Auch Vögel haben Persönlichkeiten, das wissen Ornithologen schon lange. Wissenschaftlerinnen der Vogelwarte Sempach haben nun eine Studie durchgeführt, wie Schleiereulenpaare Junge grossziehen - und welche Rolle die Persönlichkeit der Vögel bei der Zusammenarbeit spielt.

Von Anfang an war klar: Wo die Zusammenarbeit der Schleiereuleneltern besonder gut funktioniert. haben Jungtiere bessere Überlebenschancen bis zum Flüggewerden. Dabei “verhandeln” die Eltern untereinander laufend, wer welche Aufgaben übernimmt - zum Beispiel die Jagd, um die Brut mit Nahrung zu versorgen. 

Zusammen mit der Universität Lausanne hat die Vogelwarte für die Studie 168 Schleierulen mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihre nächtlichen Jagdflüge zu dokumentieren. So konnten die Forschenden den Jagderfolg, die Nestbesuche und die Interaktionen innerhalb des Paares bestimmen. Es zeigte sich, dass das Jagdverhalten von Paaren nicht in Stein gemeisselt ist. Sobald einer der Partner weniger unterwegs war oder es in der Umgebung nur wenig Beute gab, sprang der andere Partner vermehrt mit ein. Dabei stimmten sich die Elternvögel so ab, dass sie abwechselnd zum Nest zurückkehrten. Die Resultate der Studie zeigen zudem: Wenn die Schleiereulenpaare die Aufgaben gerechtern untereinander aufteilten, gediehen die Küken besser als bei Paaren, bei denen ein Ungleichgewicht herrschte. 

In der Schweiz bewohnt die Schleiereule das Mittelland nördlich der Alpen, wo zwischen 200 und 1000 Paaren brüten. Sie gilt als potenziell gefährdet und profitiert von gezielten Fördermassnahmen.