Steinkauz, Goldschakal, Murmeltier: Das sind die Gewinner und Verlierer unter den Wildtieren 2025

Am 28. Dezember 2025 hat der WWF Schweiz seine Jahresbilanz zur Lage der Wildtiere veröffentlicht und zieht ein gemischtes, überwiegend alarmierendes Fazit: Zwar zeigen einzelne Arten, dass gezielter Artenschutz wirkt, doch der globale Rückgang der Wildtierbestände bleibt dramatisch.

Gemäss dem Living Planet Report 2024 sind die untersuchten Populationen von Wildtieren in den letzten 50 Jahren im Schnitt um rund 73 Prozent geschrumpft. Besonders betroffen sind Süsswasser- und Land-Ökosysteme, während Meerespopulationen vergleichsweise weniger stark zurückgingen, schreibt der WWF Schweiz in einer Mitteilung. Auch hierzulande ist der Anteil bedrohter Arten aussergewöhnlich hoch und übertrifft im weltweiten Vergleich viele andere Länder.

Trotz dieser düsteren Gesamtbilanz hebt der WWF mehrere positive Entwicklungen hervor.

Diese Wildtiere gehören zu den Gewinnern

Goldschakale gibt es erst seit 2011 in der Schweiz. Ursprünglich stammen die fuchsähnlichen Tiere aus den Savannen und Halbwüsten zwischen der Türkei und Myanmar. Seit einigen Jahren breiten sie sich jedoch Richtung Westen und Norden aus. In der Schweiz werden Goldschakale seit 2016 regelmässig in verschiedenen Kantonen gesichtet – bisher handelt es sich jedoch dabei ausschliesslich um Männchen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis in der Schweiz Jungtiere zur Welt kommen, vermutet der WWF.

Steinkauz, Goldschakal, Murmeltier: Das sind die Gewinner und Verlierer unter den Wildtieren 2025
Goldschakale kommen erst seit 2011 in der Schweiz vor.

Steinkäuze

Steinkäuze leben seit Tausenden von Jahren in der direkten Umgebung von Menschen. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft nach dem 2. Weltkrieg zerbrach diese Beziehung: Steinkäuze verloren ihren Lebensraum und wurden dadurch in der Schweiz an den Rand des Aussterbens gedrängt. Dank Artenförderungsprojekten in verschiedenen Schweizer Regionen gibt es mittlerweile wieder 161 Reviere – so viele wie seit Jahren nicht mehr.

Steinkauz, Goldschakal, Murmeltier: Das sind die Gewinner und Verlierer unter den Wildtieren 2025
Der Steinkauz ist heute dank gezielter Förderung in der Schweiz wieder verbreitet.

Wisente

Wisente wurden 2025 erneut im rumänischen Karpatengebiet geboren. Die Rückkehr dieser einst in Europa ausgerotteten Tiere gilt als Symbol für erfolgreiche Wiederansiedelungsprogramme. In der Schweiz wurden Wisente im Naturpark Thal (SO) wiederangesiedelt.

Steinkauz, Goldschakal, Murmeltier: Das sind die Gewinner und Verlierer unter den Wildtieren 2025
«Architekten des Waldes» werden Wisente auch genannt: Während die Tiere grasen, die Vegetation niedertrampeln und den Boden düngen, helfen sie Grasland und Wäldern, sich zu regenerieren.

Grüne Meeresschildkröten

Grüne Meeresschildkröten wurden 2025 auf der Roten Liste von «stark gefährdet» auf «nicht gefährdet» herabgestuft – ein Sprung um drei Kategorien. Ihr Bestand ist seit den Siebzigerjahren um rund 28 Prozent gestiegen. Verantwortlich dafür sind Schutzmassnahmen wie die Sicherung von Niststränden und internationale Fischereiregeln. Dennoch bleibt die Gesamtpopulation deutlich kleiner als vor der Zeit intensiver Ausbeutung. Die Mehrheit der Meeresschildkrötenarten gilt weiterhin als bedroht.

Steinkauz, Goldschakal, Murmeltier: Das sind die Gewinner und Verlierer unter den Wildtieren 2025
Seit den Siebzigerjahren ist der Bestand an Grünen Meeresschildkröten um etwa 28 Prozent gestiegen.

Diese Wildtiere gehören zu den Verlierern

Murmeltiere

Murmeltiere halten in ihren Erdhöhlen Winterschlaf. Hat es aber wenig Schnee – so wie letzten Winter in der Schweiz – überleben viele Murmeltiere die kalte Jahreszeit nicht. Weil es auch in Zukunft wegen der Erderwärmung immer weniger Schnee geben wird, nimmt diese Bedrohung weiterhin zu.

Steinkauz, Goldschakal, Murmeltier: Das sind die Gewinner und Verlierer unter den Wildtieren 2025
Murmeltiere leiden unter den Folgen des Klimawandels.

Feldhasen

Feldhasen waren hierzulande häufig und fast überall anzutreffen – mittlerweile sind sie jedoch sehr selten geworden. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft wurden viele Lebensräume der Feldhasen vernichtet. Aus verschiedenen Regionen im Mittelland ist die Art schon gänzlich verschwunden.

Steinkauz, Goldschakal, Murmeltier: Das sind die Gewinner und Verlierer unter den Wildtieren 2025
Einst waren Feldhasen in der Schweiz weit verbreitet.

Luchse

Luchse waren Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz wegen Jagd und Wilderei verschwunden. Die Auswilderung des ersten Luchses 1971 in Obwalden setzte dann den Grundstein für eine Population von über 300 Tieren – die grösste in Westeuropa. Da es aber nicht gelungen ist, verschiedene Populationen untereinander zu vernetzen und wichtige Verbreitungshindernisse aus dem Weg zu räumen, sind die Luchspopulationen noch immer isoliert und genetisch verarmt. Gendefekte wegen Inzucht drohen, die erfolgreiche Wiederansiedlung zunichtezumachen.

Steinkauz, Goldschakal, Murmeltier: Das sind die Gewinner und Verlierer unter den Wildtieren 2025
Die Luchspopulationen in der Schweiz sind untereinander zu wenig vernetzt. Der Art drohen Gendefekte wegen Inzucht.

Vögel

Die Aktualisierung der Roten Liste zeigt bei Vögeln eine alarmierende Entwicklung: 61 Prozent aller Vogelarten weltweit nehmen in ihrem Bestand ab – deutlich mehr als bei der letzten umfassenden Bewertung im Jahr 2016, als es 44 Prozent waren. Betroffen sind auch Arten in der Schweiz wie der Wachtelkönig und die Bekassine. Hauptursachen sind die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen durch die Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft, Flächenversiegelung und Abholzung.

Steinkauz, Goldschakal, Murmeltier: Das sind die Gewinner und Verlierer unter den Wildtieren 2025
Vögel wie der Wachtelkönig sind in der Schweiz durch die Zerstörung und Zerschneidung ihrer Lebensräume bedroht.

Bachflohkrebse

Bachflohkrebse ernähren sich von abgestorbenem organischem Material und sorgen damit für klares Wasser. Gleichzeitig dient der Bachflohkrebs vielen Fischen als Nahrung. Bachflohkrebse reagieren aber sehr empfindlich auf Gewässerverschmutzung mit Pestiziden. Entsprechend verschwindet der Bachflohkrebs aus immer mehr Bächen. Mit dem Verzicht auf die Einführung eines Grenzwertes von Deltamethrin in den Gewässern habe es der Bundesrat verpasst, die Überlebenschancen von Bachflohkrebsen zu verbessern, so der WWF.

Um bedrohte Arten zu retten, fordert der WWF eine Naturschutz- und Renaturierungsinitiative. Diese sei dringend nötig, um den negativen Trend zu stoppen und wieder mehr Natur zu schaffen. René Kaspar, Artenschutzverantwortlicher International beim WWF Schweiz, fordert: «Es braucht einen globalen Schulterschluss, um Lebensräume zu schützen und wiederherzustellen. Eine intakte Natur ist unsere wichtigste Verbündete gegen die Klimakrise und das weltweite Artensterben.»

Weiterlesen