Ziervogellexikon
Kuba-Amazone: ein Bote des Kolumbus
Kolumbus und seine Besatzungsmitglieder stiessen als erste Europäer auf Kuba-Amazonen, als sie in der Karibik anlangten. Bis heute ist diese attraktive Amazonenart begehrt in der Haltung und Zucht.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Amazona leucocephala
Unterarten: Nominatform Kuba-Amazone (Amazona leucocephala leucocephala), Ost- und Zentral-Kuba; Westliche Kuba-Amazone (Amazona leucocephala palmarum), West-Kuba; Cayman-Amazone (Amazona leucocephala caymanensis), Insel Grand Cayman; Cayman-Brac-Amazone (Amazona leucocephala hesterna), Cayman-Brac-Inseln; Bahama-Amazone (Amazona leucocephala bahamensis), Bahama-Inseln Great Inagua und Abaco
Herkunft: Kuba und umliegende Inseln
Grösse: 32 cm
Wildfarbe: grün, roter Latz, weisse Stirn
Mutationen: kaum, Formen mit gelben Schwingen und rotem Bauchgefieder bekannt
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 9,5 mm
Lebenserwartung: ca. 20 Jahre
Platzansprüche: kombinierte Innen- und Aussenvolieren oder Voliere von 2 x 2 x 2 Meter.
Ausstattung: zahlreiche frische Äste, Wurzelstock zum Nagen
Stimme: laute, gellende Rufe, umfangreiches Repertoire
Haltung: paarweise
Herkunft und Geschichte
Kuba-Amazonen tragen ihre Herkunft bereits im Namen. Es dürfte sich wohl um die erste Amazonenart handeln, die von den Entdeckern Amerikas nach Europa gebracht worden ist. Wo Papageien flogen, da muss auch Gold sein, nahmen Kolumbus und seine Männer an und waren nach der ersten Sichtung der Amazonen erst recht darauf fixiert, in der Karibik Gold zu finden. Die Kuba-Amazone war in Westeuropa und den USA lange eine Rarität, wohingegen sie in den ehemaligen Ostblock-Ländern häufig war. In der einstigen DDR gehörte sie zu den häufigsten Amazonen. Die Häufigkeit dieser Art in ehemals kommunistischen Ländern Europas weist auf die Beziehungen dieser Länder mit Kuba hin. Die Welterstzucht dieser Art gelang 1922 in Japan. 1975 hatte der Züchter S. Schenk in der DDR Erfolg. 1981 gelang die schweizerische Erstzucht der Exotis Mario Albek im Tessin. Er schrieb darüber in der Zeitschrift «Gefiederter Freund».
In Kuba leben die Amazonen ausserhalb der Brutzeit paarweise, in Gruppen und in kleinen Schwärmen. An Schlafplätzen sammeln sich grössere Schwärme. Kuba-Amazonen leben in dichten Laub- und Nadelwäldern sowie in Palmen bestandenen Gebieten vom Tiefland bis ins Gebirge. Sie überfliegen teilweise auch Farmland und sind selten geworden. Unterarten auf umliegenden Inseln sind sogar vor dem Aussterben bedroht.
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Eignung als Heimtier
Kuba-Amazonen wurden in der Vergangenheit sogar in Käfigen in Wohnungen gezüchtet. Heute sollten sie aber paarweise als Volierenvögel gepflegt werden. Aufgrund der lauten Stimmen eignen sie sich nicht zur Haltung in einem Wohnblock oder in einer Siedlung mit Nachbarn, die nahe wohnen.
Erwerb
Kuba-Amazonen heute zu erwerben, ist nicht ganz so einfach. Es gelingt über die Züchterverbände Exotis und Ziervögel Schweiz. Die Exotis führt auf ihrer Webseite auch eine Börse mit Inseraten. Zudem kann auf der Bestandesliste Kontakt zu Haltern von Kuba-Amazonen gefunden werden. Gelingt es nicht, in der Schweiz blutsfremde Kuba-Amazonen zusammenzustellen, ist es bestimmt möglich, sie in Deutschland zu erwerben, denn dort gibt es viele Züchter. Die Zeitschrift «Papageien» beispielsweise veröffentlicht zahlreiche Kleininserate, so dass dort Kontakt zu Züchtern der Art gefunden werden kann.
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Ernährung und Pflege
Kuba-Amazonen sollten mit einer mageren Samenmischung für Amazonen sowie mit Gemüse und Früchten gefüttert werden. Gemüse und Früchte sind täglich zu reichen. Die Samenmischung sollte während der Zuchtzeit gekeimt angeboten werden. Der Keimprozess setzt Vitamine frei und verändert den Fettgehalt der Sämereien. Kalzium und Grit sollten den Amazonen stets zur Verfügung stehen. Sie lassen sich auch gerne regelmässig abbrausen. Manche baden gerne in einer Schale. Zudem benagen sie frische, belaubte Äste sehr gerne.
Zucht
Es wirkt stimulierend für das Paar, wenn sich im Nistkasten viele morsche Holzstücke befinden, die zernagt werden können. Ein Nistkasten kann verschiedene Formate aufweisen, ob hoch, liegend oder als Ablaufkasten, meist sind die Kuba-Amazonen nicht anspruchsvoll und freuen sich über eine Höhle. Ein mögliches Mass ist etwa 50 x 25 x 35 cm, der Durchmesser des Einschlupflochs kann 10 cm betragen. Als Einstreu eignen sich Holzschnitzel oder Hobelspäne. Meistens werden drei bis vier Eier gelegt und während 26 bis 28 Tagen vom Weibchen bebrütet. Das Männchen füttert das Weibchen im Kasten. Während der Jungenaufzucht benötigen die Altvögel Keimfutter, viele Früchte und Gemüse sowie Hüttenkäse. Sie geben ihn an die Jungen weiter. Dies verhindert, dass sie rachitisch werden. Die Jungen werden von beiden Elternteilen gefüttert, manchmal auch nur vom Weibchen. Nach ungefähr zehn bis zwölf Wochen fliegen die Jungen aus und werden noch einige Wochen von den Altvögeln gefüttert, bis sie eigene Wege gehen.
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Lustig
Papageien der Karibik scheinen weltpolitisch eine entscheidende Rolle gespielt zu haben. Am 3. August 1492 stach Christoph Kolumbus mit drei Karavellen in See, um über den Atlantik westwärts bis Indien zu gelangen. Im Bericht des Dominikanermönchs und späteren Bischofs der spanischen Kolonien in der neuen Welt, Bartolomé de las Casas, heisst es, dass es in der Nacht vom 6. zum 7. Oktober zu Auseinandersetzungen über den einzuschlagenden Kurs zwischen Kolumbus und seinem Begleiter Martin Alonso Pinzón kam.
Pinzón meinte, man müsse nach Südwesten drehen, denn er hatte am Abend eine Schar von Papageien in diese Richtung fliegen sehen und vermutete, dass sie zum Land strebten, um zu schlafen. Kolumbus hingegen wollte nach Westen weitersegeln. Die Papageien gaben aber den Ausschlag, und Kolumbus liess nach Südwesten drehen. Wäre er nach Westen gesegelt, wäre er auf Nordamerika getroffen und man spräche heute dort nicht englisch, sondern spanisch.
Die Papageien wurden von den Spaniern als «Boten Gottes» bezeichnet. Sie sollen, wie Las Casas berichtete, «die ganze Nacht hindurch nach Südwesten geflogen sein». Ob es sich dabei um Amazonen oder überhaupt um Papageien gehandelt hat, ist hingegen nicht bekannt, denn Kolumbus schrieb in seinem Bordbuch lediglich von Vögeln.
Als die Seefahrer am Freitag, 12. Oktober 1492, dann tatsächlich auf der Koralleninsel Guanahani, dem späteren San Salvador, landeten, stiessen sie tatsächlich auf Papageien, und zwar auf eine Unterart der Kuba-Amazone (Amazona leucocephala), die einst auch auf vielen vorgelagerten Inseln verbreitet war.
Namensgebung
Die Nominatform der Kuba-Amazone wurde durch Carl von Linné 1758 wissenschaftlich beschrieben. Die Artbezeichung leucocephala ist lateinisch und heisst weissköpfig.
Besonderheit
Kuba-Amazonen sind wunderschön und schreiten bereitwillig zur Brut. Man muss aber sehr aufpassen aufgrund der Aggressivität des Männchens. Auch bei einem harmonischen Paar kann die Stimmung plötzlich umschlagen, so dass das Männchen das Weibchen stark jagt. Es sollte dann vorsichtshalber in einem Käfig innerhalb der Voliere gehalten werden. Die Voliere muss gut strukturiert sein und einen Sichtschutz aufweisen, so dass sich die Vögel ausweichen können. Es ist wichtig, die Amazonen gut zu beobachten, um einzuschreiten, wenn sich Anzeichen von Aggressivität zeigen.
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