«Kleine Sensation»
Fischotter auf dem Vormarsch: Neue Nachweise in Solothurn und St. Gallen
Eine Spur an der Aare sorgt für Aufsehen: Erstmals seit über 90 Jahren wurde im Kanton Solothurn ein Fischotter nachgewiesen. Auch in der Ostschweiz mehren sich die Hinweise auf die Rückkehr des einst ausgerotteten Tieres.
Am Aareufer bei Selzach (SO) wurde kürzlich eine Fischotterspur gesichtet. Die Entdeckung erfolgte im Rahmen des Projekts «Otterspotter» der Stiftung Pro Lutra sowie der WWF-Sektionen Bern und Solothurn.
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Pro Lutra setzt sich für die langfristige Rückkehr des Fischotters in die Schweizer Gewässer ein. Den Fund in Selzach bezeichnet die Stiftung in den sozialen Medien als «kleine Sensation»: Schliesslich handelt es sich um den ersten Nachweis eines Fischotters auf Solothurner Kantonsgebiet seit 91 Jahren. Der letzte datierte Fund stammt aus dem Jahr 1935.
Auch im Kanton St. Gallen wieder heimisch
Nicht nur im Kanton Solothurn wurden wieder Fischotter nachgewiesen. Auch der Kanton St. Gallen vermeldete mehrere Sichtungen. Der erste Nachweis seit der Ausrottung gelang 2021 im St. Galler Rheintal. 2024 tappten am Rheinufer bei Sevelen junge Fischotter in eine Fotofalle.
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Neu ist die Art auch an der Linth wieder heimisch: Wie das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei diesen Januar mitteilte, fand ein speziell ausgebildeter Artenspürhund im vergangenen Dezember innert kürzester Zeit mehrere Fischotterlosungen am Flussufer bei Benken und Umgebung. Nun würden Artenspürhunde auch an den Flüssen Thur und Necker nach Spuren des Tieres suchen, berichtet das St. Galler Tagblatt.
Von Menschenhand ausgerottet
Einst war der Fischotter in der Schweiz weit verbreitet, wurde jedoch von Menschenhand ausgerottet. Bis ins frühe 20. Jahrhundert galt er als Schädling, da er von der Fischerei als Konkurrent betrachtet wurde. Entsprechend wurde er intensiv verfolgt, bejagt und mit Fallen oder Gift bekämpft. Mancherorts wurden sogar Abschussprämien auf den Fischliebhaber ausgesetzt. Diese systematische Verfolgung führte bereits um 1900 zu einem starken Bestandsrückgang.
Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts verschärfte sich die Situation zusätzlich durch die zunehmende Verschmutzung der Gewässer. Industrieabwasser, Pestizide und langlebige Umweltgifte wie PCB gelangten in Flüsse und Seen. Parallel dazu wurden viele Fliessgewässer begradigt, verbaut oder eingedolt, Ufergehölze entfernt und Auen zerstört. Dadurch gingen strukturreiche Lebensräume, Rückzugsorte und ein ausreichendes Nahrungsangebot verloren, die für den Fischotter lebenswichtig sind.
Dank langjähriger Bemühungen von Naturschützenden wurde der Fischotter 1952 unter Schutz gestellt. Seinen Rückgang konnte dies jedoch nicht mehr aufhalten: Der letzte Nachweis eines wildlebenden Fischotters in der Schweiz wurde 1989 am Neuenburgersee erbracht. Danach galt die Art rund 20 Jahre als verschwunden, bis ab 2009 wieder vermehrt Tiere gesichtet oder nachgewiesen wurden.
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