Interview mit Fotograf Ingo Arndt
Tierfotografie: In Patagonien dem Puma auf der Spur
Im Torres-del-Paine-Nationalpark in Patagonien sind Pumas die Hauptattraktion. Der Fotograf Ingo Arndt hat sie über Monate hinweg begleitet, ihre Jungen beobachtet und einzigartige Momente aus nächster Nähe eingefangen. Im Interview erzählt er vom wachsenden Tourismus und wie sich dieser auf den Puma auswirkt.
Herr Arndt, warum eignet sich der Torres-del-Paine-Nationalpark so gut für Puma-Beobachtungen?
Weil dort unglaublich viele Guanakos leben – ihre Hauptbeute. Dadurch ist die Dichte an Pumas hoch, die Reviere sind kleiner und man hat gute Chancen, sie zu sehen. Früher waren sie sehr scheu, Aufnahmen gab es fast nur von Kamerafallen. Doch einige Tiere gewöhnten sich langsam an Menschen, und inzwischen ist es viel einfacher, sie zu beobachten. Die offene Landschaft gibt ihnen zudem Sicherheit, weil sie alles im Blick haben.
Über die Jahre haben Sie verschiedene Tiere in Patagonien fotografiert. Was hat Sie dazu gebracht, sich besonders lange mit den Pumas zu beschäftigen?
Ich wollte die Aufzucht eines Weibchens von Anfang bis Ende begleiten – rund anderthalb Jahre, bis die Jungen erwachsen sind und das Revier verlassen müssen. Eine solche Reportage gab es zuvor nicht. Am Ende konnte ich sogar zwei Weibchen, Sarmiento und Colmillo, bei ihrer Aufzucht begleiten. Diese Langzeitbeobachtung war nur möglich, weil ich in dieser Zeit immer wieder nach Patagonien zurückgekehrt bin.
Wo konnten Sie denn fotografieren, wenn man im Nationalpark die Wege nicht verlassen darf?
Ich habe mit den Besitzern der riesigen Schaffarmen rund um den Park zusammengearbeitet und Landnutzungsgebühren bezahlt. Zu dieser Zeit begann auch der Puma-Tourismus: Immer öfter führten Tracker Besucher zu den Tieren. In den letzten sechs, sieben Jahren hat dies die Gewöhnung der Pumas an Menschen stark beschleunigt. Heute ist es dort daher relativ einfach, nahe an sie heranzukommen.
Welche Distanz sollte man dabei einhalten?
Grundsätzlich sollte man 70 Meter Abstand halten. Manche Tracker missachten dies, und manche Tiere kommen aber auch von sich aus zu nahe – manchmal nur wenige Meter entfernt.
Sind Pumas nicht auch gefährlich?
Natürlich, denn Pumas sind noch immer Raubtiere. Es kam bereits vor, dass Ranger verfolgt wurden – einer musste einmal eine Nacht im Toilettenhäuschen ausharren. Meine brenzligste Situation hatte ich mit einem besonders neugierigen und aggressiven Jungtier von Colmillo. Es kam auf mich zu und stellte sich mir plötzlich drohend gegenüber. In solchen Momenten darf man auf keinen Fall wegrennen. Ich habe laut geklatscht, bis mein Tracker kam und wir Steine in seine Nähe warfen, um es zu vertreiben.
Und was war der schönste Moment, den Sie mit einem Puma erlebt haben?
Als ein Puma bis auf 15 Meter an mich herankam, sich hinlegte und einschlief. Das ist wirklich das grösste Kompliment, das man als Tierfotograf bekommen kann – wenn ein Raubtier einem so sehr vertraut.
Die Vertrautheit zum Menschen wächst durch den zunehmenden Tourismus. Wie wirkt sich dieser auf die Pumas aus?
Er hat zwei Seiten. Einerseits erschwert er die Jagd für Pumas. Denn Guanakos haben gelernt, dass dort, wo Menschen sind, oft auch Pumas in der Nähe sein könnten. Sie schlagen Alarm, bevor der Puma überhaupt eine Chance hat. Andererseits profitieren die Einheimischen enorm. Früher haben die Schafzüchter Pumas oft erschossen, sobald sie ihren Tieren zu nahe kamen. Ein Schäfer erzählte mir sogar, er habe über hundert Pumas getötet. Heute verdienen viele durch den Tourismus gut daran, ihr Land für Beobachtungen bereitzustellen und den Puma zu dulden – und das schützt natürlich die Tiere.
Abgesehen von den Pumas – was macht Patagonien für Sie so besonders?
Die Landschaft in Patagonien ist so wahnsinnig vielfältig und attraktiv. Von Berglandschaften, Wüsten und Fjorden bis hin zu Regenwäldern. Zudem habe ich selten auf der Welt, wenn überhaupt, so grosse und zusammenhängende Wildnisgebiete wie in Patagonien erlebt. Besonders speziell ist die Südspitze. Dort windet es so stark, dass es Wohnmobile auf die Seite legt oder einem das Zelt ständig flachdrückt. So extremes Wetter hat für mich aber auch einen enormen Reiz. Als Tierfotograf will ich die Elemente spüren, wenn ich unterwegs bin. Erst wenn es stürmt, fühle ich mich so richtig lebendig.
Zu welcher Jahreszeit ist Patagonien denn am schönsten?
Im dortigen Herbst, wenn bei uns Frühling ist. Dann färben sich die Südbuchen in knalliges Rot, etwa im Cerro-Castillo- oder Patagonia-Nationalpark. Einen solch schönen Herbst habe ich noch nirgends auf der Welt erlebt.
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Wie viele Monate verbrachte Ingo Arndt bisher in Patagonien?
Kleiner Tipp: Die Lösung finden Sie unter anderem auf der Explora-Website.
So sind Sie dabei: Senden Sie eine E-Mail oder Postkarte mit der Lösung und dem Vermerk «Patagonien» sowie Ihrem Wunschtermin an:
Schweizer Agrarmedien AG, Magazin TierWelt, Talstrasse 3, 3053 Münchenbuchsee, oder eine E-Mail an: kontakt(at)tierwelt.ch
Teilnahmeschluss: 22. Januar 2026
Die Gewinnerinnen oder die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Keine Barauszahlung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeitende der Schweizer Agrarmedien AG sind nicht teilnahmeberechtigt.
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