wurden jedoch 887 Brutpaare gezählt. Zur Rückkehr beigetragen haben Wiederansiedlungsprojekte, das Netzwerk Storch Schweiz, die Schweizerische Vogelwarte und zahlreiche Freiwillige.

Ein weiteres Beispiel ist der Fischotter. Nachdem die Art 1989 letztmals in der Schweiz beobachtet und anschliessend als ausgestorben eingestuft worden war, wurde sie 2009 wieder nachgewiesen. Heute kommt der Fischotter laut WWF in neun Kantonen vor. Renaturierte Fliessgewässer, Verbesserungen bei der Wasserqualität und die Sanierung von Wasserkraftwerken haben dazu beigetragen.

Auch bei der Seeforelle in der Hasliaare im Kanton Bern zeigen sich Erfolge. Nach der Reduktion der Abflussschwankungen durch die Kraftwerke Oberhasli und einer Renaturierung des Gewässers werden dort wieder grosse Seeforellen beim Laichen beobachtet.

Die Beispiele zeigen laut WWF, dass sich negative Entwicklungen unter geeigneten Bedingungen umkehren lassen. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass der weltweite Verlust der biologischen Vielfalt weiter voranschreitet.

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