Ziervogellexikon
Inkakakadu: Haubenkönig aus Australien
Inkakakadus stammen aus trockenen Gebieten Australiens. Wenn sie bei Erregung oder Aufregung ihre Haube aufrichten, werden die ansonsten dezent rosa gefärbten Australien zu reinen Farbenwundern. Spezialisierten Züchtern in der Schweiz gelingt die Vermehrung dieser besonderen Art immer wieder.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Cacatua leadbeateri oder Lophochroa leadbeateri
Unterarten: keine
Herkunft: weite Teile im Innern Australiens, im Süden bis an die Küste
Grösse: 35 cm
Wildfarbe: weiss-rosa, Federhaube weiss, rot und gelb
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Bei den Weibchen ist die Iris, die Pupille, rötlich gefärbt, beim Männchen ist sie schwarz.
Ringgrösse: 11 mm
Lebenserwartung: ca. 50 Jahre, es gibt aber Aufzeichnungen, die besagen, dass ein Inkakakadu 83 Jahre alt wurde.
Platzansprüche: In der Schweiz ist ein Käfig mit einer Grundfläche von 0.7 m² und einer Höhe von 120 cm vorgeschrieben. Besser ist eine kombinierte Innen- und Aussenvoliere mit Aussenvolieren von etwa 5 Meter Länge und 2 Meter Breite. Der Innenraum kann wesentlich kleiner sein.
Ausstattung: Flugraum, frische Äste zum Nagen, am Boden morsche Wurzelstöcke, Sand und Kies.
Stimme: lautes Kreischen
Haltung: paarweise
Herkunft und Geschichte
Inkakakadus leben in trockenen, heissen Gegenden Australiens mit lockerem Baumbestand. Die Bäume gehören meistens der Gattungen Eucalyptus und Allocasuarina an. Doch auch Akazienbuschland wird von den Kakadus besucht. Limitierend bezüglich Ausbreitung ist der Zugang zu Frischwasser. In weiten Teilen im Innern Australiens gibt es kein Frischwasser, so dass die Inkakakadus dort nicht leben können. Es scheint, dass Inkakakadus nicht von Viehtränken profitieren, die an vielen Orten in trockenen Gegenden angelegt wurden. Anders als Rosa- und Nacktaugenkakadus meiden sie bebaute Gebiete und reagieren empfindlich auf Abholzung. Ihr Bestand geht überall in Australien zurück. Darum sind diese schönen Kakadus auch in allen australischen Bundesländern geschützt. Inkakakadupaare brüten nicht in nahem Abstand zueinander und fliegen kaum über baumlose Gebiete. Inkakakadus ernähren sich von Grassamen, Blüten, Blattknospen und Larven.
Erstmals wurde eine Zucht 1901 bei einer Mrs. Johnstone in England verzeichnet. Vereinzelt gab es bereits ab 1960 in Europa, insbesondere in Deutschland, Zuchterfolge. So richtig setzte die Zucht aber erst ab den 1990er Jahren ein. Der Inkakakadu war lange Zeit eine grosse Rarität in den Volieren von Schweizer Züchtern. Heute wird er von einigen wenigen Züchtern gut vermehrt. In Australien gehört der Inkakakadu zu einem häufigen Kakadu in den Volieren von Züchtern.
[IMG 2]
Eignung als Heimtier
Inkakakadus wurden, im Gegensatz zu vielen anderen Kakaduarten, nie als Heimvögel gehalten. Sie werden weniger zahm und sind dem Menschen nicht so zugetan wie andere Arten. Auf jeden Fall können Inkakakadus nur in Volieren und paarweise gehalten werden. Wegen ihrer lauten Stimme kann es Probleme mit Nachbarn geben.
Erwerb
Inkakakadus können von Schweizer Züchtern erworben werden. Kontakte zu ihnen findet man insbesondere im Verband Exotis. Dieser Verband führt auch eine Bestandesliste mit Adressen der Züchter.
[IMG 3]
Ernährung und Pflege
Inkakakadus müssen mit einer speziellen Samenmischung für australische Kakadus ernährt werden. Sie benötigen viele kleine, wenig fetthaltigen Sämereien. Wird ihnen eine Samenmischung, bestehend aus vielen Sonnenblumenkernen, gereicht, neigen sie zur Verfettung. Zusätzlich sollten Inkakakadus immer viele Gräser aus der Natur gereicht werden. Auch Fenchel, Broccoli, Sellerie, Apfel, Rüebli und andere Früchte gehören zur täglichen Nahrung. Inkakakadus müssen stetig Zugang zu Grit und Sand haben. Auch Kalk muss in Form von Sepiaschalen und lose stets zur Verfügung stehen. Inkakakadus baden gerne. Entweder, sie lassen sich abduschen oder baden in einer Schale. Das Schutzhaus für Inkakakadus muss nicht geheizt werden, respektive sollte frostfrei bleiben. Eine Temperatur von 0 Grad ist absolut in Ordnung, denn diese Kakadus überstehen in ihrer australischen Heimat auch Frostnächte problemlos.
Zucht
Das Inkakakadupaar benötigt einen Nistkasten, der aus Brettern gezimmert sein kann oder aus einem ausgehöhlten Baumstamm bestehen kann. Es akzeptiert Nistkästen verschiedener Grösse. Im Palmitos Park auf Gran Canaria, Spanien, beispielsweise brütete ein Paar in einem Kasten mit den Grundmassen 30 x 40 Zentimeter, also in einem kleinen Kasten. Meistens werden zwei bis fünf Eier gelegt und während 24 Tagen von beiden Elternteilen bebrütet. Die Jungen bleiben während acht Wochen im Nest, bevor sie ausfliegen. Während der Aufzuchtszeit sollte den Altvögeln auch Keimfutter, Aufzuchtfutter und Hüttenkäse gereicht werden. Der Hüttenkäse bewirkt, dass die Jungen nicht rachitisch werden. Der Nachwuchs wird nach dem Ausfliegen noch einige Wochen von den Eltern geführt und gefüttert. Die Vögel werden im Alter von drei bis vier Jahren geschlechtsreif.
Lustig
Wenn Inkakakadus erregt oder aufgeregt sind, richten sie ihre schmucke Federhaube auf. Dabei leuchten die Farben rot und gelb. Die Haubenfedern haben weisse Spitzen. Es entfaltet sich so ein unglaublicher Farbenreigen.
[IMG 4]
Namensgebung
1829 wurde das vermutlich erste Exemplar eines Inkakakadus in Australien geschossen, das durch einen Europäer gesehen wurde. Da die Art hauptsächlich im Inland Australiens vorkommt, wurde sie später entdeckt als andere Kakaduarten. Die Artbezeichnung ehrt den Londoner Ornithologen, Präparator und Naturalienhändler Benjamin Leadbeater (1760 – 1837). Der Inkakakadu wurde 1831 durch den irischen Zoologen Nicholas Aylward Vigors erstmals wissenschaftlich beschrieben. Pierre Vieillot begründete die Gattung Cacatua. Die prächtigen Haubenfedern erinnern an den Kopfschmuck der Inkas. Im Englischen wird die Art auch Major Mitchells Cockatoo genannt, dies in Erinnerung an Major Thomas Mitchell (1792 – 1855), der mehrere Expeditionen zur Erforschung des Innern Australiens durchgeführt hat.
Besonderheit
Cookie hiess ein Inkakakadu im Brokfield Zoo, Illinois, nahe Chicago in den USA. Der Vogel gehörte gemäss den Aufzeichnungen bei der Eröffnung des Zoos 1934 zum Bestand und verstarb am 27. August 2016 im Alter von 83 Jahren. Seit 2009 war er nicht mehr in der Ausstellung zu sehen, da er ab diesem Zeitpunkt altersschwach und kränklich gewesen sei, berichtet der Zoo.
Bitte loggen Sie sich ein, um die Kommentarfunktion zu nutzen.
Falls Sie noch kein Agrarmedien-Login besitzen:
Jetzt registrieren