Manchmal ist Blutauffrischung im Tierbestand notwendig, beispielsweise bei den Afrikanischen Wildhunden. Deshalb wurde im Mai 2025 ein fünfjähriges Weibchen aus dem niederländischen Safaripark Beekse Bergen in den Zoo Basel transportiert. Es traf auf einen gleichaltrigen Rüden aus Basler Zucht. Seine beiden Brüder verliessen Basel im Mai in Richtung England, wo sie jetzt im Dudley Zoo leben.

Die beiden Afrikanischen Wildhunde oder Hyänenhunde liegen am späten Vormittag anfangs Juni 2025 einträchtig in einer Felsenhöhle, als ob sie schon lange zusammengehörten. Sie sind müde vom vormittäglichen Spiel. Da wälzten und fläzten sie sich auf dem Boden und rauften miteinander. Viel Hoffnung liegt auf ihnen. Sie sollen den Grundstock für ein Basler Rudel bilden.

«Die Zusammenführung ist nicht einfach, verlief aber sehr ruhig», sagt der Kurator Fabian Schmidt. Das Gehege sei mit einem Netz unterteilt worden, damit sich die beiden kennenlernen konnten. Der Basler Zoo ist routiniert in der Haltung und Zucht der Wildhunde. Bereits 1954 gelangte das erste Tier aus dem Zoo Artis in Amsterdam, Niederlande, nach Basel. Die Art wird seither, mit einem Unterbruch, in der Stadt am Rheinknie, im ältesten Zoo der Schweiz, gehalten und vermehrt.

Ihr Gehege weist Vegetationszonen und verschiedene Gefälle auf. Im Winter stünde ihnen ein Schutzhaus zur Verfügung, berichtet Fabian Schmidt. Er hat die Wildhunde auch in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Afrika beobachtet und erinnert sich an ein Erlebnis mit dieser Art im Freiland: «Nahe des Camps im Ruaha-Nationalpark in Tansania rissen sie eine Impala, liessen den Kadaver aber liegen und suchten das Weite, weil sie sich durch Menschen gestört fühlten.» Diese Beobachtung illustriert, wie scheu sie sind und dass sie für den Menschen keine Gefahr darstellen.

[IMG 2]

Rudel mit Alpha-Paar

Überhaupt sind Hyänenhunde in der Natur eher in der Defensive. «Dort wo die Löwenbestände gross sind, weichen Hyänenhunde aus», sagt Fabian Schmidt. Da Löwen in Nationalparks und Schutzgebieten als Touristenmagnete gälten, zögen die Hyänenhunde meist den Kürzeren und verschwänden. «Ausser in einem Reservat in Südafrika, wo besonders Rücksicht auf Hyänenhunde genommen wird», berichtet der Zoologe. Gerade auch wegen des Ausweichverhaltens Löwen gegenüber seien die Territorien der Hyänenhunde ausgedehnt. «Das Streifgebiet eines Rudels beträgt etwa 2000 Quadratkilometer», sagt der Zookurator Schmidt. Die durchschnittliche Grösse eines Nationalparks in Afrika liege bei 5000 Quadratkilometern, dies erkläre auch, weshalb es um die Afrikanischen Wildhunde schlecht stehe und sie mehrheitlich auch im Wildbestand gemanagt würden.

Schätzungen zufolge weist der Bestand weltweit weniger als 1500 züchtende Individuen auf. «Meist pflanzt sich im Rudel nur das Alpha-Paar fort, aber auch die Brüder des Alpharüden decken manchmal Weibchen», erklärt Fabian Schmidt.

Der Lebensraum ist fragmentiert und reicht von der Savanne bis zur Schneegrenze am Kilimandscharo und in die randständige Sahara. Wildhundebestände wurden durch die von verwilderten Hunden übertragenen Krankheiten Tollwut und Staupe ausgelöscht oder arg dezimiert.

Umso wichtiger ist die Zucht unter Menschenobhut. «Die Population in Europa beträgt 150 Tiere, die Zucht wird durch ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm koordiniert», sagt Fabian Schmidt. Meistens gebe es einen Wurf pro Jahr. Die Erwachsenen würgen den Jungen Fleisch hervor. Sechs bis acht Kilo würde ein Hyänenhund pro Mahlzeit fressen. 2019 glückte die letzte Zucht in Basel. Daraus entstammt der Rüde, welcher nun, zusammen mit seiner Partnerin aus den Niederlanden, ein hoffnungsvolles Paar bildet.

Afrikanischer WildhundDer Afrikanische Wildhund oder Hyänenhund (Lycaon pictus) gehört in die Ordnung der Raubtiere und zur Familie der Hunde. Hyänenhunde unterscheiden sich aber von anderen Hunden, denn sie haben nur vier statt fünf Zehen und 12 bis 16 Milchdrüsen statt acht bis zehn wie etwa Hunde. Die Fleckenzeichnung ist individuell.